63 – Verzeihen

Verzeihen

Ich habe vor kurzen für mich alleine jemandem verziehen, obwohl ich lange Jahre nicht verstehen konnte was das alles sollte. So nun da ich ihm verziehen habe werde ich wieder mit diesem Menschen konfrontiert. Klar könnte ich mich zurückziehen und alles so belassen. Für mich war das Thema abgehakt. Ich weiß nicht was ich tun soll jetzt habe ich die Gelegenheit alles zu hinterfragen und vielleicht so richtig abzuschließen. Aber ich habe Angst, sehr große Angst…Was sagt unser Vater dazu ? Ich will keine Angst haben und ich will es endlich vergessen!

Ein anderes Anliegen hab ich auch noch… Hat man sich bei Euch schon einmal die Frage gestellt was eigentlich die sog. Erbsünde sein soll? Mit 14 habe ich „mir“ die Frage einmal gestellt, die Antwort war, daß es das Machtbestreben des Menschen ist. Nun, solche Art Antworten sind mir häufiger gegeben worden. Da ich selbst immer versuche, logisch zu denken fällt es mir schwer, so manches mal meine eigene Antwort von geistigen zu unterscheiden. Wie richtig festgestellt: Der Verstand eines Menschen ist immer rückwärts gerichtet.

Antwort:

Du hast nicht wirklich verziehen. Du hast seit langer Zeit eine offene Wunde, und die schmerzt und quält dich. Jetzt wolltest du sie schließen und nun merkst du, dass die Schmerzen eher heftiger geworden sind. Du hast die Wunde verbunden, aber so kannst du sie nicht heilen. So kannst du sie nur versorgen

Verzeihen heißt, einen Menschen innerlich in die Arme zu nehmen, ihn von Herzen an sich zu drücken, seine Nähe zu spüren und ihm für alles zu danken , was er für einen getan hat. Denn das musst du dir immer klar machen: Wenn ein Mensch dich verletzt, gibt er dir eine wichtige Chance dein Leben zu verändern und spirituell zu wachsen. Er leistet dir also einen Dienst und er nimmt in Kauf, dafür selbst einen hohen Preis zahlen zu müssen!

Denn auf der energetischen Ebene geht nichts verloren. Ein freundlicher, ein positiver Gedanke zieht, wenn er von Herzen kommt, auch auf der materiellen Ebene positive Folgen nach sich. Er kann gar nicht anders. Das ist seine Natur, sein Wesen, sein Auftrag. Auf der spirituellen Ebene zieht positive Energie weitere positive Energie an, verdichtet sich, wird Kraft, die nach Ausdruck verlangt. Ein positiver Gedanke tut immer Gutes. Er dient dem Absender wie dem Empfänger und auf ihm liegt Segen.

Das ist bei negativen Gedanken ganz anders. Auch sie ziehen gleichgerichtete Energie an, verdichten sich und werden zu Kraft, die nach Ausdruck sucht, aber diese Kraft ist zerstörerisch und ihr Einfluss richtet sich vor allen Dingen gegen ihren Urheber! Das ist ihr Wesen, ihre Natur. Der Empfänger mag Verletzungen davon tragen, aber von denen kann er sich heilen, indem er vergibt. Seine Verletzungen können wichtige Hilfen für ihn sein. Wertvolle Wegweiser auf dem Weg des persönlichen Wachstums. Der Absender dagegen wird niemals eine direkte positive Folge seiner Tat erfahren. Der zerstörerische Einfluss seiner negativen Gedanken richtet sich zunächst gegen ihn und wird in seinem Leben nach Ausdruck suchen. Krankheit kann eine solche Folge sein. Unfälle und Not können hier ihre Erklärung finden. Er wird daraus lernen und hat so seinerseits die Chance zu wachsen, aber du siehst den Umweg, der hier gegangen werden musste.

Wenn dir also Leid zugefügt wurde, ist dies immer auch ein Ausdruck von großer Liebe, denn der Mensch, der dir dies antut, zahlt dir zuliebe einen hohen Preis dafür. Dass er sich dessen nicht BEWUSST ist, weil solche Entscheidungen nicht auf der Ebene des Verstandes getroffen werden, ändert daran gar nichts.

Wenn du wirklich verzeihen willst, dann sei dem Menschen dankbar für das Leid, dass er dir zugefügt hat. Nur dann kann deine Vergebung wirklich von Herzen kommen.

Vergebung, zu der man sich entschließt, weil der Schritt, aus welchen Gründen auch immer, sinnvoll erscheint, ist eine großmütige Geste, nicht mehr. Sie bewirkt im besten Falle gar nichts. Im schlimmsten Falle aber reißt sie alte Wunden noch weiter auf und das Drama beginnt von vorne.

Wenn du vergeben willst, dann schließe diesen Menschen in dein Herz ein und sei ihm dankbar für das, was er für dich getan hat. Wenn du das kannst, bist du frei und kannst auch ihn in die Freiheit entlassen. Dann ist auch nichts mehr zu hinterfragen und nichts mehr zu klären. Das Problem hat sich einfach erledigt.

Wenn du das nicht kannst, dann bete dafür, dass du es kannst. Bitte darum. Es ist ganz wichtig für dich!

Zu deiner zweiten Frage: Die „Erbsünde“ ist ein Begriff, der vor allen Dingen für Missverständnisse zu sorgen scheint. Du bist auf der Welt und durchläufst dieses Leben, um dein Wissen von der Welt und deine Erfahrungen von diesem Leben zu transzendieren.

Du betrittst erneut diese Welt und durchläufst weitere Leben, um mit jedem deiner Schritte dorthin zurückzukehren, von wo du aufgebrochen bist. Du nimmst alle diese Mühen auf dich, um zu lernen, was du eigentlich schon wusstest, aber es führt für einen Menschen daran kein Weg vorbei.

Erst wenn der Verstand keine Fragen mehr hat, wenn alle Schubladen geöffnet und ausgeleert worden sind und es auf der Ebene der sichtbaren Realität nichts mehr zu entdecken gibt, was den Verstand noch beschäftigen könnte, wird diese Reise zuende sein.

„Erbsünde“ bezeichnet die Entscheidung des Menschen, aufzubrechen, um zu seinem göttlichen Ursprung zurückzukehren. Die „Sünde“ lag darin, dass er diesen göttlichen Ursprung überhaupt aufgegeben hat und irdisch, also sündig geworden ist. Betrachte das Wort „Sünde“, ohne den moralischen Beigeschmack, und das Ganze wird viel leichter verständlich sein.

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