Sich führen lassen: Ein Bericht

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Quelle: Pixabay

 

Der Umzug nach Berlin liegt hinter mir und bis auf wenige Kisten ist alles ausgepackt und schon recht wohnlich.

Heute möchte ich euch daran teilhaben lassen, wie ich zu dieser Wohnung geführt wurde. Vor gut zwei Jahren verschlechterte sich meine Muskelerkrankung, unter der ich seit 15 Jahren leide, in einem immer schnelleren Rhythmus. Die ersten 10 Jahre beeinträchtige sie meinen Alltag kaum, aber ab 2010 gab es Veränderungen und im Jahr 2013 war es abzusehen, dass ich bald eine barrierefreie Wohnung benötigen würde, da es immer schwieriger für mich wurde Treppen zu steigen.

Mir war klar, ich wollte nach Berlin, da mein Bruder dort lebt und auch mein Sohn. Außerdem war mir eine gute Infrastruktur wichtig. Ich weiß nicht, was alles auf mich zukommen wird, aber ich wollte auf alles vorbereitet sein. Nun ist es nicht einfach in Berlin eine bezahlbare Wohnung zu finden, und ich hatte gewisse Vorstellungen, was die Größe betrifft und die Anzahl der Zimmer, mal abgesehen davon, dass sie barrierefrei sein musste. Dazu wusste ich überhaupt nicht, wie ich es anstellen sollte vom Spessart aus eine Wohnung zu suchen. Alle Informationen die ich erhielt, machten mir nicht gerade Mut, im Gegenteil, ich wurde von Tag zu Tag ratloser und fühlte mich absolut hilflos und ausgeliefert. Ich mag es nicht, wenn ich die Kontrolle verliere. Und es fällt mir sehr schwer Hilfe anzunehmen. Ohne Hilfe würde ich es aber nicht schaffen, weder finanziell noch körperlich. Mein Bruder und mein Sohn boten mir zwar ihre Hilfe an, aber da ich nichts unternahm, hatten sie wohl das Gefühl, dass es mir mit Berlin nicht ernst war.

Ich erstarrte immer mehr und meine Verzweiflung wuchs. Ich wusste nicht weiter. Außerdem hatte ich typische Symptome einer Depression. Aus Erfahrung wusste ich, dass Psychopharmaka helfen konnte, aus der Erstarrung zu finden und handlungsfähig zu werden. Die Zeit drängte, denn ich schaffte die Treppe zu meiner Wohnung kaum noch. In Absprache mit meinem Neurologen, begann ich mit der Einnahme mit einem Antidepressivum. Und nach ein paar Wochen hellte sich meine Stimmung spürbar auf, ich war wieder hoffnungsvoll. Ich fing an, in meinen morgendlichen Einstimmungen Gott um Hilfe zu bitten und ließ dabei Schritt für Schritt von allen Vorstellungen los.

Dieses loslassen von Vorstellungen ist eine Voraussetzung dafür, dass Hilfe als solche überhaupt erkannt wird. Jedenfalls, kaum hatte ich losgelassen bot mir mein Bruder an, die Kosten eines Komplett- Umzugs zu übernehmen. Und ergab sich, dass ich ein Gespräch mit einer befreundeten Astrologin aus Berlin führte, um meine Handlungsunfähig und Mutlosigkeit astrologisch zu untersuchen und zu bearbeiten. Während des Gesprächs kamen wir auch auf meine Erkrankung und Wohnungssuche. Sie kannte eine Wohnanlage, die aus barrierefreien kleinen Wohnungen bestand, in der ältere und gehbehinderte Menschen lebten und wo öfter mal eine Wohnung frei wurde, die zudem durch Fördermittel noch bezahlbar war.

Sie hatte dort einen Verwandten untergebracht gehabt und stellte für mich einen Kontakt her. Außerdem schickte sie mir Bilder von der Wohnung. Noch vor wenigen Monaten hätte ich eine Ein-Zimmer-Wohnung weit von mir gewiesen. Doch ich hatte losgelassen und an Gott übergeben. Und so „wusste“ ich, dass ich jetzt eine Wohnung finden würde. Ich nahm Kontakt zu der Hausverwaltung auf und bekam sofort die nächste freie Wohnung angeboten. Und als diese dann frei wurde, bekam ich ohne Aufwand einen Mietvertrag. Ich hatte nur Bilder gesehen und sagte zu, da ich wusste, dass ich zu dieser Wohnung geführt worden war. Ich war voller Vertrauen. Und ich konnte die Hilfe annehmen, die von vielen Menschen kam. Mein Bruder besichtigte die Wohnung und erledigte die Wohnungsübergabe. Mein Sohn kam aus Berlin, um mit mir die Wohnung zu reinigen und zu übergeben und chauffierte mich dann nach Berlin. Am Umzugstag nahmen mein Bruder und eine liebe Freundin, das Umzugsgut in Empfang und versorgten die Helfer. Auch nach dem Umzug halfen mir mein Bruder und mein Sohn beim Auspacken, schufen Stauraum und machten Einbauten.

Als ich die Wohnung zum ersten Mal betrat, fühlte ich mich sofort wohl, trotz sich stapelnder Kisten und Chaos. Sie ist klein, aber kuschelig und hat doch Weite. Ich fühle mich reich beschenkt. Danke!

So ist es, wenn man losgelassen hat und sich führen lässt.

Den nächsten Dialog gibt es in ein paar Tagen.