40 – Schöpferische Arbeit

Schöpferische Arbeit

Ich bin 18 und mache Musik. Hip Hop um genau zu sein. Die ganze Zeit lief das prima, aber seit einigen Wochen habe ich das Gefühl, die Kontrolle über alles zu verlieren. Warum muss das gerade jetzt sein, wo ich kurz vor einem Auftritt stehe? Und wie ÄNDERE ich das wieder?

Warum habe ich im Moment beim Schreiben diese Blockaden im Kopf? Wie kann ich die lösen?

Ich habe total das Gefühl, dass ich mich mit meiner Musik im Kreis drehe….das will ich aber ganz und gar nicht. Ich will endlich mal wieder was Neues schreiben….das Problem ist nur: Ich weiß nicht genau was. Im Bauch habe ich ein Gefühl, das ich rausbringen möchte, aber irgendwie ist das zur Zeit nicht machbar. Ich sehe keinen Weg dieses Gefühl zu transportieren, ohne andere zu kopieren, und das mache ich natürlich nicht.

Meine Frage ist also im Grunde die: Wie bringe ich dieses Gefühl rüber und erschaffe was Neues???

Antwort:

Was du zur Zeit durchlebst gehört ganz klar zu einem Entwicklungsprozess und ist ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil von ihm. Das macht es zwar nicht einfacher die Situation auszuhalten, aber es erklärt dir zumindest, warum die Dinge so laufen wie sie laufen.

Was du leistest ist immerhin schöpferische Arbeit und die hat ihre eigenen Gesetze. Du springst mitten hinein in das Universum. Ohne etwas in den Händen zu haben und ohne irgend eine Vorstellungen davon, was du eigentlich finden willst. Du tauchst unter, lässt Gedanken, Gefühle und Erinnerungen über dir zusammenschlagen und erst in diesem Augenblick beginnen die Dinge sich zu formen: Gedankensplitter, Ideenfetzen, Visionen tauchen auf und verschwinden wieder. Manche davon hältst du fest, andere lässt du frei. Bilder entstehen, die noch niemals zuvor gesehen wurden. Worte formen sich zu Ideen, Gedanken und Vorstellungen, verändern sich, bleiben oder verschwinden wieder. Und in diesem Prozess schwimmst du und sammelst ein, was an dir haften geblieben ist. Versuchst es zu ordnen, Neues daraus zu formen, es zu DEINEM DING zu machen.

Das ist kreative Arbeit und sie ist unberechenbar. Du kannst heute ein Gipfelerlebnis haben und morgen in das tiefste Tal sacken, das du je erlebt hast. Und du wirst die Erfahrung machen, dass die Aufenthalte im Tal häufiger vorkommen als die Gipfelerlebnisse.

Dagegen kann man wenig tun, denn das IST ja der Prozess. Es ist wie mit dem Atmen: Einatmen und Ausatmen bedingen sich gegenseitig. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Der Aufenthalt auf einem Gipfel der Kreativität wird also nur dadurch zu einer außergewöhnlichen Erfahrung, weil du weißt, wie es sich unten im Schlamm der Talsohle anfühlt. Jeder Künstler kennt beides, weil er beides braucht.

Deshalb erwarte nicht von mir, dass ich dir über eine Erfahrung hinweg helfe, die unverzichtbar und wichtig für dich ist, sondern nimm diese Erfahrung an und akzeptiere sie als eine ebenso wichtige Hilfe auf deinem kreativen Weg wie die beglückenden Erlebnisse.

Eines aber kann ich dir schon noch konkret raten: Du arbeitest zu viel alleine. Nun stehst du an einem Punkt, an dem Du unbedingt Feedback von außen brauchst. Du hast alles aus dir heraus geholt, was du geben konntest – jetzt fühlst du dich leer und ausgebrannt. Was du brauchst sind andere Menschen, mit denen du dich austauschen kannst.

Ich weiß, dass die sich nicht aus dem Ärmel schütteln lassen, aber du hast eine Frage gestellt und das ist eine der Antworten auf diese Frage. Du wirst deine Gewohnheiten ändern müssen. Und deine Einstellungen zu den Menschen.

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