52 – Spirituelle Wege (1)

Spirituelle Wege (1)

Wie kann ich in der heutigen Zeit des Materialismus und Kapitalismus, des Egoismus und Individualismus Jugendliche dazu bringen, sich inneren Werten zuzuwenden, ihre Spiritualität und Intuition zu entdecken, zu entfalten und weiter zu entwickeln?

Kann ich ihren Weg zur Selbstverwirklichung überhaupt beeinflussen ?

Antwort:

Versuche, dir die gegenwärtige Raum-Zeit als einen Körper vorzustellen, sie als Individuum zu sehen. Als Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften, die sie entwickelt hat, weil sie sie genau so benötigt, wie sie jetzt sind. Sie hat den Materialismus entwickelt, weil sie ihn braucht. Der Kapitalismus ist ebenso Teil ihres Charakters wie der Individualismus oder der Egoismus. Das sind ihre Wesenszüge. Das ist die Mimik in ihrem „Gesicht“, das sind ihre Falten und Narben. Das macht sie aus. Sie ist so, wie sie heute ist, weil ein Teil der Menschheit diese Raum-Zeit durchlaufen muss. Und zwar genau so, wie sie hier und heute beschaffen ist. Sie hat exakt die Werte geprägt, die hier und heute gebraucht werden.

Spiritualität kann sich unter allen Bedingungen entfalten, aber die Türen, die durchschritten werden müssen, sind jeweils andere und die Wege, die zu diesen Türen führen, ebenfalls. Deshalb gilt: Der Mensch, der hier und heute lebt und die Raum-Zeit so erfährt, wie du sie erlebst und charakterisiert hast, geht seinen spirituellen Weg unter genau den Bedingungen, die für ihn wichtig sind. Seine Seele hätte eine andere Entscheidung treffen, sich eine andere Raum-Zeit aussuchen können, doch sie hat diese gewählt, und deshalb ist es gut so.

Das heißt nun nicht, dass jede Bemühung deinerseits, junge Menschen bei der Entdeckung und Entwicklung ihrer Spiritualität zu unterstützen, überflüssig wäre. Das ist sie ganz und gar nicht. Nur musst du akzeptieren, dass die Bedingungen, unter denen du diese Hilfestellung anbietest, für diese jungen Menschen genau das sind, was sie sich so ausgesucht haben und deshalb auch so brauchen. Sie definieren sich über exakt die Werte, die du ablehnst, zur Zeit am allerbesten und nur so haben sie überhaupt die Möglichkeit, irgendwann den ersten Schritt auf dem Weg zu ihrem eigenen inneren Selbst tun zu können.

So gesehen ist jeder Schritt auf jedem Weg ein richtiger Schritt auf dem richtigen Weg. Richtig für den, der ihn tut, wohlgemerkt. Und jeder Weg ist auch ein spiritueller Weg, selbst wenn der, der ihn geht, von diesem Wort noch nie etwas gehört hat. Es ist manchmal schwer, das zu akzeptieren, aber nur wenn du das kannst, nur unter dieser Voraussetzung, hast du überhaupt eine Chance, mit den jungen Menschen, um die du dich sorgst, in eine geistige Beziehung zu treten und sie zu erreichen.

Erwarte jetzt keine Methodik und Didaktik der spirituellen Erziehung von mir. Methodisch und didaktisch kannst du vorgehen, wenn du einen Lehrstoff zu vermitteln hast. Der ist für alle gleich und braucht nicht notwendigerweise für jeden einzelnen individuell aufbereitet zu werden. Die Wege zum eigenen Selbst sind jedoch sind sehr persönliche Wege und so unterschiedlich, wie die Menschen, die sie gehen.

Wenn dir dein Anliegen wichtig ist, wirst du also in jedem Fall auf die einzelnen Menschen zugehen müssen, um herauszufinden, wer von ihnen dir erlaubt, ein Stück Wegs gemeinsam mit ihnen zu gehen. Wo das möglich ist, wirst du auch den Zugang finden, den du suchst. Wo das nicht möglich ist, würde auch die beste Methodik der Welt nichts ausrichten können.

Worauf es entscheidend ankommt ist, wie glaubwürdig du mit deiner eigenen spirituellen Entwicklung bist. Wie überzeugend der Weg auf andere wirkt, für den du dich entschieden hast. Wie neugierig du junge Menschen darauf machen kannst, es zur Abwechslung einmal mit einer Erfahrung zu versuchen, deren sofortige Verwertbarkeit nicht auf den ersten Blick zuerkennen ist.

Es geht nicht darum, „ihren Weg zur Selbstverwirklichung zu beeinflussen“, wie du schreibst, es geht darum, sie auf deinen Weg zur Selbstverwirklichung neugierig zu machen. Nur wenn du du selbst bist und glaubwürdig vermittelst, dass du den anderen grundsätzlich mit den Lebensentscheidungen respektierst, die er für sich getroffen hat, werden Öffnungen entstehen können, durch die eine Verständigung möglich wird. Der tiefe Respekt vor der Persönlichkeit des anderen und vor der Entscheidung, die seine Seele für ihn getroffen hat, ist die Grundvoraussetzung für den inneren Dialog, den es hier zu führen gilt.

Sieh also im Materialismus, im Kapitalismus, im Egoismus oder im Individualismus keine Ärgernisse, die es auszuschalten gilt, sondern Chancen, die du nutzen kannst. Es sind die Bedingungen, unter denen die Menschen in dieser Zeit und in deiner Welt heranwachsen. Sie sind nicht besser, sie sind aber auch nicht schlechter als andere Zeiten und Räume und wenn es dir gelingt, dies wirklich wertfrei zu sehen, wirst du wissen, auf welche Weise du die Menschen erreichst, deren Wege du teilen willst.

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