47 – SEELE und Seele

SEELE und Seele

Ich bekam kürzlich einen Brief mit einer Frage, die zwar an mich gerichtet war, die zu beantworten ich mich aber keineswegs berufen fühlte. Wer sie liest, wird sofort verstehen was ich damit meine.

Ich habe deshalb die Frage an Gott weitergeleitet und weil ich davon überzeugt bin, dass sich für die Antwort auch viele andere interessieren, stelle ich beides, Frage und Antwort, hier ins Netz:

 Lieber Jörg,

nach deinen Ausführungen inkarniert sich die SEELE, die ja ein Teil Gottes ist, um zu lernen, Erfahrungen zu machen, sich weiter zu entwickeln, spirituell zu wachsen. (Anmerkung: Erlaube mir bitte, dass ich den Begriff SEELE, wie du ihn verwendest, immer in Großbuchstaben schreibe. Das Wort „Seele“ wird – auch in der esoterischen Literatur – im Allgemeinen ja anders verwendet, und für das, was du als SEELE bezeichnest, werden meist andere Begriffe gebraucht. Vielleicht ist meine Schreibweise ein guter Kompromiss.)

Solange ich die Seele als Geschöpf Gottes sehe, als mehr oder weniger verzerrtes Abbild Gottes, das in sich, in seinem inneren Kern Gott trägt, dessen Abbild sie gewissermaßen ist, solange ist die oben beschriebene Auffassung von Erfahrung und Entwicklung der Seele innerhalb der Realität – hin zur Vereinigung mit seinem inneren Wesenskern, also mit Gott – durchaus einleuchtend.

Wenn aber die SEELE nach deiner Auffassung bereits selbst ein Teil Gottes ist, warum und wohin sollte sie sich entwickeln. Warum sollte sie leiden, was sollte sie noch lernen ?

Wahrscheinlich geht es hierbei (wieder einmal) zum großen Teil lediglich um die passende Begriffsbildung.

Den Teil des Menschen, den du SEELE nennst, würde ich als (persönlichen) Gott bezeichnen – im Sinne des indischen „ATMAN gleich BRAHMAN“. Aber es ist nicht nur eine Diskussion über Begriffe. Denn ich sehe zwischen meinem individuellen Bewusstsein, dem der Verstand und vielleicht noch andere Bewusstseinsebenen zugeordnet sind, und Gott in mir (der SEELE) noch eine Zwischenstufe (was ich als Seele, eventuell auch als Geist bezeichnen würde). Diese Seele ist noch nicht Gott, aber sie kann zu Gott werden, Gott ist in ihr, sie ist ein mehr oder weniger getreues Abbild (manchmal auch Zerrbild) Gottes. Und diese Seele macht Erfahrungen in der Realität, lernt durch Freude und Leid und entwickelt sich weiter, bis zu dem Zustand, da sie ein REINES Abbild des in ihr liegenden Gottes ist. Dies ist das Naheziel – vielleicht gibt es weiterliegende Ziele, vielleicht eine Expansion, eine Ausweitung des Bewusstseins – bildlich gesprochen eine Vergrößerung des Spiegels, der damit immer mehr Aspekte der Gottheit (diesen Begriff im Gegensatz zum persönlichen Gott) widerspiegelt, in sich umfasst. Aber dies doch wohl kaum durch Leiden. Leiden kann sicherlich nicht die SEELE, sondern nur die Seele – von der SEELE aus gesehen ist alles Leiden nur Schein, Täuschung. Damit wäre also der Weg der Seele zu Gott (zur SEELE) lediglich ein Weg heraus aus der Täuschung zur Wirklichkeit.

Sicherlich stimmst du den meisten meiner Gedanken zu – worum es mir jedoch geht, ist Folgendes:

Es geht nicht nur um den Begriff SEELE bzw. Seele, sondern es bleibt die Frage, ob, wie oben angesprochen, zwischen unserem (vielleicht sterblichen) Bewusstsein und der (unsterblichen) göttlichen SEELE, die unser Ziel ist, nicht noch eine (unsterbliche?) Zwischenstufe (die Seele) zu setzen ist, die meine augenblickliche Individualität beschreibt und die sich eben weiterentwickelt. Denn meiner Vorstellung nach kann sich die SEELE – zumindest durch Erfahrungen innerhalb der Realität – nicht weiterentwickeln. Denn sie durchschaut ja bereits die Realität, sie gestaltet mein Schicksal, damit ich (meine Seele – nicht sie, die SEELE) daraus lerne und mich spirituell weiter entfalte.

Immer wieder merke ich bei meinen Briefen, dass es hierbei nur um Vorstellungen geht, die innerhalb des Verstandes liegen, und die die Wirklichkeit kaum berühren können, manchesmal von ihr wegführen. Aber mir zumindest erleichtern diese Vorstellungen ein nebelhaftes Erkennen des Weges und sind damit auch ein Schritt weiter zum Ziel.

K.

Antwort von Gott:

Es gibt nur EINE Seele, ob du sie nun groß oder klein schreibst. Sie ist göttliche Ursprungs und insofern ist sie auch vollkommen. Es macht aber einen Unterschied, ob eine Seele losgelöst von einem Körper ist, oder ob sie einen Menschen durch eine irdische Lebenszeit begleitet.

Losgelöst von einem Körper ist die Seele – aus menschlicher Sicht – perfekt, denn dann ist sie Ausdruck und Abbild göttlicher Vollkommenheit. Ein Zustand, an dem es nichts mehr zu verbessern zu geben scheint.

Doch einen solchen Zustand gibt es nicht!

Auch Perfektion ist nur eine Momentaufnahme innerhalb eines Entwicklungsprozesses. Jedes Ende von Entwicklung wäre Stillstand, und Gott steht nicht still, so wie das Universum nicht still steht. Auch ich entwickele mich, wenn es sich auch nicht um eine Entwicklung im menschlichen Sinne und nach menschlicher Vorstellung handelt, denn sie hat nichts mit „Verbesserung“ zu tun.

Mein Wachstum ist die Ausdehnung ins Unendliche und sie zeigt sich in der Grenzenlosigkeit der Liebe.

Zu abstrakt? Dann stell dir vor, die Ausdehnung, von der ich spreche, wäre ein Mosaik aus unzähligen Lichtpunkten. Es hat keinen Anfang und kein Ende, kein Oben und kein Unten. Nach allen Seiten dehnt es sich aus in die Unendlichkeit und unaufhörlich werden neue Lichter hinzugefügt.

Diese Lichtpunkte sind gelebte und transzendierte Erfahrungen aus jedem einzelnen menschlichen Leben. Es sind Essenzen gewonnen aus dem Bewusstsein, das Gott unendliche Liebe ist.

Jedes Leben ist ein Bemühen, ein neuer Versuch, mit dieser Einsicht, dieser allerletzten und größten Erkenntnis, zu der ein Mensch auf Erden kommen kann, Gottes Größe zu beschreiben. Jedes Sterben, das in diesem Bewusstsein geschieht, setzt ein damit neues Glanzlicht in das Bild, das über Raum und Zeit hinweg in die Unendlichkeit strahlt.

In jeder Erfahrung, die ein Mensch auf Erden machen kann, ist die Erkenntnis von Gottes Liebe im Kern enthalten, und es ist die Aufgabe der Seele, diese Erkenntnis für alle Menschen sichtbar ans Licht zu bringen. Ob es sich dabei um leidvolle oder freudvolle Erfahrungen handelt ist aus Sicht der Seele ohne Bedeutung. Ihr geht es allein darum, zu der in ihr enthaltenen Essenz vorzudringen und dem Menschen dazu zu verhelfen, sie in sein Bewusstsein zu heben, um sie für alle Menschen sichtbar werden zu lassen.

Wenn vom „Wachstum der Seele“ gesprochen wird, handelt es sich dabei also nicht um eine Entwicklung, die von einem Zustand relativer Unvollkommenheit hin zu einer Vorstellung von göttlicher Perfektion führen würde, denn einen solchen Zustand gibt es wie gesagt nicht. Das Wachstum der Seele ist gleichbedeutend mit dem Wachstum Gottes, der sich in jedem Leben widerspiegelt, und damit in jeder Erfahrung enthalten ist, die ein Mensch auf Erden machen kann.

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