01 – Afghanistan

Afghanistan

Ich habe eine Frage zu den Entwicklungen in Afghanistan. Was heute dort geschieht steht bekanntlich in einem Zusammenhang mit den Ereignissen vom  11. September. Die werden, von außen betrachtet und je nach Standpunkt und Interessenlage des Betrachters, entweder als Verbrechen an der sog. „zivilisierten Welt“, als Terroranschlag oder auch als neue Qualität von Krieg bezeichnet. Das gibt ihnen zwar einen Namen, aber noch lange keinen Sinn.

In deiner Antwort auf meine Frage vom 26. September bezeichnest du nun den Tod der Menschen in diesem Zusammenhang als ein OPFER, das von ihnen ERBRACHT worden ist, wobei du keinen Unterschied zwischen Opfern und Tätern machst. Den Grund für das, was am 11. September geschehen ist, siehst du insgesamt in mangelnder Liebe.

Das macht für mich Sinn, aber:

Der 11. September hat Folgen nach sich gezogen. Seitdem herrscht Krieg in Afghanistan und wieder müssen Menschen sterben. Wie in jedem Krieg.

Ich frage mich: Müssen auch die Toten und Verwundeten in Afghanistan, ganz gleich auf welcher Seite sie kämpfen, als Opfer im oben genannten Sinne betrachtet werden? Opfern sie sich also um dem Rest der Menschheit etwas mitzuteilen? Und wenn das so ist, welches Bewusstsein kann Menschen dazu veranlassen, gleich massenhaft in eine solche Opferrolle zu schlüpfen? So etwas geschieht ja immerhin nicht bewusst.

Und ich habe noch eine weitere Frage:

Jeder redet inzwischen vom „11. September“ fast schon so, als handle es sich dabei um ein ganz besonders welterschütterndes Ereignis, wie es die Menschheit noch nie zuvor erlebt hat. Dem ist natürlich nicht so. Es gibt unzählige Kriege, auch in jüngster Vergangenheit, die den Ereignissen vom 11. September an Scheußlichkeit in nichts nachstehen und bei denen es noch weitaus mehr Opfer gegeben hat. Doch die werden, weil sie nicht bei uns, sondern in sicherer Entfernung irgendwo auf dem Globus stattgefunden haben, in unserem Bewusstsein entweder abgehakt oder nicht einmal zur Kenntnis genommen.

Sind diese Kriege ebenfalls „Botschaften“, die wir in unserer sicheren „zivilisierten Welt“ nicht verstanden haben? Und ist Krieg wirklich immer nur die Folge mangelnder Liebe? Darf man das derart vereinfachen?

Antwort:

Krieg ist ein Ausdruck fehlender Liebe oder auch ein Ausdruck von Angst. Das ist dasselbe. Liebe entsteht durch das Bewusstsein mit allem verbunden zu sein, Angst durch die Vorstellung, von allem getrennt zu sein. Fehlt das Bewusstsein der Einheit mit allem, mit dem großen Ganzen und damit auch mit mir, macht das Angst. Und weil ein solcher Zustand für die meisten Menschen ein Dauerzustand ist, lebt ein ganz erheblicher Teil der Menschheit ständig in Angst.

Wer sich in seinem inneren Gleichgewicht befindet, braucht keine Kriege zu führen. Nicht mit seinem Partner, nicht mit seinen Nachbarn, nicht mit den Kollegen am Arbeitsplatz und schon gar nicht mit Menschen, die er nicht einmal kennt wie z.B. Obdachlose, Drogenabhängige, Ausländer, Angehörige irgendwelcher Minderheiten, Randgruppen, Volksgruppen oder wen auch immer. Er hat es nicht nötig, weil er sich von niemandem bedroht fühlt und das wiederum kommt daher, dass er nichts zu verteidigen hat.

Der Mensch in seiner Mitte weiß, das nichts im Leben wirklich sicher ist. Also wird er niemals das Bedürfnis haben etwas festzuhalten sondern immer bereit sein loszulassen, wenn der Moment dazu gekommen ist. Er ist im Einklang mit sich, er ist mit allem verbunden und damit eins mit der Welt. Woran sollte er sich klammern wollen, wenn ihm doch die ganze Welt mit all ihren Möglichkeiten offen steht?

Wer nicht bereit ist loszulassen, kann nichts neues ergreifen. Dadurch aber nimmt er sich selbst die Möglichkeit zu lernen, zu wachsen und sich zu verändern wie die Welt, in der er lebt, es ohne Pause tut. Auch das macht Angst. Die Angst zurückzubleiben und verlassen zu werden.

Aus solchen Gründen führen Menschen Krieg, denn was für den Einzelnen gilt, gilt natürlich genauso für die Gemeinschaft. Kein Volk, das sich in seinem inneren Gleichgewicht befindet, würde einem anderen Volk den Krieg erklären. Das wäre geradeso, als würde es Krieg gegen sich selber führen.

Insofern muss der Krieg in Afghanistan anders betrachtet werden als die Anschläge vom 11. September, aus denen er hervorgegangen ist. Wem es gelingt, das Geschehen vom 11. September losgelöst von den Motiven der Attentäter zu betrachten und sich aller moralischen Wertungen zu enthalten, wird in den Ereignissen letztendlich einen Akt der Liebe erkennen.

Täter und Opfer haben in dramatischer Weise darauf aufmerksam machen wollen, in welch hohem Maße die Welt heute von Angst anstatt von Liebe regiert wird. Natürlich war dies keinem der daran Beteiligten bewusst. Die Täter hatten völlig andere Motive und die späteren Opfer hatten am 11. September ganz gewiss nicht die Absicht zu sterben.

Es waren ihre Seelen, die so entschieden haben.

Der Krieg in Afghanistan zeigt, das die Botschaft wie so viele andere zuvor nicht verstanden worden ist, andernfalls hätte es diesen Krieg nicht gegeben.

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