Dialog 166

Ich möchte, dass ihr selber erst einmal mehr Klarheit in euer Innerstes bringt, was diesen Norden betrifft. Denn damals, als ihr zum ersten Mal dort wart, ist etwas angerührt worden, und gestern ist das wieder geschehen.

Dialog 166, 28.07.08

Monika:
In deinem letzten Text kommen die Begriffe Geist und Wille vor. In Assagiolis Psychosynthese gibt es einen persönlichen und einen höheren Willen. Ist der höhere Wille gleicht Geist? Weiterhin sagt Assagioli man könne den persönlichen Willen dem höheren unterordnen, so dass man ganz vom höheren Willen geleitet werden kann.

Im Prinzip ist wohl dasselbe gemeint, obwohl keine Mensch genaue Worte dafür finden kann, was ich mit Geist bezeichne. Dieser Begriff entzieht sich eurem Vorstellungsvermögen. Den persönlichen Willen dem höheren unterzuordnen ist etwas das, was ich meinte, als ich sagte, ihr müsst den Geist überall dort einfließen lassen, wo euer Wille eine Bresche in Gewohnheiten und alte Ängste geschlagen hat. Hat der Geist erst einmal den Boden durchdrungen, der so geöffnet worden ist, ist er so leicht nicht wieder zu vertreiben – und ihr wachst und wachst mit jedem einzelnen Schritt.

Monika:
Wir haben gestern einen schönen Ausflug gemacht, quer durch die Bretagne an die Nordküste. Damals in unseren ersten Tagen in der Bretagne haben wir bei Regen dort oben zum ersten Mal am Meer gestanden. Es war nicht einmal eine besonders schöne Ecke. Aber wir fühlten uns sehr heimisch dort. Als wir am nächsten Tag aus Angst beschlossen, doch in den Süden zu E.’s Haus zu fahren, da hatte ich sehr deutlich das Gefühl, dass wir einen Fehler begehen, doch die Angst war stärker.

Hier im Süden der Bretagne gefällt es mir zwar auch sehr gut, doch dieses Gefühl von damals hat sich hier nicht in dieser Intensität eingestellt. Waren wir damals schon an einem für uns richtigen Platz gewesen? Heute kommt es mir vor, als war die Fahrt in den Süden der verhängnisvolle Schritt ins Dunkel. Hätten wir uns mutig dort oben anheim gestellt – wärst du dann schon früher mit uns in Kontakt getreten? Bitte verstehe mich nicht falsch. Der Umweg war wohl nötig. Ich möchte nur wissen, ob meine Wahrnehmungen stimmen. Ich habe gestern sehr bedauert, dass wir nicht dort oben geblieben sind. Das Meer hat dort etwas, das ich nicht beschreiben kann, aber es löst eine große Sehnsucht in mir aus.

Der Weg in den Süden war nicht nur nötig, sondern auch wichtig gewesen, denn anders hättet ihr es gar nicht geschafft. Hier im Süden, wo ihr jetzt seid, war euer Platz vorbereitet gewesen und hier habt ihr immerhin auch zu mir gefunden. Ein Umweg war es also keineswegs gewesen, sondern eben euer Weg.

Ich habe nicht vorgesehen, dass ihr in den Norden ziehen müsst. Es ist aber ohne weiteres denkbar, dass ich es noch tue, denn wenn ihr selber eine starke seelische Verwandtschaft dort wahrnehmt, dann wäre das euren Aufgaben natürlich eher förderlicher. Sollte es an der Zeit sein, den Schritt in den Norden zu gehen, werde ich euch dazu natürlich unmissverständlich auffordern.

Derzeit ist das noch nicht der Fall. Ich möchte, dass ihr selber erst einmal mehr Klarheit in euer Innerstes bringt, was diesen Norden betrifft. Denn damals, als ihr zum ersten Mal dort wart, ist etwas angerührt worden, und gestern ist das wieder geschehen.
Doch ihr selber müsst deutlich wissen, was da angerührt worden ist. Fahrt also noch einmal hin und lasst die Landschaft auf euch wirken.

 

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