03 – Auf das Herz hören (1)

Auf das Herz hören (1)

Für Martina aus Hamburg besteht das Leben seit einigen Jahren aus einer Sammlung loser Enden, von denen sie nicht weiß, wie sie zusammengehören. Mehrere Berufsausbildungen hat sie abgebrochen, weil diese sich in Richtungen entwickelten, von denen sie sich nicht angezogen fühlte. Gleichzeitig wäre sie aber unfähig, jemandem den Grund dafür zu nennen, geschweige denn andere Ziele zu beschreiben, auf die zuzusteuern sich für sie lohnen könnte.

Beinahe verwundert beobachtet sie, wie sicher und fest die Menschen um sie herum auf dem sogenannten „Boden der Tatsachen“ zu stehen scheinen, während dieser Boden unter jedem ihrer eigenen Schritte nachzugeben scheint. Was andere als Realität bezeichnen, kommt ihr eher wie ein Traumgebilde vor, viel zu flüchtig und fragwürdig, um sich darauf einlassen zu können.

In solchen Phasen suchen viele Hilfe und Antworten in einer Therapie zu finden, und auch Martina hat diesen Weg beschritten. Genützt hat es ihr wenig. Alles was am Ende übrig blieb waren Ratschläge, die ihr Kopf zwar akzeptierte, die sie aber dennoch nicht beherzigen konnte, weil sie nichts in ihrem Herzen auslösten.

Gegenüber ihren Freunden und Bekiannten läßt sie sich von all dem wenig anmerken. „Nach außen hin geht’s mir wunderbar“ beschreibt sie selbst ihre Auftreten in der Öffentlichkeit. In ihr drin sieht es freilich anders aus. Viele Gedanken kreisen inzwischen um das Thema Sterben, sowohl im direkten, als auch im übertragenen Sinne. Denn möglicherweise, vermutet sie, muß erst etwas in ihr sterben,bevor etwas anderes, wichtigeres geboren werden kann.

 Antwort:

Der Verstand ist ein guter Ratgeber, wenn es um Entscheidungen innerhalb deiner realen, ganz alltäglichen Welt geht. Aber verlasse dich nie allein auf die Ratschläge deines Verstandes, wenn deine Frage eine Ebene anspricht, die jenseits dieser Realität liegt. Dort ist der Verstand nicht zuständig, dort kennt er sich nicht aus und seine Ratschläge werden deshalb immer von der Sorge geleitet sein, du könntest Schaden nehmen, falls du jemals auf eine andere Stimme als die seine hören solltest. Das zunächst als grundsätzlicher Rat, aber auch als Warnung an dich: Du hörst inzwischen fast nur noch auf die Stimme deines Verstandes. Es gab aber auch Zeiten, zu denen das anders war, und in diesen Zeiten ging es dir besser als jetzt. Wesentlich besser. Weil der Ratgeber für dich der bessere war.

Zwischenfrage von mir:
Es geht hier zwar nicht um mich, aber ich bin gewohnt, dass du auf Fragen sehr viel konkreter antwortest. Habe ich hier „Empfangsprobleme“?

Hast du nicht. Aber es geht auch wirklich nicht um dich. Du passt auf was ich sage und schreibst. Mehr gibt es im Augenblick für dich nicht zu tun.

Martina, Jeder ist in seinem Leben zu einem ganz bestimmten Ziel unterwegs. Um dieses Ziel zu erreichen hast du nicht beliebig viel Zeit, sondern eine ganz bestimmte. Deshalb ist es auch nicht egal, welche Wege du einschlägst. Umwege, Irrwege und Sackgassen sind dabei nicht das Problem. Die gehören zum Weg, die gehören zur Suche dazu. Aber das Ziel darf man nicht zu lange aus den Augen verlieren.

Zwischenfrage von mir:
Und was, wenn das doch passiert? Oder noch anders: Wenn ich nun mein Ziel gar nicht erkenne? Oder mir nicht sicher bin, ob ich das richtige anpeile? Was mache ich dann? Ich frage, weil mich das genauso interessiert.

Es kommt darauf an, wo du mit dir stehst. Wie sensibel du spirituell bist. Mit „du“ meine ich natürlich nicht nur dich.

Die Menschen befinden sich auf ganz unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Die Sensibilität dafür, das eigene Ziel klar zu erkennen ist ganz verschieden ausgeprägt. Der Punkt ist der: Je unsensibler du für diese Dinge bist, desto weniger berührt es dich, wenn dein Leben nicht auf den Wegen verläuft, die du eigentlich hättest wählen sollen. Je sensibler du für diese Dinge bist, um so schmerzhafter wird es dir mit der Zeit bewußt, dass dein Weg nicht gut gewählt war.

Martina, dein Problem ist gerade deine sehr ausgeprägte spirituelle Sensibilität. Du weißt genau, was das Ziel für dich in diesem Leben ist. Du hast es von Kindheit an gewußt. Aber du hast dich von einem bestimmten Zeitpunkt an entschieden, auf diesen Führer im eigenen Herzen nicht mehr zu hören. Dafür hat dein Verstand mehr und mehr die Regie übernommen und sich um deine Lebensplanung gekümmert.

Das wäre unproblematisch für dich, wenn du spirituell nicht so feinfühlig wärest. Da du es aber bist, tut dein Leben dir weh. Du hast wahrhaftig zwei Seelen in deiner Brust. Du hast zwei Ratgeber, wobei der eine, der für dich wichtigere, inzwischen kaum noch hörbar ist, während dein Verstand fast ganz alleine das Sagen hat. Und das schmerzt, schafft dieses Gefühl von Benommenheit, liegt wie ein Schleier auf deinem Leben.

Zwischenfrage von mir:
Und was soll Martina jetzt machen? Ich meine, wie wäre es mit einem praktischen Rat? Oder ist die Botschaft hier zuende?

Martina hat sich bis heute viel zu oft Rat geholt und dabei übersehen, dass die Ratschläge anderer auch nur die Ratschläge des Verstandes anderer sein können. Wenn aber schon der eigene Verstand ein schlechter Ratgeber ist, wie sollen dann die Vorschläge anderer Menschen weiterhelfen? Mögen sie noch so gut gemeint sein.

Zwischenfrage von mir:
Aber ich habe ja auch dich angesprochen. Du könntest ihr doch einen Rat geben, der nicht vom Verstand kommt. Ich schreibe ihn auf, und Martina weiß, wie’s für sie weitergehen könnte.

Sie bekommt ja auch einen Rat, nun sei doch nicht so ungeduldig.

Martina, du mußt unbedingt damit beginnen, deine „Antennen“ wieder nach innen zu richten. Du hast viel zu viel Zeit damit verbracht, anderen Menschen Fragen zu stellen, die nur du selber dir beantworten kannst. Du trägst alle Antworten in dir, und nur wenn du sie dir gibst, nützen sie dir auch etwas. Du bist weit genug entwickelt das zu können, das kannst du mir glauben. Du weißt es nur nicht.

Die „Antennen nach innen zu richten“ heißt dabei nicht etwa, sich vom Leben zurückzuziehen. Dein Leben ist deine Realität und die ist wertvoll. Sie ist deine ganz persönliche physische Heimat. Du hast sie dir in deinen 30 Jahren geschaffen, hast sie maßgeschneidert, und so wie sie heute ist, ist sie nicht etwa schlecht für dich, sie ist gut. Sie muß nur erweitert, ergänzt werden. Ihr fehlt etwas. Du mußt ein Fenster öffnen und deinen Geist, deine Spiritualität, hereinlassen. Was dir fehlt ist Kraft. Energie. Lust am Leben, aber eine Lust, die von innen kommt. Nenn es wie du willst.

Was du als nächstes tun mußt, ist dir darüber bewusst zu werden, dass du ein sehr fein entwickeltes Gespür dafür hast, wo du eigentlich hinwillst und dass die ganze Ratlosigkeit, die dich so erschreckt, allein die Ratlosigkeit deines Verstandes ist. Der ist es, der nicht weiter weiß. Du dagegen wüßtest weiter. Du hast alle Antworten in dir und ich möchte, dass du darum bittest, den Zugang zu dieser Quelle wieder zu finden. Sie ist ja nicht versiegt. Sie ist nur verschüttet. Bitte ganz einfach darum, und du wirst sehen, wie sich dein Leben ganz von selber verändert.

Wie deine äußeren Bedingungen beschaffen sind, was du also als nächstes tust oder was du nicht tust, ist in deinem Fall zweitrangig. Deine Antworten liegen in dir und alles was du tun mußt ist, dir dieses Reichtums, den du hast, bewusst zu werden.

© Monika Laube. Du darfst diesen Artikel zum persönlichen Gebrauch unverändert kopieren und weitergeben, vorausgesetzt dieser Copyright Hinweis steht am Ende des Dokumentes.  Für eine gewerbliche Nutzung nimm bitte Kontakt mit mir auf.

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