Dialog 111

Ich dagegen garantiere dir, dass du sicher und auf meinen Händen getragen zu Boden gleiten wirst, wenn du dein Vertrauen in mich setzt. Wie kannst du denn bloß angesichts einer solchen Alternative noch zögern?

Dialog 111, 06.04.1986

Monika hat mir vorgeworfen, dass ich nicht vollständig hinter unserer Sache stehe und mein Wollen eher vom Kopf kommt, und dass ich, wenn es ernst wird, eher dagegen arbeite und Entwicklungen behindere. Das hat mich sehr betroffen. Ich fühle, dass der Vorwurf irgendwo stimmt, aber zugleich auch wieder nicht. Ich weiß sicher nur soviel: Ich komme immer wieder an Grenzen, über die ich mir nicht wegzuhelfen weißt. Und auch das ist nicht immer so. Jetzt muss ich auch noch einmal die Frage stellen, die schon einmal gestellt
worden ist: Wie lernt man wollen? Ich will doch die Entwicklungen nicht blockieren, das wäre ja Selbstmord. Aber im Moment fühle ich mich wirklich, als hätte man mir ein Nervengift verpasst, das mich lähmt. Wie kann ich da raus? Was muss ich tun?

Als allererstes musst du dir einmal vollständig über den Ernst der Lage bewusst werden. Es geht hier nicht um ein Spiel, bei dem man am Ende die Spielsteine zusammenpackt und wieder zur Tagesordnung übergeht. Hier werden Lebensentscheidungen getroffen, hier spielst du mit vollem Einsatz. Ich habe dir immer wieder gesagt,was die Grundlage allen Handelns sein muss: Vertrauen in mich!

Die Entwicklungen zu behindern wäre Selbstmord, sagst du? Das ist gar nicht so verkehrt, denn wenn du in dem Käfig bleibst, in den man dich als Kind eingesperrt hat, wirst du darin zugrunde gehen. Man hat dir als Kind immer wieder deine Grenzen gezeigt, hat dich aufgefordert diese Grenzen anzuerkennen und dir Mauern gezeigt, wo man dir die Freiheit hätte zeigen können. Es entspricht aber nicht deiner Natur, in Grenzen zu leben, und wie du weißt, hast du dich schon mehr als einmal mühelos über diese Mauern hinweg geschwungen und erlebt, wie wunderbar und unbeschwert es sich in der Freiheit lebt. Am Ende bist du aber immer wieder freiwillig zurückgekehrt.

Jetzt hast du mich. Ich habe dir die Tür deines Käfigs aufgestoßen und du sollst hinaustreten. Ein für allemal. Und nie wieder zurückkehren. Wenn du es aber jetzt nicht tust, ist unklar, ob sich jemals eine zweite Möglichkeit dieser Art bieten wird, denn ich werde nicht mehr bei dir sein, wenn du dich zum Bleiben entschließen solltest. Dann bist du alleine. Und das wird dich kurz über lang umbringen, auf die eine oder andere Weise. Mach dir das einmal ganz klar!

Auch Monika wird nicht bei dir bleiben können! Wenn sie dich vielleicht auch nicht verlässt, wirst du sie nach und nach doch verlieren. Ich habe euch mehrfach gesagt, dass ihr eine Einheit geworden seid. Von dieser Einheit ist sie der lebensfähigere Teil. Ohne sie gehst du zugrunde! Mit ihr aber seid ihr gemeinsam zu unglaublichen Leistungen fähig – wenn du dich nur erst einmal entschlossen hast.

Du hast viele gute Absichtserklärungen abgegeben. Sie sie dir öfters einmal an. Sie sind wichtig! Sie sind das Lebenselixier, denn nur wenn du sie auch befolgst, kannst du weiterleben. Jetzt stehst du an einem Wendepunkt oder doch mindestens kurz davor. Von deiner Entscheidung jetzt hängt viel für dich ab, praktisch alles! Du hast gesagt, du würdest springen, wenn es soweit ist. Das ist gut und wichtig, sowohl, dass du es gesagt hast, wie auch, dass du es tust. Mach dir aber klar: Wenn du nur mit dem Mut der Verzweiflung springst, also ohne Glauben an mich, dann kannst du dabei tatsächlich abstürzen. 

Ich dagegen garantiere dir, dass du sicher und auf meinen Händen getragen zu Boden gleiten wirst, wenn du dein Vertrauen in mich setzt. Wie kannst du denn bloß angesichts einer solchen Alternative noch zögern?

Ich will ja nicht zögern und ich behindere mich ja nicht freiwillig und schon gar nicht bewusst. Aber da ist etwas, das ich nicht greifen kann, das sich auf mich legt. Was soll ich denn nur tun? Das Äußerste, was ich bisher anbieten konnte, war die Versicherung, dass ich springen werde. Jetzt sagst du mir auch noch, dass nicht einmal da ausreichen muss, ja, dass ich sogar abstürzen könnte. Ich bin einfach ratlos.

Ich habe auch nicht gesagt, dass du in jedem Falle abstürzen würdest. Der Sprung alleine ist schon eine wichtige Voraussetzung dafür, frei zu sein. Und spätestens, wenn du in der Luft bist, wirst du endgültig nach meiner Hand suchen. Und ich werde sie dir reichen. Besser für dich wäre es aber, wenn du die innere Entscheidung vor dem Absprung getroffen hast. Dann bleibt dir nämlich die Angst erspart, die du sonst hättest, und um die ich dich nicht beneide.

Wie man diese innere Entscheidung trifft? Dafür gibt es keine Anweisungen. Sie kommt von selber. Sie ist ein Umschalten all deiner Werte, all deines Denkens. Sie ist eine vollständige Wende und legt dein Boot auf neuen Kurs. Sie gibt dir Antwort auf alle Fragen, die dir jetzt ungelöst und unlösbar erscheinen. Aber sie muss aus dir heraus kommen.

Ich habe dich in eine Situation geführt, von der aus es kein Zurück mehr gibt. Du hast die Wahl zu leben oder mehr oder weniger schnell zugrunde zu gehen. Das hörst sich vielleicht sehr dramatisch an, aber es entspricht haargenau deiner Situation. Frankreich ist für dich mehr als nur ein Abenteuer, es ist eine Lebensentscheidung, eine Entscheidung für das Leben oder dagegen. Lass diese Worte in dir arbeiten.

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