Dialog 19

Für dich muss immer gleich das Eine irgendwie zum Anderen passen, wenn nicht heute, so doch spätestens übermorgen, sonst hältst du es für sinnlos. Das liegt daran, dass du immer nur einen winzigen Ausschnitt überblicken kannst und alles, was jenseits dieses Rahmens liegt, muss für dich im Dunkeln bleiben.

Dialog 19, 30.12.1985

Euer Aufenthalt in Deutschland geht nun seinem Ende entgegen, aber er ist noch nicht beendet. Versucht also noch nicht, nach Zusammenhängen zu suchen und stellt euch keine Fragen.

Bleibt weiterhin offen für die Dinge die geschehen werden und wisst, dass es sich bei allem was euch widerfährt um wichtige Ereignisse für euch handelt. Alles hat seinen Sinn und steht in einem Zusammenhang miteinander. Ich kann euch diese Zusammenhänge manchmal ein Stück weit aufhellen, aber im Wesentlichen müsst ihr euren Weg von Ereignis zu Ereignis gehen und daran lernen.

Ich habe aber trotzdem das Gefühl hier in in diesem Hause keinen Schritt weitergekommen zu sein und irgendwie versagt zu haben. Es würde mir helfen, wenn ich den Sinn sehen könnte, der hinter alledem liegt.

Wenn ich von Zusammenhängen spreche, so ist das nicht dasselbe, wie wenn du es tust. Meine Zusammenhänge haben andere Dimensionen und folglich würdest du MEINE Pläne nicht verstehen können.

Für dich muss immer gleich das Eine irgendwie zum Anderen passen, wenn nicht heute, so doch spätestens übermorgen, sonst hältst du es für sinnlos. Das liegt daran, dass du immer nur einen winzigen Ausschnitt überblicken kannst und alles, was jenseits dieses Rahmens liegt, muss für dich im Dunkeln bleiben. Ja, du ahnst nicht einmal die Zusammenhänge. Darum sorge dich nicht, wenn dir das auch jetzt nicht gelingt und glaube mir, dass du nicht versagt hast. Jedenfalls nicht in meinem Sinne.

Ich will dir aber ein Stück weit Zusammenhang erhellen:
Euer Besuch in Deutschland sollte AUCH euren Blick für die Tatsache schulen, dass ihr euren Weg im Grunde alleine gehen müsst und dass ihr einbrecht, wenn ihr euch auf die Hilfe anderer verlasst, wo ihr selber hättet handeln können. Es behindert euch bei eurem Vorwärtskommen, wenn ihr in Deutschland immer noch ein dickes Bündel an Erinnerungen und Gefühlen liegen habt, das in Wahrheit nur noch in euren Träumen vorhanden ist.

Seid euch bewusst, dass ihr mich habt und zählt auf MICH. Solange ihr auf Menschen zählt, müsst ihr auch mit den winzigen Dimensionen rechnen, die menschliche Hilfe hat. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich euch raten würde, keine Freunde mehr zu haben! Gute Freunde sind eine wirkliche Hilfe und ein wahres Geschenk – nur soll man sie nicht benutzen, solange man selber noch etwas tun kann, um die eigene Sache voranzubringen. Gute Freunde sind wichtig, sie können Kraft geben und sie können trösten und ihr sollt solche Freundschaften unbedingt pflegen. Ihr sollt aber auch unterscheiden lernen, wer eure Freunde sind und wer nicht. Auch dazu sollte diese Fahrt dienen.

31.12.1985
Bald werden wir an die Grenze kommen. Irgendetwas daran macht mir Gedanken, ich weiß nur noch gar nichtso genau was.

Du rechnest in erster Linie mit Schwierigkeiten. Du befürchtest, jetzt ginge der Alltag in Frankreich wieder los, mit all seinen Problemen. Und du meinst, am Zoll würde es damit beginnen.

Ja, das ist es. Es wäre so schön, wenn wenigstens einmal etwas glatt ginge mit den Behörden.

Wenn du die Dinge nur mit meinen Augen betrachten könntest, dann wüsstest du, dass es völlig gleich ist, ob du lange an der Grenze stehst oder weniger lange, ob die Dinge glatt gehen oder nicht.

Du lebst dieses Leben und einen Teil davon wirst du heute an der Grenze erleben. Genieße auch diese Zeit. Beobachte, was mit dir geschieht, denn alles ist wichtig. Werte nicht und wünsche dich nicht an einen sicheren Ort.

Sei dort, wo du bist mit all deinen Sinnen. Und schüttele diese eine Sorge ab, die Zöllner seien deine Feinde. Sie sind es nicht. Sollte alles glatt und ohne Probleme vor sich gehen, dann richtet eure Aufmerksamkeit auf euer nächstes Ziel. Sollte es Schwierigkeiten geben, richte deine Aufmerksamkeit darauf. Es ist egal, worauf du sie richtest, wenn du es nur mit allen Sinnen tust.

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