33 – Lebensaufgabe (1)

Lebensaufgabe (1)

„Seit ich denken kann, also grob seit sehr jungen Jahren, bin ich regelrecht auf der Suche nach meinem Weg. Meines, das bedeutet für mich, DASS ES IRGENDETWAS DA DRAUSSEN GEBEN MUSS, das für mich bestimmt ist. Hauptsächlich: eine Aufgabe. Wahrscheinlich beruflich – alles, das ich mit der Ganzheit meiner Person leben kann.

Und ich habe viele Berufe ausprobiert, bin mittlerweile ein sehr „spiritueller“ Mensch, bin mit mir persönlich – für mein Empfinden – sehr weit gekommen, und trotzdem: Ich stecke im Alltag im Moment in einem Beruf fest, der mir keinen Spaß macht. Ich habe mich zwar arrangiert – aber sobald etwas Ruhe einkehrt, beginnt die Suche von vorne.

Habe ich tatsächlich so eine Aufgabe, eine spezielle, die mich innerlich so sehr antreibt, oder ist dies nur ein Alibi-Denken – für was auch immer? Ich weiß, die folgende Frage zu stellen ist die Suche im Außen, aber ich muss. WAS SOLL ICH TUN, um endlich dorthin zu kommen, was sich als Schatzkästchen meines Lebens anfühlt?

Warum weiß ich nicht was ich will und kann dann voll motiviert darauf zusteuern?

Dieser Kreislauf ist tatsächlich fast so alt wie ich. Und ich möchte da raus. Was soll, kann ich hier tun???

Ich beneide Menschen, die sich zu EINER Sache hingezogen fühlen – ich habe so viele, kann mich aber für keine entscheiden. Ich habe das Gefühl, ich möchte MEINES, und weiß doch nicht, was MEINES ist.

(Und ich möchte diesen Job loswerden).

Oder bin ich ein philosophierender Sucher und „muss“ mich hiermit einfach zufrieden geben?

Antwort:

Du solltest dein Suchen nicht zu gering schätzen. Es ist von großer Bedeutung sowohl für dich, wie für andere Menschen. Wer mit dir in Berührung kommt, findet einfacher auf seinem eigenen Weg weiter. Er geht ihn leichter weiter, geht ihn froheren Herzens und hat bessere Aussichten selbst zu finden, wonach er auf der Suche ist. Du schärfst Menschen den Blick für Wesentliches, du hilfst ihnen zu sehen. Deine Suche ist ein kraftvolles Voranschreiten, bei dem du Erkenntnisse und Einsichten aufwirbelst, die zwar für dich ohne große Bedeutung sind, für andere Menschen aber Offenbarungen sein können und es oft genug auch schon waren. Wenn du wüsstest, wie viel du anderen Menschen mitzuteilen hättest, wärest du zufriedener und wüsstest auch, wo du für dich suchen müsstest. Doch dein Weg ist eben noch nicht zuende und deine Unruhe ist der Antrieb, den du brauchst, um weiterzugehen.

Es gibt für dich zur Zeit nicht die eine Sache und du kannst nicht ankommen, solange du unterwegs bist. Doch solltest du dich nicht als „philosophierenden Sucher“ sehen, sondern als lernende und lehrende Wissende, die anderen Menschen viel geben könnte. Du bist unterwegs und du solltest das zulassen.

Dein Beruf ist unschuldig an deinem Zustand. Du misst ihm einfach nur zu große Bedeutung bei. Du „steckst nicht in deinem Beruf fest“, wie du sagst, du stellst Erwartungen an ihn, die er nicht erfüllen kann. Lass es zu, dass du unterwegs bist, und lass die Menschen an dem teilhaben, was du auf deinen Wanderungen lernst. Rücke deine Wanderung in den Mittelpunkt, dann ordnet sich alles übrige in deinem Leben ganz von selbst am richtigen Platz ein, und du wirst sehr viel genauer sehen, wo es für dich weiter geht.

Aber: Eines kannst du schon verändern. Betrachte aufmerksamer, was dir auf deinem Weg begegnet. Wenn du das Gefühl hast, in etwas festzustecken und dir das Unbehagen bereitet, nimmst du es zu wichtig. Schau es dir einfach daraufhin an, ob es dir etwas von Bedeutung zu sagen hat, und wenn das nicht der Fall ist, gehst du eben weiter.

Du bist mehr in deiner Mitte als du denkst, und du steuerst so direkt auf dein Ziel zu, wie man sich das nur wünschen kann. Dass du dabei nicht „voll motiviert“ bist, liegt an dir, und dass du das Ziel nicht siehst, ist völlig normal. Viele Menschen, die glauben ihre „Lebensaufgabe“ gefunden zu haben, sind in Wirklichkeit nur müde geworden zu suchen. Andere haben ein „Etappenziel“ erreicht und arbeiten an dem was sie dort vorfinden. Du bist zur Zeit unterwegs zu DEINER nächsten Etappe und die Suche danach ist so wichtig wie das Ziel selbst.

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