57 – Übergewicht (2)

Übergewicht (2)

Mit Deiner Beratung und deiner Hilfe bin ich bis heute auf meinem Weg bereits sehr weit gekommen, habe Vertrauen in mein Leben, werde stückchenweise immer mehr zur Liebe und habe gelernt wie es ist, im Hier und Jetzt in mir zu ruhen und die Liebe zu fühlen.

Was in letzter Zeit als Problem auftaucht ist, dass ich mein Spiegelbild meide. Ich fand mich zwar nie schön, war mit meinem Spiegelbild aber doch immer recht zufrieden. Nun bin ich 43 und übergewichtig. Ich weiß, dass es gerade jetzt, nach meiner Entwicklung in der letzten Zeit, völlig egal ist wie ich aussehe, aber mir geht es weniger um die Anerkennung meiner Schönheit durch andere, als darum, mein Spiegelbild gerne anzuschauen.

Seit einigen Wochen denke ich ununterbrochen daran, dass ich an meinem Äußeren etwas verändern muss, denn mein Innenleben ist ja so ausgewogen wie nie zuvor. Diese Gedanken quälen mich – ich möchte sie nicht denken. Doch jedes Mal, wenn ich an großen Fensterscheiben oder Spiegeln vorbei gehe und mich darin erblicke, erschrecke ich mich darüber, wie dick und unattraktiv ich mir selbst erscheine. Bitte helft mir, denn ich leide sehr darunter und bin fast schon wie besessen davon.

Antwort:

Die Vorstellung liegt nahe, dass der Weg nach Innen – immerhin ein Weg des Herzens – nicht nur Balsam für die Seele ist, sondern auch den Körper erfrischt. Dass der Mensch auf diesem Weg Geist und Seele pflegt, den Körper verjüngt und somit gesundet.

Das ist auch richtig so, aber oft wird der Weg unterschätzt, der bis dahin zurückgelegt werden muss und damit die Widerstände, die dabei überwunden werden müssen.

Der Weg nach Innen, der Weg der inneren Erkenntnis, der Weg des Herzens, zumal wenn er so konsequent gegangen wird wie du es tust, erfordert viel Kraft. Es ist kein einfacher Weg, denn mit jedem Schritt, den du gehst, entfernst du dich zugleich mehr und mehr von allem, was dir bis dahin vertraut war und dir Halt gegeben hat. Du orientierst dich immer weniger in deiner äußeren Welt, du stützt dich nicht mehr länger auf die Realität, sondern suchst deinen Halt im Inneren, im Herzen. Weil du weißt, dass du nur dort die Antworten auf die Fragen finden wirst, die dich wirklich bewegen.

Jeder Mensch hat seine eigene Art diesen Weg zu beschreiten, doch welche davon gewählt wird, entscheidet er nicht selbst. Darüber befindet allein die Seele. Nur sie weiß, an welchem Punkt des Wissens, des Wachstums und der Reife sie steht, welche Schritte als nächstes anstehen und in welchem Tempo sie gegangen werden müssen. Du als Mensch hast keine andere Wahl, als dich dieser Entscheidung zu beugen, und damit kommen wir zu deinem Problem:

Du hast nicht die Weisheit, dich vor der Größe deiner Seele zu verneigen. Hättest du sie, könntest du ihre Entscheidungen ohne Kämpfe und innere Widerstände akzeptieren und dein Weg des Wissens, dein Weg des Herzens, wäre sehr viel leichter für dich zu gehen. Du aber hast einen starken Verstand mit auf den Weg bekommen, der sich die Führungsrolle, die er sich geschaffen hat und an die er gewöhnt ist, nicht so leicht aus den Händen nehmen lässt.

Das heißt für dich ganz praktisch: Du bist zur Zeit sehr oft an zwei „Orten“ gleichzeitig. Einerseits nimmst du sehr bewusst, sehr viel bewusster als zu früheren Zeiten, die Realität wahr, in der du lebst. Du hast auch kaum eine andere Möglichkeit, denn dein Verstand wird derzeit nicht müde, ihre Vorzüge und ihre angebliche Einmaligkeit und Großartigkeit zu beschwören. Du nimmst sie wahr, aber du durchschaust sie auch immer klarer als das was sie ist: Eine Welt der Illusionen.

Gleichzeitig bist du inzwischen aber auch in deinem Herzen angekommen und hast begonnen eine andere Wirklichkeit zu leben. Die eigentliche Wirklichkeit. Die Welt des Wissens, in der Wachstum und spirituelle Reife eine Rolle spielen und alles Äußerliche ohne Bedeutung ist. Die Welt, deren Größe sich nur der Liebe, nicht aber dem Verstand erschließt.

In diesem Spannungsfeld stehst du und so nimmst du dich auch wahr. Du siehst, wer du nicht mehr sein willst. Du siehst den Teil von dir, der dir bisher nicht zu folgen bereit war. Und du siehst die Anstrengung, die es deinen Körper kostet, auf dem Boden der Realität zu bleiben während dein Herz sich eigentlich mit dir in ganz andere Höhen emporschwingen möchte.

Ich rate dir, dich mit freundlicheren Augen zu betrachten, denn alles ist ein Teil von dir. Auch der Verstand, der es dir so schwer macht dich vom Boden zu lösen, indem er DICH so schwer macht. Hab Verständnis für ihn und sein Bemühen, für dich und dein Wohlergehen zu sorgen. Er tut es eben auf seine Weise. Hab Verständnis für dein Körpergewicht, denn es wird im Moment noch gebraucht. Du stehst in einem Spannungsfeld und brauchst in dieser Phase der inneren Entscheidung AUCH einen handfesten Halt und einen Körper, der dich schützt.

Geh milder mit dir um, und es wird dir um so leichter fallen den Ballast abzuwerfen, unter dem du so leidest. Du wirst dich verändern, wenn du über die Schwelle hinaus bist, an der sich Realität und Wirklichkeit voneinander trennen. Wenn du wirklich und wahrhaftig deinen Platz im eigenen Herzen eingenommen hast. Wenn du LOSLASSEN kannst.

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