38 – Qualität

Qualität

Seit einiger Zeit bin ich Arzt, hätte also jetzt nach der langen Ausbildungszeit endlich die Möglichkeit in diesem Beruf zu arbeiten – und fühle mich erstaunlicherweise total blockiert. Da habe ich mich jahrelang auf meinen Traumberuf vorbereitet und nun stehe ich ihm wie ein Fremder gegenüber. Nichts interessiert mich so sehr, dass mich intensiv damit beschäftige.

Wegen dieser Blockade, aber auch aus anderen Gründen, habe ich vor einiger Zeit eine Psychotherapie begonnen. Ich fühle mich in dieser Therapie sehr wohl. Meine spirirtuellen Neigungen werden ernst genommen, auch wenn alles wackelt und zusammenbricht. Es setzt sich auch alles wieder irgendwie neu zusammen. Dinge, die ich immer als selbstverständlich nahm, muss ich ganz neu für mich definieren.

Zu meiner Therapeutin hatte ich von Anfang an ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. Von der ersten Minute an hatte ich das Gefühl, dass ich sie kenne. Erst dachte ich, ich sei in sie verliebt, aber das ist es vielleicht doch nicht. Denn wenn ich meine Gefühle beiseite lasse, dann ist da trotzdem noch etwas ganz anderes.

Kürzlich hatte ich einen Traum, in dem es um sehr viel Nähe zwischen uns beiden ging. Ich habe ihr diesen Traum erzählt und musste ganz überrascht erleben, dass sie mit keinem Wort darauf eingehen wollte. Das war insofern mehr als erstaunlich, als sie bis dahin jeden meiner Träume akribisch in seine Bestandteile zerlegt und gedeutet hat.

Seitdem gibt es einen kleinen Knick in unserer Arbeits-Beziehung und ich bin mir über meine Gefühle zu ihr unsicher geworden. Habe ich mir die Nähe, die ich gespürt habe, etwa nur eingebildet? Das wäre schlimm, denn es würde bedeuten, das ich mich auf meine Intuition nicht verlassen kann.

Was hat das alles zu bedeuten? Gibt es eine Verbindung zwischen uns (außer der therapeutischen), oder ist sie nur „Platzhalter“ für einen ganz anderen Menschen? Und ich hätte gerne gewusst, wozu ich überhaupt Arzt geworden bin.

Antwort:

Du bist im Begriff, deine Welt neu zu ordnen und wunderst dich, dass sich manche Bereich davon nicht einfach aussparen lassen wollen?

Du bist dabei, deine Wirklichkeit Stück für Stück auseinander zu nehmen, schaust dir jedes Teil genau an und prüfst, ob du noch Verwendung dafür hast, und wenn ja, dann in welcher neuen Verbindung und an welchem neuen Platz; du lässt keinen Stein auf dem anderen, weil du keine halben Sachen magst, und nun staunst du, dass du nicht gleichzeitig ungestört deinem Beruf nachgehen kannst?

Klaus, du befindest dich in einer ganz wichtigen Umbruchphase deines Lebens. Zuerst ganz sanft und beinahe unbemerkt hat deine Seele damit begonnen, dich nach und nach auf Widersprüche hinzuweisen, die deinem Wachstum schon seit vielen Jahren im Wege standen und die zu bearbeiten nun die Zeit gekommen ist. Das hat dich immer mehr in Anspruch genommen und nun steckst du mittendrin in diesem Prozess. Alles muss jetzt auf den Prüfstand deiner Seele und du kannst sicher sein, sie wird ihre Arbeit gründlich machen und über Bord werfen, was nicht mehr zu dir und deinem Weg passt.

Das Thema, um das es bei dir derzeit geht, heißt Qualität. Du bist nicht mehr damit zufrieden, wenn nur der äußere Schein stimmt, wenn etwas nach außen hin stimmig wirkt, solange deine Seele ganz genau weiß, dass es mit dieser Stimmigkeit nicht weit her ist. Sie sieht mit einem Blick auf den Grund der Dinge und teilt dir mit, was sie beobachtet hat. Das hat sie zwar auch früher schon getan, aber du hast sie nicht wahrgenommen. Heute verstehst du ihre Sprache! Und vor allen Dingen, du hörst auf sie! Das war nicht immer so.

Dass du nicht mit ganzem Herzen Arzt sein kannst, liegt also einerseits daran, dass du auch diese Berufsentscheidung, wie alles, was in deinem Leben Bedeutung hat, derzeit sorgfältig überprüfst. Es kommt aber auch daher, dass du diese Entscheidung seinerzeit nur mit halbem Herzen getroffen hast und du das eigentlich auch sehr gut weißt. Da war viel Kopf mit im Spiel und dein Herz wurde nicht wirklich dazu befragt.

Deshalb wundere dich nicht, dass du jetzt auch diesem Beruf eher zögernd gegenüber stehst. Arzt war von der Richtung her nicht verkehrt gedacht, aber dieses Denken hat noch keine Resonanz in deinem Herzen ausgelöst. Das kann noch kommen, und ich rate dir in diesem Punkt einfach abzuwarten und nach innen zu horchen. Es kann aber auch gut sein, dass hier demnächst auch eine neue Tür für dich aufgeht.

Auf dem Prüfstand deiner Seele steht aber auch deine Therapeutin. Du fühlst dich zu ihr hingezogen, weil sie deine Seele anspricht, aber auch hier bestehst du auf Qualität. Du willst klar sehen, was ihn angeht, du willst auch hier „mit den Augen deiner Seele“ auf den Grund der Dinge blicken, und das war bisher noch nicht möglich. Sie hat es nicht zugelassen.

Es gibt eine Verbindung zwischen euch, eine Vertrautheit eurer Seelen, mehr ist es allerdings auch nicht. Du kannst deiner Intuition also ohne weiteres vertrauen, sie ist eine Führerin, deren Ratschläge du mit großer Sensibilität wahrnimmst, und auf die viel mehr hören solltest, als du es bisher getan hast.

Und vertrau deiner Seele, deren Stimme die Intuition ist. Vertrau darauf, dass die Arbeit, die sie zur Zeit leistet, für dich wichtig und gut ist. Dass sie sein muss. Du bist im Begriff einen Schritt zu gehen, einen spirituellen Entwicklungsschritt, und diese Schritte sind stets verbunden mit großen Veränderungen auf der Ebene der sichtbaren Erscheinungsformen.


Kurz nachdem diese Antwort erschienen war, meldete sich eine Leserin mit einer Verständnisfrage. Wir geben den daraus entstandenen kurzen Dialog hier wieder, weil vielleicht auch andere Leser dasselbe Problem mit der Antwort von Gott gehabt haben könnten:

 … bei der Beantwortung Ihrer Frage mit dem Titel „Alte Verbote“ hieß es, diejenige Person habe von „verbotenen Früchten“ gegessen bei einer Reiki-Session. Warum sollte Reiki etwas Verbotenes sein? Oder habe ich da etwas falsch verstanden? …

 Meine Antwort auf diese Frage:

Das haben Sie in der Tat missverstanden. Der Fragsteller hatte gewissermaßen gegen ein inneres Verbot, gegen ein verinnerlichtes Tabu gehandelt, als sie sich zu einer Reiki-Einweihung entschloss. Deshalb das Bild von den „verbotenen Früchten“.

An Reiki ist selbstverständlich nichts Verbotenes, du lieber Himmel, nein! Aber genau darin liegt ja das Problem. Reiki ist eindeutig eine Verbindung zur universellen Energie. Man kann es als wohltuende Übung, als eine Form des des Heilens betrachten und es dabei bewenden lassen, man kann eine Reiki-Einweihung aber auch als einen Schritt auf dem Weg des Wissens sehen. Diesen Schritt hat sich der Herr, um den es hier geht, offensichtlich selbst sehr übel genommen und sich deshalb für die Übertretung des Verbotes gewissermaßen selbst (sehr hart) bestraft.

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