Der erste Dialog

Solange du Angst hast, bist du alleine, weil du mich ausgeschlossen hast. Sobald du mir erlaubst, in dich zu schlüpfen, wirst du keine Angst mehr spüren und ungeahnte Energien entwickeln.

Der erste Dialog, 10.12.1985

Jörg machte sich – wie es seiner Gewohnheit entsprach – schriftlich an der Schreibmaschine Gedanken über unsere Situation, indem er sich selbst Fragen stellte und sie beantwortete. Von ihm selbst zunächst unbemerkt, stellte dann eine andere Instanz die Fragen, auf die er antwortete. Das war der Beginn unserer Führung durch Gott. Die Botschaft zeigt, wie unspektakulär der Dialog mit der inneren göttlichen Stimme begann. Man kann auch sehen, dass sich die Art des Ausdrucks noch nicht sehr von Jörgs Selbstgesprächen unterscheidet. Das sollte sich später ändern. Doch musste Jörg erst lernen, die Unsicherheit auszuhalten und Vertrauen in diese meistens sehr leise und vom Verstand leicht zu übertönende Stimme aufbauen.

Einige, zunächst völlig unstrukturierte Gedanken zu unserer Situation:

Ich stelle fest: Wir sind unzufrieden mit unserer derzeitigen Situation. Wir sind ängstlich und besorgt, was unsere Zukunft angeht. Wir fühlen uns wurzellos und haben irgendwie den Faden verloren. Jeder dahergelaufene Zollbeamte kann uns nicht nur aus der Fassung bringen, sondern uns sogar zutiefst verunsichern.

Wir fühlen uns hilflos und den Entwicklungen ausgeliefert, anstatt dass wir diese Entwicklungen mitgestalten. Zugleich machen wir Zukunftspläne, als könnten wir die Zukunft festnageln, während wir derzeit keinerlei Einfluss mehr auf die Bedingungen haben, von denen solche Pläne abhängen.

Unser Vertrauen in die höhere Ordnung der Dinge hat einen Riss bekommen, seit wir unseren täglichen Problemen mehr Zeit widmen als sie ihnen eigentlich zustünde, während sich die „höhere Ordnung der Dinge“ derweil am Horizont zu verlieren scheint. Unser Alltag hat sich wieder auf eine Art „Kleinkram-Management“ reduziert. Und es besteht die Gefahr, dass wir uns wieder in ähnlicher Weise selber einmauern, wie das bereits in Deutschland der Fall gewesen war.

Warum haben wir den Pflanzenhandel eigentlich begonnen?
Weil wir eine lukrative, flexible Möglichkeit gesucht haben, unter annehmbaren Bedingungen soviel Geld zu verdienen, dass wir neben der Arbeit ausreichend Zeit für unsere eigenen Bedürfnisse finden. Außerdem
schien uns der Handel mit biologischen Produkten im Allgemeinen und der mit Heilpflanzen im Besonderen recht nahe an unserem derzeitigen Bewusstseinsstand zu sein.

Haben sich die Erwartungen, die wir einmal an Frankreich geknüpft haben, bis heute in gewünschter Weise erfüllt?
Es hat zu Beginn sicherlich Zeiten gegeben, wo wir uns viel näher an den Zielen gefühlt haben, wegen deren wir von Deutschland einmal aufgebrochen sind.  Zur Zeit scheint uns der Anschluss irgendwie verloren gegangen zu sein. Anstatt voranzukommen, bauen sich überall nur neue Schwierigkeiten auf. Und vor lauter Konflikt-Management verlieren wir derzeit jegliche innere Orientierung.

Was sind das für Konflikte und Schwierigkeiten?
Der Zoll, der uns derzeit beim Wickel hat, ist ein Paradebeispiel dafür. Obwohl der Anlass mehr als nichtig ist, ist diese Behörde im Begriff, uns jegliche Existenzgrundlage in diesem Land zu zerstören. Dazu kommt, dass wir derzeit miserable Umsätze auf den Märkten machen und unsere Verpflichtungen nur durch ständiges Neuverschulden bei Freunden nachkommen können. Geldquellen wir Arbeitslosengeld oder allocation familiales oder ähnliches wollen sich uns auch nicht erschließen – und wenn wir zehnmal Anspruch darauf haben. Immer fehlt irgendetwas oder gibt es einen anderen Grund, Zahlungen hinauszuzögern, auf die wir existenziell angewiesen sind.

Ihr seid also derzeit von solchen Zahlungen abhängig?
Ja, hunderprozentig.

Und wenn diese Zahlungen ausblieben?
Dann mag der Himmel wissen, wie es weitergehen soll.

Also ihr verlasst euch darauf, dass diese Zahlungen erfolgen?
Ja, ganz fest.

Noch einmal zurück zu euren Zielen. Wie würdet ihr die heute formulieren?
Es geht uns heute vor allem darum, in dem was wir hier zur Zeit erleben überhaupt erst einmal irgend einen Sinn zu sehen. Wir erleben derzeit, dass sich, wo immer wir auch hinblicken und was immer wir auch anfangen, nur Schwierigkeiten zu erheben scheinen. Zwar stehen uns zugleich auch immer wieder Menschen zur Seite, die es gut mit uns meinen und uns helfen wollen. Aber die Schwierigkeiten macht das nicht geringer. Ohne Zweifel gibt es einen Sinn in alledem, aber wir können ihn nicht erkennen und fühlen uns ziemlich verlassen und von allem, was einem Kraft geben könnte, abgeschnitten.

Mir scheint, ihr habt das Vertrauen darin verloren, dass alles dies einen Sinn hat. Ihr glaubt nur dann an eine höhere Ordnung der Dinge, wenn alles nach Wunsch geht. Stellt man euren Glauben aber einmal auf eine Probe, dann dauert es nicht lange und ihr beginnt zu zweifeln und seht in allem keinen Sinn mehr.

Soll das heißen, dass unsere Schwierigkeiten als eine Prüfung zu verstehen sind?

Sicher. Ich verlange von euch, dass ihr euch mit derselben Hingabe jetzt diesen Problemen widmet, wie ihr es bei Dingen tut, von denen ihr meint, dass sie euch weiterbringen. Solange ihr glaubt, dass ihr eure Geschicke selber in die Hand nehmen und eure Probleme alleine lösen könnt, solange dürft ihr euch nicht wundern, wenn ihr euch „abgeschnitten“ fühlt. Weil ihr euch dann von mir entfernt habt. Wohlgemerkt, ihr habt euch von mir entfernt, nicht umgekehrt!

Solange ihr mein Wirken jedoch in allem seht, was euch widerfährt, braucht ihr keine Angst zu haben. Wenn ihr eure Schwierigkeiten loswerden wollt, wie ein Aussätziger seine Geschwüre loswerden möchte, seht ihr mein Wirken nicht. Wenn ihr nur an mich glauben könnt, solange es euch gut geht und genügend Geld in eurer Kasse ist, habt ihr niemals wirklich an mich geglaubt.
Erst wenn ihr bereit seid in ALLEM mein Wirken zu sehen, werden sich eure Schwierigkeiten lösen. Ganz von selbst und ohne euer Zutun.

Ich versehe das jetzt nicht mehr. Einerseits solle wir uns mit Hingabe unseren Schwierigkeiten widmen und andererseits sollen sie sich ganz von selbst auflösen, ohne unser Zutun. Das ist doch ein Widerspruch. Ich weiß zur Zeit nicht einmal mehr, was ich überhaupt tun soll. Ich weiß nicht, wie das vor sich geht, in allem dein Wirken zu sehen. Was bedeutet das praktisch? Und wenn ich mich „mit Hingabe meinen Problemen widme“, habe ich sie dann nicht selber in die Hand genommen?

Du sollst dich mit Hingabe deinen Schwierigkeiten widmen, weil du nicht von mir erwarten darfst, dass ich sie für dich löse. Sobald du aber mein Wirken in allem siehst, brauchst du keine Angst mehr zu haben, das ist der große Unterschied. Solange du Angst hast, bist du alleine, weil du mich ausgeschlossen hast. Sobald du mir erlaubst, in dich zu schlüpfen, wirst du keine Angst mehr spüren und ungeahnte Energien entwickeln.

Ich stimme mich ja nun jede Morgen ein und bitte um Kraft, Geduld und Vertrauen für den neuen Tag. Ich habe mich also doch gar nicht von dir entfernt, sondern schließe dich jeden Morgen in meinen Tag mit ein, oder nicht?

Du weißt sehr gut, dass das so nicht stimmt, wie du es jetzt darstellst. Gewiss, du betest zu mir, aber dein Herz ist nicht dabei. Du sprichst die Worte, sprichst sie sogar jetzt laut aus, aber doch nur, um deine innere Unruhe zu übertönen. Du nimmst dir nicht wirklich Zeit für mich, sondern spulst ein Gebet ab. Auf diese Weise wirst du niemals mit mir zusammenkommen können. Du sprichst nicht wirklich mit mir und dementsprechend kann ich dich nicht hören.

Was muss ich tun, damit du mich hörst?
Mit mir reden, ganz einfach.

Und wenn ich doch offensichtlich nicht weiß, wie man das macht?

Du weißt sehr gut, was ich meine. Du bist im Grunde deines Herzens der Meinung, dass du es auch ohne mich schaffen kannst, das ist dein Problem. Deshalb sprichst du nicht wirklich mit mir, du plapperst nur etwas daher, während dein Geist sich bereits alleine auf die Suche nach Lösungen begeben hat. Du bist, während du das tust, was du beten nennst, nicht wirklich bei mir.

Jede alte Frau, die in der Kirch ihren Rosenkranz herunterbetet, ist mehr bei mir als du es je gewesen bist. Weil diese alte Frau zumindest bei der Sache ist und an mich glaubt. Du bist so stolz, dass du nicht einmal bereit wärst, dich hinzuknien, du hast das selber gesagt, erinnerst du dich? Du bist so stolz, dass in dir nichts anderes mehr Platz hat als dein Stolz. Aber wohlgemerkt, ich will ihn nicht brechen, deinen Stolz. So etwas ist nicht meine Art. Behalte ihn, wenn du glaubst, besser mit ihm zurechtkommen zu können als mit mir. Nur wundere dich dann nicht, wenn es dir schlecht geht. Ich habe euch diese Schwierigkeiten nicht geschickt, um euren Stolz zu brechen. So dürft ihr es nicht sehen. Ihr selber habt euch diese Schwierigkeiten geschaffen, weil ihr immer wieder glaubt, auf eigene Faust handeln zu können, ohne mich. Aber das könnt ihr nicht.

Ich interessiere mich für euch, weil ich merke, dass ihr euch für mich interessiert. Aber ihr müsst zu mir kommen, nicht umgekehrt. Ich bin zwar da, wenn ihr mich wirklich ruft, aber dann seid ihr bereit zu mir gekommen. Bis heute ist das nur sehr selten der Fall gewesen, aber ich habe unendlich viel Zeit und bin bereit auf euch zu warten. Nur vergesst nicht: Ihr müsst kommen.

Ich will doch so gerne kommen, aber ich weiß nicht, wie ich das tun soll?

Ich weiß, dass du gerne kommen würdest, aber du hast noch zuviel Stolz in dir. Du empörst dich gegen dein Schicksal, von dem du meinst, dass es ungerecht sei. Und solange du das tust, wirst du den Weg zu mir niemals finden. Niemals!

Wohlgemerkt, ich sage es nochmals: Ich habe euch diese Schwierigkeiten nicht etwa „gesandt“, und schon gar nicht, um euren Stolz zu brechen. Dergleichen interessieren mich nicht. Aber wenn diese Schwierigkeiten dazu beitragen, dass euer lächerlicher Stolz in sich zusammenbricht, dann haben sie ihren Zweck sehr wohl erfüllt. Dann ist das ein Teil eures Weges zu mir gewesen, und ihr solltet froh und dankbar für diese Chance sein.

Ihr schafft euch eure Welt ganz allein, dazu braucht ihr mich nicht. Und wenn Schwierigkeiten euren Weg kreuzen, dann habt ihr sie euch selber geschaffen, eben weil ihr sie gebraucht habt, wie ein Kind manchmal eine Ohrfeige braucht, die es sich selber eingehandelt hat. Lasst den Dingen ihren Lauf und beobachtet, wie es euch damit ergeht.

Tut, was ihr für nötig haltet, aber macht mir keinen Vorwurf daraus, wenn es euch dabei schlecht ergeht. Ich werte euer Handeln nicht, sondern ich warte ab, bis ihr bereit seid. Ich bin da, wenn ihr mich braucht, immer, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Tut, was ihr für nötig haltet, aber vergesst nicht, dass ohne mich kein Segen auf dem ruhen kann, was ihr tut. Solange ihr mich nicht an die erste Stelle setzt, wird es keinen wirklichen Frieden für euch geben.

Wenn ich das so höre, macht mir das Angst. Es klingt so, als ob wir erst zusammenbrechen müssen, um zu dir finden zu können.

Wenn ihr zusammenbrechen solltet, dann habt ihr euch das selber zuzuschreiben. Und wenn du Angst hast, zeigt das schon wieder, dass du mir nicht vertrauen willst. Ich sage nur: Geht euren Weg, aber versucht nicht, ihn ohne mich zu gehen. Ohne mich seid ihr auf eurem Weg verloren. Ihr werdet euch wieder und wieder verirren – bis ihr zu mir gefunden haben werdet. Und ich werde da sein.

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