Dialog 120

Es gibt viele Wege mir zu dienen und meinen Weg zu gehen. Wenn dir aber die Dinge über den Kopf wachsen, willst du nur noch die anerkennen, die dir gefallen und von denen du dir mehr versprichst als von denen, die ich dir anbiete. 

Dialog 120, 15.04.1986

Deine Worte haben mir gestern doch irgendwie einen inneren Ruck gegeben. Ich merke jetzt, dass ich mich kürzlich wohl zum Sprung entschlossen hatte, aber es hatte mich nicht befreit, sondern ich bin anschließend erst recht ins Grübeln geraten. Seit gestern ist mir irgendwie klarer geworden, dass fürs Grübeln die Zeit nicht ist, weil die Entwicklungen voranschreiten. Und wenn ich sie nicht mitsteuere gehen sie eben ihren eigenen Weg.

Bravo! So gefällst du mir. Du musst in allem was du tust „ganz“ sein. Ein bisschen genügt nie. Das gilt für den Markt wie für den Verein, wie für alles andere, was du tust. Wenn du auf dem Markt nur halb anwesend bist, geht auch mindestens die Hälfte der möglichen Kunden an dir vorbei.

Monika:
Heute Nachmittag war ich wieder einmal sehr verzweifelt und fühlte mich von dir irgendwie alleine gelassen. Mein Sohn geht einfach über meine Kräfte. Ich bin diesem Kind und der Einsamkeit hier ausgeliefert, es gibt kein Entrinnen. Nicht mal richtig einstimmen kann ich mich morgens. Ich fühle mich auch von dir entfernt und heute abgeschnitten. Womit habe ich diesen schweren Weg verdient?

Es ist nicht die Frage, womit du dir diesen schweren Weg verdient hast. Die Wege, auf denen ich dich führe, sind keine Strafe, sondern es sind Möglichkeiten und sie stecken voller Chancen. Du aber bist unter anderem auch sehr ehrgeizig und hast genaue Vorstellungen von den Dingen, die DU verwirklichen möchtest, auch wenn sie ohne Zusammenhang sind und höchstens Versuche darstellen, sich einmal mehr in diese und dann wieder mehr in jene Richtung voranzutasten. Dabei ist dir jetzt das Kind im Weg, außerdem das Land und sein Sprache und möglicherweise auch dein Mann.

Es gibt für dich grundsätzlich zwei Möglichkeiten und ich biete sie dir WIRKLICH an. Du kannst wählen: Geh entweder diesen Weg weiter oder entscheide dich für einen anderen, für deinen eigenen. Wenn das Gefühl, dein Leben derzeit zu vergeuden und deine Kräfte sinnlos zu verschleißen, stärker ist und du deinen Alltag nicht mehr glaubst bewältigen zu können, dann hast du die Freiheit einen anderen Weg zu gehen. Du bist stark genug, die Schwierigkeiten, die damit zusammenhängen alleine zu bewältigen. Und es könnte ein sehr interessanter Weg für dich sein, denn du bist ja nicht in dieses Leben geboren worden, um „Les temps nouveaux“ zu leiten.

Der andere Weg sieht im Moment trüber aus, und er lautet: Weitergehen und nicht zu wissen, wie und ob es jemals besser werden wird. Du musst dir aber auch vor Augen halten: Derzeit stehst du in einer realen Situation, während deine Vorstellungen davon, was du alles machen KÖNNTEST, eben Vorstellungen sind. Ich kann dir nicht versprechen, dass „Les temps nouveaux“ sobald deine Erfüllung wein wird, ich verspreche dir jetzt überhaupt nichts, aber es ist eine reale Chance.

Trotzdem gibt es noch viele andere Chancen und ich stelle dir diese Möglichkeiten WIRKLICH zur Verfügung. Du hast es immer wieder bedauert, zu frühzeitig deinen eigenen Weg verlassen zu haben. Bitte, noch ist es nicht zu spät, und die Tür ist noch lange nicht zugefallen. Du hast noch immer die Freiheit, deinen Weg zu gehen und die Möglichkeiten zu suchen, von denen du mehr glaubst, dass es die deinen sind. Du würdest dich von deinem Mann trennen müssen und auch von deinem Kind, aber selbst das ist nicht unmöglich.

Was deine Situation zur Zeit für dich so besonders unerträglich macht, ist sicherlich vor allem das Gefühl, hoffnungslos verfangen zu sein in deiner Situation. Du sagst, „es gibt kein Entrinnen“. Deshalb sage ich dir: Das gibt es sehr wohl und du kannst durch das offene Tor schreiten und bist frei deine Wege zu gehen. Wenn ich sage, dass andere Wege nicht die sind, die ich für dich vorgesehen hatte, dann muss das kein Hinderungsgrund für dich sein. Letzten Endes kommt es darauf an, dass du aus deinem Leben etwas machst. Und wenn du glaubst, auf diesem jetzigen Weg nicht weiter zu kommen, dann musst du gehen. Dann verlöscht das kleine Licht in der Bretagne wieder, aber vielleicht bringst du irgendwo ein neues zum Leuchten.

Monika:
Es gibt im Englischen eine Redewendung, die das, was ich jetzt empfinde, gut ausdrückt: „Thank you for nothing“. Du weißt sehr gut, dass ich mich schon vor einem Jahr dafür entschieden habe, Deinen Weg zu gehen, und dass ich keine Sekunde ernsthaft erwogen habe, diesen Weg zu verlassen. Warum bist du so zynisch? Darf ich nicht verzweifeln? Weißt du nicht, wie leer und verzweifelt ich bin? Hörst du meine Gebete nicht? Warum hilfst du mir nicht, wieder zu Kräften zu kommen? Weshalb bin ich ehrgeizig, wenn ich mit meinem Sohn nicht zurechtkomme?

Es stimmt, es ist ein altes Problem von mir, das Gefühl zu kurz zu kommen. Im Moment ist das ja auch so. Es stimmt auch, dass mein Sohn mich stört, denn er lässt mir keinen Augenblick Ruhe, auch nur einen zusammenhängenden Gedanken zu denken. Was mich verzweifelt macht ist, dass ich keine Inspirationen und Energien mehr für „Les temps nouveaux“ habe. In dieser Hinsicht bin ich ehrgeizig, das stimmt. Mein Sohn IST ein Problem. Meine Situation IST schwierig. Ich gehe DEINEN Weg, doch etwas ist in mir verwundet. Warum tust du mir so weh?

Meine Antwort ist nicht zynisch, aber sie ist hart. Sie muss es sein, denn du bittest mich immer und immer wieder um Hilfe für etwas, wo ich dir nicht helfen kann, wenn du es nicht selber vermagst. Dein Sohn ist ein Problem, aber es ist DEINE Sache, jetzt mit diesem Problem zu leben. Es ist auch Jörgs Sache, aber im Augenblick geht es um dich. Auch deine Isolation in diesem fremden Land ist so, wie sie ist, richtig so. Ich kann dir da nicht heraus helfen, weil es DEINE Sache ist, hierbei deinen Weg zu finden. Warum willst du das nicht verstehen?

Trotzdem sage ich dir noch einmal, und es ist nicht zynisch: Wenn du glaubst, die Belastung nicht ertragen zu können, musst du diesen Weg nicht bis zum Ende gehen. Und einen anderen Weg zu wählen, heißt durchaus nicht, von mir abgeschnitten zu sein. Meine Antwort ist hart, weil du, anstatt die Belastungen auf dich zu nehmen und dennoch das Vertrauen in mir nicht zu verlieren, nach Auswegen suchst, wie du dein Bündel möglichst schnell abwerfen könntest. Und das tust du immer und immer wieder.

Es gibt viele Wege mir zu dienen und meinen Weg zu gehen. Wenn dir aber die Dinge über den Kopf wachsen, willst du nur noch die anerkennen, die dir gefallen und von denen du dir mehr versprichst als von denen, die ich dir anbiete.

© Monika Laube. Du darfst diesen Artikel zum persönlichen Gebrauch unverändert kopieren und weitergeben, vorausgesetzt dieser Copyright Hinweis steht am Ende des Dokumentes.  Für eine gewerbliche Nutzung nimm bitte Kontakt mit mir auf.

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