Dialog 181

dialogbild1Du siehst einen Menschen „ganz“ und was du siehst, kann dich manchmal erschrecken. Im Laufe der Zeit wirst du dieses Sehen besser beherrschen lernen. Du wirst es benutzen können, wie DU es willst und wirst auf diese Weise nicht mehr so davon besessen werden können, wie das zur Zeit noch geschieht. Im Augenblick gibt es keine Hilfe, die ich dir anbieten könnte, und deine Umwelt wird dich schon so ertragen müssen wie du bist.

 

Dialog 181 – 8.9.1986

Rebecca und ich haben uns vorgenommen, das Laufen jetzt abends gemeinsam zu machen. Monika hat Bedenken dagegen, also frage ich dich: Ist das ein guter Gedanke?

Es ist im Prinzip keine schlechte Sache. Du musst sehen, wie es dir dabei geht. Eigentlich, und das weit du ja auch, ist dein Laufen eine sehr individuelle Angelegenheit. Wenn du zu zweit läufst, ist das nicht mehr dasselbe. Aber dennoch kann sich auch daraus etwas Gutes ergeben. Wichtig ist mir eigentlich, dass du überhaupt läufst.

Woher aber kommen dann Monikas Bedenken?

Sie sieht isch dadurch Rebecca auf eine Weise näher gerückt, die sie sich selbst nicht ausgesucht hätte. Außerdem will sie, dass das Laufen deine und meine Sache bleibt, sozusagen „unter uns“ bleibt.

Und? Sind ihre Bedenken stichhaltig?

Sicher. Aber das muss dich nicht daran hindern, es dennoch zu tun, wenn du es gerne ausprobieren möchtest.

Ich habe überhaupt etwas Schwierigkeiten mit Monikas Verhalten bezüglich Rebecca. Warum ist sie so hart mit ihr? Sie hat es mir zwar erklärt, und ich kann das auch so einigermaßen nachvollziehen. Aber nachdem ich Renate jetzt so eine knappe Woche lag erlebt habe, finde ich Monika irgendwo auch ungerecht.

Jemandem „gerecht“ werden, ist eine sehr schwierige Sache. Was du jetzt darunter verstehst ist etwas ganz anderes als das, was Monika damit meint. Für dich ist es so ein Gefühl wie „Dankbarkeit“, das man Renate gegenüber nun zeigen müsse weil sie sich so intensiv um euren Haushalt gekümmert hat. Dies ist aber nicht das wovon Monika spricht.

Ich empfinde eine gewisse Distanz zwischen Monika und mir. Wenn jemand eine Weile weg war und dann wiederkommt, dann war das für mich immer auch eine Art Prüfstein für die Verbindung zu einander, wie man sich fühlt, wenn der andere wieder vor einem steht. Irgendwie band ich unsere Begegnung steif und auch jetzt fühle ich mich abgetrennt von ihr.

Dazu sage ich nichts. Das müsst ihr selbst herausfinden, wie es um euch steht. Urteile aber nicht zu voreilig.

10.09.2013

Monika:
Ich bitte dich um Klärungshilfe.  Gegenüber Rebecca habe ich mich innerlich zurückgenommen, weil ich merke, dass ich sehr verletzt bin und auch weil sie mich manchmal so an meine Mutter erinnert. Ich möchte mich im Augenblick nicht auf sie einlassen und bin ihr gegenüber entsprechend reserviert. Irgendwie habe ich das Kapitel Rebecca für mich erst einmal abgeschlossen. Jörg meint, ich sei eifersüchtig, hart und ungerecht. Und ich fühle mich wieder einmal in der Rolle der bösen.

Gestern war B. hier und für mich war ihre Gegenwart sehr unangenehm. Ich machte total zu und konnte ihr nicht einmal ins Gesicht sehen. Ich weiß überhaupt nicht, warum das so ist, denn daran, dass ich sie nicht verstehe, liegt es sicher nicht. Fast ist es so, als wolle ich sie gar nicht verstehen. Jörg sagt, ich würde anklagend herumlaufen und den ganzen Raum mit meinem Terror einnehmen. Das kenne ich gut von meiner Mutter und es hat mich sehr erschreckt, dass ich auch so sein könnte. Bitte sag mir, was geschehen ist und wie ich wenigstens so damit umgehen kann, dass meine Umgebung nicht darunter leiden muss.

Auch werde ich das Gefühl nicht los, dass Jörg eine Art Gehirnwäsche durchlaufen hat, während ich nicht hier war. Ich würde mich nicht wundern, wenn Rebecca hier eine ihrer Tragödien inszeniert hat. Natürlich weiß ich, dass sie das nicht absichtlich macht. Aber ich möchte gerne wissen, ob meine Wahrnehmung richtig ist. Das würde nämlich auch erklären, warum es mir so unangenehm war, dass sie hier so viel gemacht hat. Seit ich zurückgekehrt bin, sieht sie wieder ziemlich zusammengefallen aus. Jörg ist der Ansicht, das läge an meiner Unnahbarkeit ihr gegenüber.

Nein, Monika. Jörg hat keine Gehirnwäsche durchlaufen. Er nimmt nur Rebecca auf einer anderen Ebene wahr als du! Das ist der entscheidende Punkt. Du bist spirituell weiter entwickelter als Jörg, das bedeutet, du nimmst Menschen auf einer ganz anderen Ebene wahr, als anderen das möglich ist. Jörg erlebt Rebecca ungefähr dort, wo Rebecca Jörg erlebt. Die beiden können sich, wenn sie ungestört sind, tatsächlich gut verständigen und bis zu einem gewissen Grad sogar harmonieren. Dabei erfahren beide sich aber nur auf einer ganz bestimmten Stufe. In ihrer Ganzheit nehmen sie sich nicht wahr.

Darin ist keine Wertung enthalten! Ich will nicht, dass du das so verstehst. Auch wenn ich sage, dass du spirituell weiter entwickelt ist als Jörg, enthält das keinerlei Wertung! Das ist mir wichtig!

Wenn du Rebecca wahrnimmst, erfährst du sie in ihrer Ganzheit. Du siehst durch sie hindurch wie durch einen gläsernen Menschen und erkennst ihre Blockaden. Dich kann man in dieser Hinsicht kaum mehr täuschen. Jörg dagegen erlebt Rebecca so, wie sie sich gibt. Und wenn ihr niemand zu nahe rückt und sie bedrängt (so wie du) kann sie ein sehr lebendiger und angenehmer Partner sein. Diese Seite von ihr kennst du kaum.

Deshalb haben die beiden sich durchaus gut verstanden. Auch wenn Jörg eigentlich wusste, dass er mit Rebecca an den Boden gefesselt bleibt, während er sich mit dir in den freien Raum aufschwingen kann, besser gesagt: könnte. Aber er sucht solche Kontakte immer und immer wieder. Er hat Angst zu fliegen, er hat Angst vor dem freien Raum und dem freien Fall. Noch immer sitzt ihm diese Angst im Nacken. Er ist der Typ, der das Unbedingte sucht, aber zugleich auch Angst davor hat. Er will in das Unendliche aufbrechen, aber eine andere Seite in ihm möchte zuhause am warmen Ofen bleiben. Das ist sein Dilemma – und seine Lebensaufgabe!

Es geht hier also um wichtige Prozesse, wie du siehst. Und die Dramatik eures Wiedersehens nach deinem Findhorn Aufenthalt mag dir einen Hinweis darauf gegeben haben.

Rebecca aber tust du Unrecht, wenn du sie irgendwelcher Machenschaften bezichtigst. Sie war einfach so wie sie immer ist, aber sie war von dir ungestört mit Jörg einige Tage zusammen und konnte sich entfalten. Für sie waren das fruchtbare und gute Tage gewesen, denn auch sie hat ihre Problematik, die sich mit der von Jörg in manchen Punkten gleicht, so dass die beiden sich gut verstanden haben.

Was dich und Rebecca betrifft: Wenn du dich von ihr entfernt halten möchtest, dann tue das ruhig. Im Augenblick habt ihr euch nichts zu geben. Anders gesagt, stellst du für Rebecca eine harte Belastung dar. Und da es keinen Grund gibt zusammenzukommen – wozu es dann tun?

Jörg:
Wenn ich mich da mal einmischen darf. Wie du schon sagtest, gibt es eine Ebene auf der ich mich mit Rebecca gut verstehe. Ist diese Ebene irgendwie „schädlich“ für mich? Du sagtest etwas „von am Boden gefesselt sein …“?

Rebecca repräsentiert eine wichtige Seite von dir, die gelebt werden will. Die Seite der Sicherheit, der erdgebundenen Verlässlichkeit. Aber diese Seite enthält auch Begrenztheit. Du bist dazu berufen, dich in das Unbedingte vorzuwagen – und darin zu reüssieren oder unterzugehen. Und damit verträgt  sich das nicht, was du mit Rebecca zusammen erlebst. Mal sucht die eine Seite nach Verwirklichung, mal die andere, bis eine von beiden sich durchzusetzen beginnt.

Im Augenblick kämpft die erdgebundene Seite mit allen Mitteln um den Vorsitz. Und deshalb stellst du auch solche Fragen. Denn wäre die andere Seite in dir stärker, würdest du ganz von selbst den Kontakt zu ganz anderen Menschen suchen. Da es aber ist, wie es ist, musst du das auch durchleben. Wenn du also den Kontakt zu Rebecca brauchst, musst du ihn suchen. Sie ist ja nicht ohne Grund in deiner Nähe.

Monika, lass die Dinge geschehen, wie sie geschehen müssen.

Zu Monikas Frage zu B.:
Hier liegt der Fall ganz ähnlich wie bei Rebecca. Du siehst weitaus mehr als andere sehen können. Jörg sieht nur das Äußere eines Menschen und allenfalls eine Art „gefühlsmäßige Meinung“ , so wie im Prinzip jeder sie hat. Du aber siehst den Menschen wie er „ist“, in seiner ganzen Befindlichkeit, auch wenn du davon noch kein klares Bild empfangen kannst. Du „siehst“ also die Blockaden und Schwierigkeiten, aber auch Unaufrichtigkeiten und Lebenslügen eines Menschen. Du siehst ihn, wie ein Arzt den Patienten in seinen Symptomen sieht.

Manche Menschen können Auren wahrnehmen. So ähnlich ist es bei dir auch. Nur dass es hier nicht um Auren geht, sondern um noch viel mehr. Du „siehst den ganzen Menschen“.  Anders kann man es nicht ausdrücken. Was noch zu tun bleibt ist, dich darin zu schulen diese Wahrnehmungen zu ordnen, damit du von ihnen nicht durcheinander gebracht werden kannst. Was dir jetzt als riesiges Fragezeichen erscheint und ein heilloses Durcheinander in dir anrichtet, ist doch in Wahrheit eine wichtige Gabe, die empfangen und die du gepflegt hast.

Du hast mich gefragt, wie du damit umgehen kannst, wenn du jemanden ablehnst, damit andere nicht darunter leiden müssen. Monika, du stehst in dieser Entwicklungsphase und durchlebst sie. Du siehst einen Menschen „ganz“ und was du siehst, kann dich manchmal erschrecken. Im Laufe der Zeit wirst du dieses Sehen besser beherrschen lernen. Du wirst es benutzen können, wie DU es willst und wirst auf diese Weise nicht mehr so davon besessen werden können, wie das zur Zeit noch geschieht. Im Augenblick gibt es keine Hilfe, die ich dir anbieten könnte, und deine Umwelt wird dich schon so ertragen müssen wie du bist.

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