13 – Der 11. September 2001

Der 11. September 2001

Mich erschüttert die Dimension der Gewalt, die in dem Terroranschlag in New York zum Ausdruck gekommen ist. Mich erschüttert, wieVIELE Menschen in New York sterben mussten, weil andere Menschen irgendwo anders auf der Welt dies aufgrund ihrer politischen Interessen so beschlossen hatten. Und mich erschüttert das ungeheure Ausmaß an Wut, Hass und Vernichtungswillen, das hier zum Ausdruck gekommen ist.

Ich vermute aber auch, dass jeden Tag auf der ganzen Welt so viele Grausamkeiten von Menschen an Menschen begangen werden, dass die Katastrophe von New York sich, wenn man all das zusammenrechnen könnte, im Vergleich dazu klein ausnehmen würde – und doch: Was hier geschehen ist ging mir gewaltig unter die Haut. Deshalb möchte ich eine Frage dazu stellen.

Vater. Sag mir, was hier geschehen ist und was hier geschieht.

Antwort:

In New York, in Washington und Pittsburgh geschah, was auf der Welt im Prinzip täglich hunderttausendfach geschieht, nur sind auf diese unzähligen namenlosen menschlichen Katastrophen keine Fernsehkameras gerichtet. Könnte man das Leid, das Menschen täglich an anderen Menschen und an der lebendigen Natur begehen addieren und das Ergebnis sichtbar machen, so würdet ihr das Geschehen vom 11. September in der Tat in einem anderen Licht betrachten. Das siehst du ganz richtig so.

Und doch war es ein ganz besonderes, ein wichtiges Ereignis. Es hat die Menschen in weiten Teilen der Welt aufgerüttelt und das geschieht nicht oft. Wie lange Betroffenheit und Nachdenklichkeit allerdings vorhalten werden, ist schon wieder eine andere Frage.

Was in Amerika geschehen ist, lässt sich am besten dann verstehen, wenn Ihr so nahe wie möglich an das Ereignis herantretet und euch fragt, was Ihr selbst damit zu tun habt. Ich weiß, die Vorstellung, ihr könntet an diesem Geschehen BETEILIGT sein, mag Euch auf den ersten Blick absurd erscheinen, aber lasst es trotzdem zu. Wagt diesen Versuch, und ihr werdet die Dinge bald sehr viel deutlicher in ihren Konturen erkennen.

Was in Amerika geschehen ist, war ein Verbrechen an der Menschlichkeit, ein Verbrechen an der lebendigen Natur, ein Verbrechen an der Schöpfung und an damit allem, was dem Menschen eigentlich heilig sein sollte. Aber solche Verbrechen werden jeden Tag auf der Welt unzählige Male im Kleinen begangen, und auch sie zählen, obwohl sie von niemandem gezählt werden. Und sie bilden in der Summe das Potential an Gewalttätigkeit, aus dem heraus Taten wie die vom 11. September begangen werden.

Jede Handlung, die nicht aus dem Geist vollendeter Liebe heraus geboren wurde, ist ein Ausdruck davon, wie weit der Einzelne noch immer von dem Bewusstsein der Einheit mit allem entfernt ist. Jeder mag das für sich selbst im Einzelfall noch so entschuldbar finden, aber darin liegt der Schlüssel zum Verständnis von dem, was am 11. September geschehen ist und was sich jeden Tag an anderer Stelle wiederholen kann und sicherlich auch wiederholen wird. Insofern ist das Geschehen auch ein Ausdruck davon, wie weit die Menschheit in ihrer Gesamtheit noch von dem Ziel entfernt ist, zu dem sie eigentlich unterwegs ist. Und dieses Ziel ist Liebe, nichts anderes.

Jetzt, wo die Trümmer in New York und Washington noch rauchen, wird bereits der Ruf nach Vergeltung laut. Doch nach Schuldigen zu suchen ist schon wieder der verkehrte Weg. Die Attentäter vom 11. September haben nichts anderes getan, als der Menschheit einmal mehr, und zwar in großer Deutlichkeit, vor Augen zu halten, wo sie mit sich selber als Ganzes steht. Und um das zu begreifen muss jeder einzelne bei sich schauen, wo er selber in Bezug auf sein eigenes Ziel eigentlich steht. Und dieses Ziel heißt Liebe. Es zu erreichen, dazu allein seid ihr auf der Welt.

Stellt euch vor, es gäbe einen großen „Topf“, aus dem heraus sich alles menschliche Handeln speisen würde. Wenn dieser Topf randvoll mit Liebe gefüllt wäre, hätte es niemals zu den Geschehnissen vom 11. September kommen können. Auch nicht, wenn er zumindest weitestgehend mit Liebe gefüllt wäre.

Und nun schaut euch an, wie viele eurer eigenen Handlungen wirklich aus dem Geist von Liebe heraus geboren werden und wie viele ganz andere Keime in sich tragen. Dann wird das Geschehen vom 11. September sich bestimmt in einem anderen Licht darstellen.

Auch wenn es sehr schwer zu erkennen ist – die Botschaft vom 11. September heißt LIEBE. Versteht das Geschehen als Aufforderung, die Wurzeln eures eigenen Handelns daraufhin zu überprüfen, von welchem Geist sie geleitet werden. Wenn ihr wollt, dass die Menschen am 11. September sich nicht umsonst geopfert haben, dann sucht ihr nicht nach Schuldigen und ruft nicht nach Vergeltung. Dann bittet ihr euer Herz darum euch verstehen zu lassen, was wirklich geschehen ist.

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