58 – Umgang mit der Bibel

Umgang mit der Bibel

Mich beschäftigt die Frage der Kreuzigung. So wie ich die Zusammenhänge bisher verstanden habe, war der Tod Jesu die notwendige Voraussetzung dafür, dass du uns bösen Menschen unsere Sünden vergibst. Diese Version ist aber für mich nicht besonders befriedigend. Selbst wenn du der Kinderschreck wärest, als den ich dich lange Zeit betrachtet habe – nicht einmal menschliche Eltern würden so etwas von ihren Kindern verlangen. Welchen Gewinn hättest du davon, dass du deine eigenen Kinder ans Kreuz schlagen lässt? Wenn du in der Lage gewesen bist Himmel und Erde in sechs Tagen zu erschaffen, hättest du dann nicht einen anderen Weg wählen können, um die Menschheit von ihren angeblichen Sünden zu befreien?

Antwort:

Die Bibel wird um so unverständlicher, je mehr du versuchst sie beim Wort zu nehmen. Und das ist auch ganz gut so, denn es ist nicht die Aufgabe dieser Schrift ein bequemes Nachschlagewerk zur schnellen geistigen Orientierung zu sein. Wenn du sie wirklich verstehen willst, wirst du lernen müssen, mehr zwischen als in den Zeilen zu lesen, denn dort stehen die wichtigsten Botschaften. Gut sichtbar für jeden, der mit weitem, geöffneten Herzen die Tür durchschreitet, auf der mein Name steht, und hinter der es von der Realität zur Wirklichkeit, vom Verstehen zum Wissen geht. Unsichtbar aber für jeden, der auf die Herausgabe dieses Wissens pocht anstatt es zu suchen und sich ihm, wenn die Spur aufgenommen worden ist, zu nähern.

Die Bibel ist auch kein Geschichtsbuch, obwohl in ihr die Geschichte der Entstehung des Christentums aufgezeichnet ist, womit sie immerhin ein Werk von großer historischer Bedeutung ist. Aber sie ist mehr.

Versuche sie als einen spirituellen Führer zu betrachten, dann kommst du ihrem Anliegen, ihrem Auftrag und auch den in ihr enthaltenen Möglichkeiten für dein eigenes spirituelles Wachstum schon sehr viel näher.

Es bringt dich auch nicht weiter, sie als „heilige Schrift“ zu betrachten. Das sind Worte, die meistens nur bewirken, dass die Menschen das Suchen aufgeben, weil sie vor lauter Respekt nicht mehr wagen Fragen zu stellen. Die Bibel ist ein Führer, mehr nicht. Und sie ist beileibe nicht der einzige Führer, der den Weg zum Wissen und damit zu mir kennt.

Die Fragen, die du ansprichst, sind in der Geschichte des Christentums Anlass für unendlich viele Diskussionen gewesen und an ihnen werden sich auch weiterhin die Geister scheiden: Wieso sollen alle Menschen von Geburt an sündig sein und warum sollte Gott seinen Sohn opfern, um die Menschen von diesen Sünden zu befreien? Und das noch auf eine derart grausame Weise? Standen ihm als Gott da nicht andere Möglichkeiten zur Verfügung? Und schließlich: War dieser hohe Einsatz nicht auch noch vergebens, da sich an der Sündhaftigkeit der Menschen bis heute nichts geändert zu haben scheint?

Wie bereits gesagt: Nimm diese Dinge nicht zu wörtlich, sonst kommst du nicht weit. Ich bin Alles-was-ist, ich bin unendliche Liebe und Wahrheit, ich bin Allgegenwart, Allwissenheit oder Allmacht – aber eines bin ich ganz gewiss nicht: Ein Vater, der seinen Sohn zu Tode quälen lässt, um damit etwas zu „erreichen“, was ihm auf andere Weise nicht gelungen ist.

Der Sohn ist ein Bild wie der Vater ein Bild ist. Betrachte mich nicht als Person und Jesus nicht als meinen Verwandten. Es gab einen historischen Jesus aus Fleisch und Blut. Dieser Mann, der Gott so nahe gekommen ist, dass er ihm gleich war, ist am Kreuz gestorben, weil er NUR SO UND NICHT ANDERS die Botschaft der Liebe Gottes weitertragen konnte. Meine Botschaft. Der Mensch aus Fleisch und Blut namens Jesus aber hatte einen Geist, und zwischen diesem Geist und mir besteht die Vaterschaft bzw. die Gottessohnschaft, das Verhältnis zwischen Vater und Sohn.

Der Tod am Kreuz war die freie Entscheidung des MENSCHEN Jesus, der dem GEIST des Christus zum Durchbruch verhelfen wollte. Stell dir vor, er hätte eine andere Entscheidung getroffen und wäre am Vorabend der Kreuzigung seiner Wege gegangen, anstatt sich selbst auszuliefern. Glaubst du, es hätte dann jemals ein Christentum gegeben?

Wenn in diesem Zusammenhang von meinem Willen die Rede war, so ist auch das nicht wörtlich zu nehmen. Der Wille Gottes ist nicht mit dem menschlichen Willen gleichzusetzen sondern beschreibt die Allgegenwart, Allwissenheit und die Allmacht Gottes. Der menschliche Wille hat Ziele und kennt Absichten. Mein Wille verfolgt keine Ziele und er kennt keine „Hintergedanken“. Er IST einfach, mehr nicht.

Wenn Jesus sagte: „Dein Wille geschehe“, so wollte er damit zum Ausdruck bringen, dass es für den Menschen kein größeres Ziel geben kann, als eins mit mir zu werden. Eins mit dem Universum, eins mit der universellen Liebe, die, anders als die menschliche Liebe, kein Gut und Böse kennt.

Die „Sünde“ des Menschen besteht in der Getrenntheit von mir, wobei ich für das Wort nicht verantwortlich bin. Ich beschuldige niemanden und klage niemanden dafür an, dass er noch auf dem Weg zu mir, auf dem Weg zum Einssein mit dem Universum ist. Das bringen nur Menschen fertig und Menschen haben Absichten und verfolgen Ziele mit dem was sie sagen und tun. Anders als ich.

Ich würde eher von dem „Problem“ des Menschen als von seiner „Sündhaftigkeit“ sprechen, denn das Getrenntsein von mir hat Folgen: Es errichtet eine Mauer zwischen der Realität und der Wirklichkeit. Denk mal an die Wunder, von denen im Neuen Testament die Rede ist, dann weißt du, welche Mauer ich meine und was die eine Welt von der anderen unterscheidet.

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