50 – Sich selbst lieben

Sich selbst lieben

Ich habe seit drei Tagen fürchterliche Rückenschmerzen, so schlimm, dass ich schmerzfrei weder sitzen, noch liegen, noch stehen, noch gehen, ja nicht einmal atmen kann. Diese Attacke brach über mich herein wie aus heiterem Himmel und ich bin völlig verzweifelt. Natürlich könnte ich zu einem Arzt gehen, aber etwas hält mich davor zurück. Ich bin mir sicher, dass die Schmerzen mir etwas zu sagen haben, deshalb will ich sie nicht medizinisch „wegdrücken“. Bloß WAS wollen sie mir sagen?

Die Schmerzen fingen an, als ich ein Wochenendseminar abgeschlossen hatte und gerade ins Auto steigen wollte. Die zeitliche Nähe beider Ereignisse ist so auffallend, dass ich da eine Verbindung vermute. Ich selbst erkenne sie aber nicht.

Das Seminar war wohl anstrengend, harte Arbeit, aber auch interessant und wichtig für mich. Ich habe eine Menge dazugelernt. Allerdings war auch eine ziemlich schmerzhafte Erfahrung für mich damit verbunden: Mein Beitrag, den ich für dieses Treffen vorbereitet hatte, und auf den ich sehr stolz war, wurde von den Teilnehmern und insbesondere den Dozenten geradezu in der Luft zerrissen. Ich bin für einige Stunden ziemlich down gewesen, habe mich dann aber wieder aufgerappelt, zumal ich heimlich zugegeben musste, dass die Kritik auch noch berechtigt war.

Kurz und gut: Ich kann niemandem etwas vorwerfen. Alles lief völlig korrekt ab, und niemand hat mich persönlich gekränkt. Im Gegenteil: Die Atmosphäre war sehr angenehm und kreativ. Trotzdem sagt mir eine innere Stimme, dass es zwischen dem Seminar und meinen brutalen Rückenschmerzen einen Zusammenhang gibt. Darf man dich auch in gesundheitlichen Fragen ansprechen? Ich könnte nämlich wirklich ganz gut Hilfe gebrauchen.

Antwort:

DU SOLLTEST AUF DIESE INNERE STIMME HÖREN und weniger auf das, was dein Verstand dir einzureden versucht. Man hat deinen Beitrag, auf den du so stolz gewesen bis, in der Luft zerrissen und du hast Verständnis? Du kommst wie ein gebrochener Mann aus der Veranstaltung und beschreibst die Atmosphäre dort als kreativ und angenehm?

Schließe bitte jetzt einmal die Augen und stell dir einen Weg vor, auf dem du stehst. Um was für einen Weg es sich dabei handelt ist egal. Feldweg, Waldweg, ein Weg am Flussufer, such dir etwas aus. Du stehst auf diesem Weg und bist ein kleiner Knirps von ungefähr zehn Jahren. Du hältst etwas in der Hand. Es könnte ein Bild sein, dass du gemalt hast. Vielleicht ist es auch eine Geschichte, die du geschrieben, oder eine Klassenarbeit, auf die du eine gute Note bekommen hast.

Jetzt siehst du von Ferne auf diesem Weg deinen Vater auf dich zukommen. Du freust dich darauf, ihm deine Arbeit zeigen zu können, denn es ist eine gute Arbeit. Du bist stolz darauf und du weißt, das auch dein Vater stolz auf dich sein wird.

Aber er kommt näher und näher, und mit jedem Schritt, den er größer wird, wirst du kleiner. Dir kommen erste Zweifel. Wird ihm wirklich gefallen, was du fertiggestellt hast? Hättest du dir vielleicht nicht NOCH mehr Mühe geben können? Ist es nicht so, dass er bisher NIE zufrieden gewesen ist mit dem, was du geleistet hast?

Jetzt steht er vor dir. Er ist sehr groß, sein Schatten fällt auf dich, und du fängst auf einmal an zu zittern. Er streckt stumm die Hand aus und du reichst ihm deine Arbeit. Er betrachtet sie lange ohne eine Miene zu verziehen. Dann gibt er sie dir zurück. Er schüttelt wortlos den Kopf und betrachtet dich mit einer Mischung aus Ärger und Verachtung. Dann dreht er sich um und geht den Weg zurück. Er geht und lässt dich alleine mit deinem Schmerz, der wie ein einziger Stich durch deinen gesamten Körper fährt.

DAS ist passiert auf deinem Wochenendseminar! Es ist ganz gleichgültig, ob du die Atmosphäre insgesamt als kreativ und angenehm empfunden hast oder ob die Kritik an deinem Beitrag sachlich begründet gewesen ist. So etwas sind die Wertungen deines Verstandes und die sind hier uninteressant. Du bist abgelehnt worden. Schlimmer noch: Man hat deinen Beitrag IN DER LUFT ZERISSEN! Ausgerechnet den, auf den du so stolz gewesen bist und mit dem du die gesamte Gruppe beeindrucken wolltest. Du bist am Boden zerstört und es wird eine ganze Weile dauern, bis du dich wieder aufgerappelt hast und aufrecht gehen kannst. Schmerzfrei – bis zum nächsten Mal.

Dein Problem ist, dass du dich selbst nicht lieben kannst! Du hältst dich für minderwertig. Du fühlst dich anderen Menschen unterlegen, ganz gleich wie gut du im Einzelfall auch sein magst. Eine gute Leistung zählt für dich nicht viel, weil die Wirkung des Lobs, das du dafür erhältst, schon nachlässt, während du noch davon trinkst. Deshalb bist du süchtig nach Anerkennung geworden und wie jeder Süchtige opferst du alles, was du geben kannst, bloß um an den nächsten „Kick“ zu kommen. Egal welcher Preis dafür gezahlt werden muss, Zeit, Geld, Gesundheit, selbst das Wohl deiner Familie, alles muss hinten an stehen, alles muss geopfert werden, wenn es für dich irgendwo Anerkennung zu ergattern gibt.

Der Weg in deine Freiheit ist der Weg zu dir. Du musst lernen, dich zu lieben, weil du sonst niemals fähig sein wirst andere Menschen zu lieben, und das ist der Schlüssel zu innerem Wachstum. Du darfst nicht länger versuchen, Liebe mit Leistung erkaufen zu wollen. Liebe ist unbezahlbar und wenn du trotzdem versuchst, sie auf diese Weise zu bekommen, wirst du immer höhere Preise dafür bezahlen müssen. Zur Zeit ist dein Rücken an der Reihe, die Rechnung für dich zu begleichen. Was willst du beim nächsten Mal auf den Zahlteller legen?

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