51 – Spiritualität in der Schule

Spiritualität in der Schule

Ich bin Lehrer und suche einen Weg, meinen Schülern auch bei ihrer spirituellen Entwicklung zu helfen. Auch wenn ich weiß, dass jeder Mensch individuell seinen Weg zur „Selbstverwirklichung“ selbst finden und gehen muss, so glaube ich doch, dass ihm andere Menschen Hilfestellungen hierzu geben könne.

Natürlich kann ich versuchen, den Einzelnen mit meinem persönlichen Weg anzusprechen, ihn auf die in ihm enthaltenen Möglichkeiten aufmerksam zu machen. Ich frage mich jedoch, ob nicht darüber hinaus eine so große Organisation wie ein Gymnasium ein spirituelles Angebot machen kann, das zunächst sehr allgemein gehalten ist, und durch das diejenigen Schüler, die zu einer Verinnerlichung bereit sind, angeregt werden, den Weg nach Innen zu suchen und zu beschreiten.

Meine Frage lautet also, ob es nicht solche (zunächst überindividuellen Angebote) geben kann und welcher Art sie sein könnten.

Antwort:

Wenn es „dein“ Gymnasium wäre und seine Mauern deinen Geist atmen würden, wäre das alles kein Problem. Dann würden sich Angebote wie du sie dir vorstellst harmonisch in das Ganze einordnen. Doch das ist hier nun einmal nicht der Fall. Deshalb ist das, was du dir vorstellst, schwierig zu verwirklichen. Es ist aber auch nicht unmöglich.

Doch gibt es immer eines zu bedenken: Hilfe macht nur dann Sinn, wenn sie erwünscht ist, besser noch: erbeten wurde. Dem Angebot muss also ein Bedürfnis vorausgegangen sein, das befriedigt werden wollte. Eine Hilfe die nicht genutzt wird ist selbstverständlich nutzlos.

Andererseits kann ein Interesse durchaus vorhanden sein, obwohl es noch von niemandem artikuliert worden ist. Doch das muss man kennen, bevor ein Angebot gemacht werden kann. Spiritualität ist ein sehr feines geistiges Gewebe, das sofort zerreißt, wenn es überdehnt wird.

Deshalb haben Angebote, wie du sie dir vorstellst, nur ein einem Fall Aussicht darauf von den Schülern akzeptiert und angenommen zu werden: Sie müssen gemeinsam mit ihnen entwickelt worden sein und der Lehrer, der in diesen Prozess eintritt, darf sich nicht als solcher begreifen. Das entspricht vielleicht nicht gerade dem Wesen von Schule, doch genau darin läge hier die Chance.

Du könntest damit beginnen, mit einem kleinen Kreis von Schülern – und wenn es am Anfang nur zwei wären würde das schon genügen – herauszufinden, welche Art von Samen ihr gemeinsam in die Erde legen wollt. Du alleine kannst das nicht wissen, aber die Schüler könnten dir helfen es zu ergründen.

Wichtig ist, dass du dich in einem solchen Prozess wirklich als Moderator verstehen und deine Schüler als vollwertige Partner akzeptieren kannst. Hier hätte keiner von euch dem anderen etwas voraus, jeder würde gleichberechtigt seinen geistigen Anteil beisteuern und jeder dieser Beiträge wäre gleichermaßen wertvoll und einmalig in seiner spirituellen Bedeutung. Denn du darfst niemals vergessen: Deinen Schülern bist du nur an Lebensjahren und den in diesen Jahren gewonnenen Erfahrungen voraus. Wenn sich aber eure Seelen begegnen gibt es solche Unterschiede zwischen euch nicht – und eben das wäre hier der Fall.

Wenn du es so anfängst und dir deiner inneren Haltung wirklich sicher bist, wirst du sehr bald erleben, dass dieser Samen aufgeht. Doch es geht wirklich nur auf diesem Weg und er beginnt bei dir.

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