Dialog 119

Das Einzige was ich nicht garantieren kann ist, dass auch immer alles so kommen wird, wie ihr euch das für die Zukunft ausgemalt habt. Ich sagte euch ja schon: Die Zukunft endet im Prinzip morgen. 

Dialog 119, 13.04.1986

Wir sehen finanzielle Schwierigkeiten auf uns zukommen. Was sollen wir tun?

Erinnere dich daran, dass ihr schon einmal Schulden in fast dieser Höhe hattet und damals war noch keine Rede von Allocation Familiale oder gar von Arbeitslosengeld gewesen. Der einzige Unterschied war, dass diese Schulden im Wesentlichen privater Natur waren, also nicht derselbe Druck dahinter stand wie jetzt. Dafür seid ihr aber jetzt auch wesentlich etablierter, habt einen Marktstand, der gut vorbereitet auf das Sommergeschäft zugeht, habt einen Verein, aus dem ihr etwas machen könnt, und ihr habt letzten Endes auch mich. Verglichen damit seid ihr im letzten Herbst schlechter vorbereitet auf diesen Schuldenberg losgegangen. Was macht dir jetzt bloß solche Sorgen?

Das würde ich selber gerne wissen. Ich glaube, es sind die unzähligen schwebenden Ballons, die derzeit in der Luft sind und von denen sich einfach keiner richtig greifen lässt. Wir rechnen fest mit dem Haus – aber der Besitzer weiß noch nicht einmal etwas von seinem Glück. Wir rechnen fest mit dem Kredit – und nichts ist entschieden. Wir rechnen mit dem Verein – und wenig rührt sich bis heute. Wir rechnen mit dem Markt – und der döst auch noch vor sich hin. Und wenn er erwacht, wer kann sagen, was er tatsächlich bringen wird?

Ihr bestimmt nicht. Aber, dass ihr fest mit alldem rechnet ist schon eine sehr wichtige Voraussetzung. Nämlich dafür, diese Dinge auch am Ende zu bekommen! Und außerdem: Was  heißt „unzählige“ schwebende Ballons“? Ich habe eben vier gezählt. Das ist doch recht überschaubar?!

Ich muss wohl wieder einmal einen alten Grundsatz wiederholen, den ich früher lange zum Gegenstand meines Unterrichtes gemacht habe:

DENKE NUR AN DAS HEUTE UND NICHT WEITER ALS BIS AN DAS MORGEN, ALLES WAS DARÜBER HINAUSGEHT IST REINE SPEKULATION.

Wenn ihr heute nur noch 300 F habt – nun dann habt ihr eben nicht mehr. Wie viel ihr morgen haben werdet, wisst ihr nicht. Bis heute jedenfalls habt ihr immer alles erhalten, was ihr gebraucht habt und in der Regel mehr als ihr zu erhoffen hattet. Denk einmal zurück. Und solange das Vertrauen darin bestehen bleibt, wird sich daran auch nichts ändern.

Das Einzige was ich nicht garantieren kann ist, dass auch immer alles so kommen wird, wie ihr euch das für die Zukunft ausgemalt habt. Ich sagte euch ja schon: Die Zukunft endet im Prinzip morgen. Ihr macht einen Fehler, wenn ihr jetzt zum Beispiel schon Kalkulationen für euer Leben in dem neuen Haus (also in einigen Monaten!) anstellt. Ihr wisst doch nicht einmal, ob ihr das Haus auch bekommen werdet. (Das lege mir bitte keiner in irgendeiner Weise aus. Ich will euch nur auf die Tatsachen von heute und morgen hinweisen).

Es ist völlig unnötig, mich jetzt schon um Managementhilfe für die Zukunft anzusuchen. Erstens wisst ihr nicht, ob ihr diese Hilfe überhaupt nötig hättet und zweitens kann doch alles ganz anders kommen. (Auch hier gibt es jetzt nichts zu interpretieren!) Also, kein Grund zur Sorge!

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