Dialog 154

Du lebst dein freies Leben und hast eine Chance vor dir. Es ist deine Sache, wie du mit dieser Chance umgehst. Leid wird dir nicht erspart bleiben, denn eben darin liegt deine Prüfung. Aber zugleich winkt dir als Lohn auch das Licht! Ein wahrhaftiges Ziel, das du erreichen sollst und – eines Tages erreichen wirst. 

Dialog 154, 04. 07.1986

Monika:
Du hast gestern gesagt, ich müsse lernen auch bei meinen Meditationen eine Entscheidung zu treffe und danach zu handeln, ich dürfe nicht nur passiv sein. Das verstehe ich nicht. Ich habe nicht das Gefühl passiv zu sein, ganz im Gegenteil. Ich verstehe auch nicht, warum ich mich bei den Meditationen, wie du sagst, regelmäßig verausgabe. Wie ist es möglich, dass etwas , das durch mich hindurch fließt – also nicht von mir kommt – mich derart erschöpfen kann?

Dein Problem ist eben, dass durchaus nicht immer alles nur durch dich hindurch fließt, sondern dass du wertest und filterst. Nicht bewusst natürlich, aber du tust es. Es gibt Dinge, die durch dich hindurch fließen, die dir Schwierigkeiten bereiten, während andere auf keine Hindernisse stoßen. Das ist es, was dich anstrengt, wobei du dich verausgabst. Und das meine ich,wenn ich sage, du musst lernen, auch in deinen Meditationen Entscheidungen zu treffen. Es geht dabei natürlich nicht um Entscheidungen der bewussten Art, sondern um das innere Wissen darum, was richtig ist.

Der Kanal muss frei sein, damit die Energien fließen können, und der deine ist es noch nicht immer. Er ist zuweilen verstopft. Das
ist, wenn du ängstlich oder mutlos bist. Oder es ist, WEIL du ängstlich oder mutlos bist. Dann kann die Energie nicht frei fließen. Dann gibt es Stauungen, nicht unähnlich einer Thrombose in der Blutbahn. Das schafft Spannungszustände – und manchmal auch Schmerzen.

Dein innere Entscheidung ist noch nicht wirklich endgültig gefallen. Sag nicht: „Ja, was soll ich denn noch tun?“ Es ist so, wie ich sage. Und indem du leidest, tust du was nötig ist. Ich mache dir keine Vorwürfe. Du bist von großer Reife und eine meiner fortgeschrittensten „Schülerinnen“, aber lernen musst du deshalb noch immer. Noch lange, noch sehr, sehr lange. Es gibt noch vieles, was auf dich wartet. Aber ich bin froh, dass du meinen Weg gefunden hast.

Jörg:
Mein Problem ist, dass ich zur Zeit oft sehr mutlos bin, fast depressiv. Ich will das gar nicht im Einzelnen aufbröseln, weil wir über diese Einzelheiten schon oft gesprochen haben. Im Moment sind es auch weniger diese Einzelheiten selber, als die Summe aller Einzelheiten. Das Gefühl, nicht „durchzukommen“, einfach „steckenzubleiben“, zu versagen oder was weiß ich. Heute war ich streckenweise soweit unten gewesen, dass ich allen Ernstes an Sebastians Freitod gedacht habe und so weiter. Und heute war es wirklich vor allem mein Sohn gewesen, der mich mehr als einmal von solchen trüben Gedanken abgebracht hat. Der Junge muss einen wahnsinnig feinen Instinkt für so etwas haben. Ich glaube, er hat sich ehrlich Sorgen um mich gemacht. Ich habe etwas Angst, dir das zu sagen, weil ich befürchte, jetzt irgendwie angeschnauzt zu werden, von wegen ich würde mich interessant machen und so. Aber du weißt, dass das heute nicht so war.

Natürlich, ich weiß es, und ich werde dich bestimmt nicht anschnauzen. Das sind gefährliche Stimmungen. Noch sind es Stimmungen und weil es nicht viel mehr ist, werden sie vorüber ziehen wie eine Wolkenwand. Aber etwas davon bleibt zurück. Ein Schatten bleibt und er lässt sich nur schwer wieder vertreiben. Das ist das wirklich Gefährliche an diesen „Stimmungen“, die oft erste Wegbereiter sind und die deshalb sehr ernst genommen werden müssen.

Du fällst zur Zeit. Du fällst tief und ich sage dir voraus, dass du noch tiefer fallen wirst. Du lebst dein Leben, aber es ist eines der „Produkte“ meiner Führung, dass du anfängst wirklich dein Leben zu leben. Und zu deinem Leben gehört auch der Sturz ins Bodenlose. Du musst durch die Abgründe zum Nichts tauchen und die schwärzeste Dunkelheit kennen lernen, um zum Licht zu gelangen. Das ist dein Schicksal.

Warum sage ich dir das? Natürlich nicht, um dir Angst zu machen, sondern – weil du es ja selber weißt. Soweit entwickelt bist du, dass dir diese Zusammenhänge im Innersten klar sind. Ja, Jörg, dein Leben wird mehr als einmal eine Schleife nehmen und eine Richtung einschlagen , auf der dir Monika nicht nachfolgen kann – wo sie dich auch nicht beschützen kann, weil ihre Worte dich nur sehr schwach erreichen. Du gehst dunkle Pfade von Zeit zu Zeit, musst sie gehen und du musst sie alleine gehen. Sie hinter dich zu bringen und dann zum Licht zu gelangen, das wird  DEINE Bewährungsprobe in diesem Leben sein. Schaffst du es nicht, wirst du fallen.

Du selber weißt all diese Dinge und auch das ist es eben, was dich mutlos macht. Du fragst dich, ob du es jemals schaffen wirst. Ich sage dir: Das sind Fragen, auf die nicht einmal ich eine Antwort geben kann. Du lebst dein freies Leben und hast eine Chance vor dir. Es ist deine Sache, wie du mit dieser Chance umgehst. Leid wird dir nicht erspart bleiben, denn eben darin liegt deine Prüfung. Aber zugleich winkt dir als Lohn auch das Licht! Ein wahrhaftiges Ziel, das du erreichen sollst und – eines Tages erreichen wirst. Nein, Jörg, ich werde dich nicht anschnauzen. Du bist wieder einmal eingetaucht – und das muss so sein. Lebe auch diesen Schmerz und versuche nicht, ihn loszuwerden wie Kopfschmerzen. Je mehr und ehrlicher du ihn lebst, um so größer wird der Gewinn sein, den du daraus ziehst.

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