20 – Entscheidungen

Entscheidungen

Ich habe vor einiger Zeit eine Liebesbeziehung zu einem Mann begonnen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich in einer Beziehung so intensive Gefühle hatte und diese auch erwidert wurden. Fast möchte ich von Liebe sprechen, traue mich aber nicht richtig Liebe ist ein Wort, dass zu oft missbraucht wird.

Ich bin verheiratet und habe mehrere Kinder. Trotzdem war ich kurz davor alles hinter mir zu lassen und einem Gefühl zu folgen, welches mir total sicher und wertvoll erscheint. Aber ich habe es nicht geschafft. Ich konnte weder meine Angst- noch meine Schuldgefühle auflösen und habe mich deshalb zunächst von meinem Freund getrennt.

Aber auch mit dieser Entscheidung bin ich nicht glücklich geworden, wusste bald überhaupt nicht mehr was richtig oder falsch ist und hatte das schreckliche Gefühl versagt zu haben. Nach fünf Wochen waren mein Freund und ich wieder zusammen.

Inzwischen sprechen mein Mann und ich offen über Trennung, aber auch über eine erneute Trennung von meinem Freund denke ich nach. Ich habe einfach zuviel Angst, dass ich wieder alles falsch machen könnte und mir das dann vorgeworfen wird.

Oft habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst überhole, nicht mehr mit mir mitkomme und alles falsch mache, was man nur falsch machen kann. Ein Blick „von oben“ könnte da vielleicht helfen.

Antwort:

Es gibt aus Sicht der Seele keine richtigen oder falschen Entscheidungen. Man kann sich aus ihrer Perspektive bei seinen Entscheidungen höchstens richtig oder falsch verhalten, indem man ausgewogene oder unausgewogene Entscheidungen trifft, aber auch das spielt nur für dein Bewusstsein eine Rolle, nicht für deine Seele.

Eine Entscheidung ist ausgewogen, wenn das Herz in ihr mitschwingt. In diesem Fall empfindest du eine Gewissheit dafür das richtige zu tun, die durch nichts zu erklären aber auch durch nichts zu erschüttern ist. Die Wege, die sich aus solchen Entscheidungen ergeben, fühlen sich gut an. Sie gehen sich leicht und sicher, auch wenn es nicht immer die einfachsten Wege sind.

Eine Entscheidung ist unausgewogen, wenn sie aus Gefühlen der Unsicherheit oder Angst heraus getroffen wurde. In diesem Fall bist du voller Zweifel und welcher Gedanke dazu dir auch immer in den Sinn kommen mag, er wird diese Zweifel eher noch nähren als sie auszuräumen. Solche Wege zu gehen, ist oft ein schmerzhafter Prozess, immer aber ein mühseliger. Jeder Schritt, den du gehst, scheint dich wieder vor neue Entscheidungen zu stellen und rückt das Ziel damit immer weiter in die Ferne, anstatt es dir näher zu bringen.

In diesem Spannungsfeld stehst du, und das nicht zum ersten Mal. Du kannst das Denken nicht abstellen und was dein Herz dir zu sagen versucht, spürst du nicht. Und doch musst du versuchen einen Zugang zu dieser Quelle zu finden, wenn du einen Weg finden willst, mit dem du dich gut fühlst. Das ist deshalb wichtig, weil hier andere Menschen unmittelbar mit betroffen sind.

Versuche nicht Partnerschaften zu bewerten. Nicht die zu deinem Mann und auch nicht die zu deinem Freund. Es bringt dich nicht weiter, ihr Für und Wider gegeneinander abwägen und die Sinnhaftigkeit einer Beziehungen FÜR DICH erkennen zu wollen. Das ist unmöglich. Du kannst derartige Überlegungen zwar anstellen, aber sie führen zu nichts, außer dass sie die Zweifel noch stärken und damit die Unsicherheit vergrößern.

Jede Partnerschaft ist eine im Sinne dieses Wortes UNENDLICH wichtige Erfahrung und damit ein unverzichtbarer Baustein des Seelenlebens für alle an dieser Partnerschaft Beteiligten. Also auch für deine Kinder natürlich. Sie sind in diesem Geschehen vollwertige Partner. Das macht diese Erfahrungen wertvoll und einzigartig und deshalb muss jede Beziehung, deren Zeit gekommen ist, mit einem Gefühl der Liebe und mit Respekt und Achtung vor dem Partner beendet werden.

Bist du dir nicht sicher, ob eine Beziehung ihr Ende erreicht hat, dann beende sie nicht!

Entscheidungen, die aus Zweifeln und Unsicherheit heraus getroffen werden, können niemals die Grundlage für einen Neuanfang sein. Eine solche Konstruktion kann keiner Belastung standhalten und wird in kürzester Zeit wieder zusammenbrechen. Nur eine Entscheidung, die aus dem Herzen kommt, taugt als Baumaterial für die Zukunft. Sie ist flexibel und anpassungsfähig und damit in der Lage, jede noch so verrückte Verbiegung deines Verstandes mitzumachen. Weil du dir der Grundlage deiner Entscheidung immer sicher sein kannst, egal was deine Umwelt dazu sagt. Bei Entscheidungen, zu denen du dich von deinem Verstand gedrängt gefühlt hast, wirst du diese innere Gewissheit niemals erreichen.

Hast du eine Beziehung aus deiner persönlichen Sicht als enttäuschend erlebt, lag das immer daran, dass du nur ihre Oberfläche wahrgenommen hast. Es sagt nichts über die Seelentiefe dieser Beziehung und die Chancen aus, die in ihr angelegt waren. Es sagt aber auch nichts darüber aus, was du letztendlich aus dieser Erfahrung gelernt hast. Das teilt sich dem Bewusstsein immer erst sehr viel später mit – wenn es für dich wichtig ist so etwas überhaupt zu wissen.

Du triffst deine Entscheidungen zur Zeit nicht mit dem Herzen, sondern lässt dich aus dem Gefühl etwas tun zu müssen zu Entscheidungen drängen. Wenn es wirklich so ist und du keinerlei innere Stimme hörst, dann beende diese Beziehungen nicht. Keine von ihnen. Lass die Dinge auf dich zukommen und achte darauf, was sie dir zu sagen haben. Vor allem aber achte darauf, was dein Herz auf das antwortet, was geschieht. Es spricht vielleicht zur Zeit nicht mit dir, aber deshalb ist es nicht stumm!

Entscheidungen dieser Art brauchen ihre Zeit! Das heißt nicht, dass sie viel Zeit brauchen, aber man muss ihnen die geben, die nötig ist, wenn das Herz mitsprechen soll. Das ist bei dir noch nicht der Fall gewesen.

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