Dialog 133

Schon das unbeirrbare Einhalten eines einzigen ganz bestimmten,sagen wir einmal „Rituals“, schafft eine erste Struktur, um die herum sich Stabilität zu kristallisieren beginnt, so dass schon bald eine zweiter Fixpunkt dieser Art geschaffen werden kann und so weiter. Wichtig ist, dass an EINER Sache wirklich unbeirrbar festgehalten wird, damit EINMAL ein Anfang gesetzt wird. Dann kommt „der Rest“ fast von alleine nach. 

Dialog 133, 09.05.1986

Wir geraten immer gleich völlig aus der Bahn, wenn ein Besuch da ist: Dinge, die getan werden müssten, bleiben oft noch länger liegen als sonst schon. Und anstatt dass der Besuch an UNSEREM Leben teilnimmt, was das Natürliche wäre, richten wir unser Leben sofort nach dem Besuch aus. Was machen wir da falsch? Was können wir tun, um das zu ändern?

Eine sehr wichtige Frage, aber eine erschöpfende Antwort kann ich euch darauf leider nicht geben. Denn diese Dinge müssen gelebt werden. Man kann sie nicht einfach beschließen. Es muss in kleinen Schritten angegangen werden. Man verwechselt oft den inneren mit dem äußeren Rahmen. Beides kann den Alltag, insbesondere den einer Gemeinschaft, zwar gliedern, aber der äußere Rahmen ist dennoch immer nur das Abbild des inneren. Ein äußerer Rahmen kann relativ leicht geschaffen werden, doch wie wenig Bestand er hat, habt ihr ja selber schon oft genug erfahren. Solange kein innerer Rahmen dahinter steht, der ihm die Stütze gibt, hat diese Bemühung wenig Bestand. Dennoch – und das kling vielleicht paradox – kann auch der innere Rahmen aus dem äußeren heraus geschaffen werden.

Schon das unbeirrbare Einhalten eines einzigen ganz bestimmten,sagen wir einmal „Rituals“, schafft eine erste Struktur, um die herum sich Stabilität zu kristallisieren beginnt, so dass schon bald eine zweiter Fixpunkt dieser Art geschaffen werden kann und so weiter. Wichtig ist, dass an EINER Sache wirklich unbeirrbar festgehalten wird, damit EINMAL ein Anfang gesetzt wird. Dann kommt „der Rest“ fast von alleine nach. Natürlich, das ist Voraussetzung, muss die innere Haltung, oder wie ihr es gelegentlich nennt: die gemeinsame geistige Basis, vorhanden sein. Ohne diese wird jegliches Handeln sonst ohne Bedeutung sein.

Betrachtet jetzt einmal euren Tagesablauf, ob eine Handlung (es können auch mehrere sein, aber dabei besteht die Gefahr, dass ihr euch überfordert) sich nicht dazu eignet, als unbeirrbares regelmäßiges Ritual alle künftigen Tagesabläufe zu bestimmen. Natürlich darf es sich dabei nicht um eine Lappalie handeln, sondern es muss der ernsthafte Wunsch dahinter stehen, an dieser einen Sache zu wachsen. Abwaschen an sich ist zum Beispiel eine Lappalie. Aber sich den Vorsatz zu machen, unter allen Umständen nach jeder Mahlzeit die Küche sauber zu machen, das ist schon keine Lappalie mehr und eine interessante Übungsaufgabe, an der Stabilität gelernt werden kann.

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