16 – Die Sprache des Herzens

Die Sprache des Herzens

Mein Problem ist, dass ich mich kaum spüre! Ich bin oft unendlich traurig und fühle mich so alleine, dass ich es kaum ertragen kann und immer wieder versuche, mich mit Beschäftigungen darüber hinweg zu trösten.

Ich glaube auch, dass nur, wenn mich jemand liebt, ich alles einfacher ertragen kann. Ich weiß nicht, wie ich es schaffen kann mich selbst zu lieben. Ständig muss ich erkennen, dass ich es nicht tue, dass ich um alle anderen immer zehnmal besorgter bin als um mich selbst, dass ich mir nicht gerecht werde und mich ständig verurteile.

Wie sehr sehne ich mich nach den Augenblicken meiner Kindheit, als alles so vollkommen war und ich eins war mit allem. Ich habe gehofft, dass ich es mittels Meditation schaffe, diesen Zustand wenigstens für kurze Zeit herzustellen, aber leider schaffe ich es nicht, meine Gedanken loszulassen.

Warum funktioniert es nicht? Wie lernt man loslassen? Wie lernt man auf sich selbst zu hören? Eigenverantwortlich zu leben? Seine innere Stimme wieder wahrzunehmen und überhaupt wieder Gefühle zu spüren?

Antwort:

Du lernst diese Dinge sobald du bereit bist dich so anzunehmen, wie du im Moment bist. Mit deinem Kummer. Mit deiner Trauer. Mit deiner Hilflosigkeit. Mit deiner Angst es niemandem Recht zu machen und nicht gut genug zu sein. Du sagst, du spürst dich nicht mehr? Wie nennst du das, was du gerade erlebst?

Traurigkeit ist vielleicht kein schönes, dafür aber ein sehr wichtiges, ein wertvolles, ein wirklich bedeutendes Gefühl. Eine Traurigkeit wie du sie empfindest ist die Sprache eines weiten, geöffneten Herzens, das auf Resonanz wartet. Nimm sie an wie sie ist. Nimm sie als ein Geschenk, denn nicht jedes Herz spricht eine so deutliche Sprache wie das deine es tut. „Deine Traurigkeit“, sagt dein Herz, „hat damit zu tun, dass du dir noch nicht genommen hast, was dir zusteht. Und was dir zusteht ist nicht weniger als ALLES.“

Dein Kopf wird immer versuchen, dir das Gegenteil davon einzureden. Er wird dir sagen, dass dir nichts zustünde. Dass alle anderen Vorrang vor dir hätten, weil sie angeblich besser seien als du. Er wird dir stets die Welt so zeigen, dass du dich von allem getrennt fühlen musst. Er weiß sehr gut, dass dir das Angst macht, aber ihm ist es allemal lieber, du hast Angst, als dass dass er mit ansehen müsste, wie du über die Grenzen deines Verstandes hinauswächst.

Richtig ist aber, dass du mit allem verbunden bist. Dass nichts dich von der Fülle trennen kann, solange du nicht deinem Verstand, sondern deinem Herzen die innere Führung überlässt. Das ist schwer. Ein ganz schwerer Schritt. Aber du stehst an der Schwelle und du wirst diesen Schritt tun.

Du bist auf der Suche nach der Fülle und Geborgenheit, die nur das Wissen um die Zugehörigkeit zum Ganzen geben kann und du suchst sehr bewusst. Du willst weiterkommen. Für deine Seele ist das Korsett zu eng geworden, das die Realität für dich einmal geschnürt hat. Du bist gewachsen, bist über deine eigenen Grenzen hinausgewachsen, aber du traust dem Frieden noch nicht. Du glaubst, jemand müsse erst von außen kommen und die Eierschale für dich zerbrechen, in der du hockst, doch das kann niemand anders als du selbst für dich tun. Du brauchst keine Erlaubnis dazu, deinen inneren Reichtum vor der Welt auszubreiten. Und da gibt es sehr viel, was du der Welt zu geben hast!

Nimm die Traurigkeit als wichtige Botschaft, mit der deine Seele dir sagen will: „Komm an meine Hand und lass uns gemeinsam weitergehen!“ Fühle die Lebendigkeit in deinem Kummer. Kummer ist nur die andere Seite der Freude und es liegt an dir, welche Seite du sehen willst.

Man „lernt“ nicht loszulassen. Jedenfalls nicht in dem Sinne wie du es meinst. Man tut es einfach, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Dasselbe gilt für alle anderen Fragen, mit denen du dich quälst. Schau nicht auf das was du angeblich nicht hast, sondern schau auf den Reichtum, den du besitzt! Breite ihn vor dir und der Welt aus und freu dich an seiner grenzenlosen Fülle. Dein Verstand hat ein dunkles Tuch über diese Schätze geworfen, damit du dir ihrer nicht bewusst werden kannst. Er hat kein Interesse an deinem spirituellen Wachstum, ihm ist ein ängstliches, eingeschüchtertes Ich, über das er die Kontrolle hat, allemal lieber, das darfst du nie vergessen. Aber unter dem Tuch liegen die Reichtümer deiner vielfältigen Persönlichkeit und warten darauf von dir wahrgenommen zu werden!

Du hast alles. Nichts fehlt dir. Du bist perfekt ausgerüstet für den Weg des Herzens, den deine Seele mit dir gehen will. Alles was du tun musst ist, dich anzunehmen wie du bist. Wie du jetzt bist. Und zu wissen, dass du perfekt bist.

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