56 – Übergewicht (1)

Übergewicht (1)

Ich möchte sehr gerne meine Nahrungsaufnahme normalisieren. Was lässt mich so oft zu Süßigkeiten greifen? Im Grunde will ich das doch nicht. Auch das Essen insgesamt – was läuft da falsch?

Ich will das ändern. Was kann ich tun, das auch wirklich praktikabel ist für mich, um die Nahrungsaufnahme zu „normalisieren“? Schließlich wirkt sich dies ja auch körperlich unästhetisch aus, was mir doch sehr zu schaffen macht.

Antwort:

Das mit dem „praktikabel“ ist so eine Sache. Es geht hier nicht um deine Essgewohnheiten, es geht um dich. Es geht um dein Bild von dir und damit meine ich nicht deine äußere Erscheinung.

Du willst deine Essgewohnheiten nicht wirklich ändern, du willst dich selbst ändern, doch das kannst du nur, wenn du dich mit dir auseinandersetzt. Du löst ein Problem nicht dadurch, dass du versuchst es aus der Welt zu schaffen, sondern indem du dir von ihm erklären lässt, was es dir sagen möchte.

Nichts in deinem Leben ist unwichtig, alles hat Bedeutung und alles an dir ist es wert geliebt und beachtet zu werden. Das aber hast du in vielen Fällen nicht getan. Es gibt Teile von dir, die du ganz und gar nicht achtest oder liebst, und es gibt andere, die du überhaupt nicht kennst. Denen du ein Leben lang aus dem Weg gegangen bist und von denen du auch in Zukunft meinst nichts wissen zu müssen. „Irrtum“, sagt deine Seele und sorgt dafür, dass du an dir selbst nicht mehr vorbei kommst.

Du bist nicht nur das, was du von dir weißt. Deine Erinnerung kennt nur einen winzig kleinen Teil von dir. Sozusagen das Allernötigste. Was man eben so meint für den Alltag von sich wissen zu müssen. Große Teile von dir erschließen sich deinem Bewusstsein gar nicht und trotzdem sind sie sehr lebendig und sehr aktiv. Sie prägen dich und alles was du bist ist ein Abbild dieses Ganzen. Stell dir einen Vulkan vor, der seit Menschengedenken nicht mehr ausgebrochen ist, der als ungefährlich gilt, weil er an der Oberfläche nur noch ein wenig blubbert und dampft. Er mag harmlos aussehen, aber er hat ein gewaltiges Potential an Kraft.

So ähnlich verhält es sich mit dir. Du bist wie der Vulkan, der vergessen hat, wer er eigentlich ist. Aber in dir gärt es. Du bist verletzt worden, du bist traurig und du bist zornig. Und du isst. Du schluckst deinen Zorn runter, deine Trauer deine Verletzungen, aber sie kommen immer wieder hoch und du weißt, das du sie SO niemals loswerden wirst.

Du beobachtest dich und dein Leben, und dir gefällt nicht was du siehst. Du spürst, dass da etwas nicht in Harmonie bei dir ist. Dass es unterschiedliche Bilder von dir gibt, die sich nicht in Deckung, nicht in Übereinstimmung miteinander bringen lassen.

Und du isst.

Schluckst das alles runter, willst nichts davon wissen, willst nichts von dir wissen, doch dein Körper spielt da nicht mit. Er sorgt dafür, dass du dich nicht übersehen kannst, und so ist es unter anderem jetzt auch zu dieser Frage hier gekommen, auf die ich nun direkt antworten kann.

Deine Frage darf nicht lauten: „Was kann ich tun, um meine Nahrungsaufnahme zu normalisieren“, sie muss lauten: „Was kann ich tun, um zu sehen wer ich bin und um zu lieben, was ich dann sehe?“

Alles an dir ist in Ordnung, alles an dir ist liebenswert, aber so lange du nicht selbst dieser Meinung bist, kann sich an deinen Essgewohnheiten nichts ändern und keine Therapie, keine Ernährungskontrolle, keine Technik und auch keine Hilfsmittel gleich welcher Art können daran etwas ändern.

Aber DU kannst eine Menge daran ändern. Jederzeit. Jetzt sofort. Du kannst beschließen mir zu vertrauen, wenn ich dir sage, dass es nichts in deinem Leben gibt, dessen du dich zu schämen brauchst. Wenn ich dir sage, dass du vollkommen bist und es keinen Grund gibt, so viel von dir vor der Welt verbergen zu wollen. Du hast alte Narben von alten Wunden, die deiner Seele vor lange Zeit geschlagen wurden. Sie tun noch heute weh, weil du dich bis heute geweigert hast zu verzeihen. Du weißt heute nicht einmal mehr, um was es dabei ursprünglich ging, du spürst nur tief in dir drinnen dass es noch immer weh tut und du isst und schluckst und isst.

Es geht nicht darum, dass du jetzt anfangen sollst in deiner Vergangenheit zu graben. Die Wunden, von denen ich spreche, liegen zum Teil weit außerhalb der Reichweite deiner Erinnerungen. Es geht darum, dass du HEUTE beschließt dich zu akzeptieren wie du BIST. Mit deinem Hunger auf Süßes, mit deinen Essgewohnheiten, die anfangen dich zu stören, mit deinen Fehlern oder das, was du dafür hältst.

Betrachte deine Essgewohnheiten, betrachte deinen Körper, mit freundlichen, liebevollen Augen, und du wirst sehr schnell entdecken, dass du eine ganz andere Wahrnehmung von dir bekommst. Dir wird gefallen, was du siehst! Und es kann sein, dass dein Hunger auf Süßes oder auf zuviel des Guten DANN zu einem Hunger darauf wird, mehr von dir zu sehen, um der Welt mehr von dir zeigen zu können.

Und wenn dich auf dem Weg dorthin noch einmal die Lust auf Süßes packt, dann verurteile dich nicht dafür, sondern mach dir klar, dass dir jemand etwas wichtiges über dich sagen möchte! Alle Antworten auf alle Fragen liegen in dir. Alles was ich tun kann ist, dich daran zu erinnern, dass du das weißt.

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