Dialog 212

wildblumeAnstatt dich zu verbrauchen und abends müde und erschöpft und resigniert ins Bett zu gehen, kannst du aus jeder Arbeit, wenn du sie in meinem Geiste erledigst, mehr Kraft schöpfen und gehst gestärkt daraus hervor, nicht geschwächt

 

 

Dialog 212 – 1.11.1986

Mir geht es wieder mal gar nicht gut. Mich drücken diese Schulden dermaßen, dass ich kaum noch richtig Freude am Leben habe. Mir kommt die Zeit als wir in der Bretagne angekommen waren und kein Geld aber dafür auch keine Schulden hatten, heute geradezu golden vor. Wie ein Vogel so leicht muss man sich fühlen ohne diese Last, denke ich mir manchmal.

Es wäre ja alles nicht so schlimm, wenn das Geschäft wenigstens so laufen würde, dass man sich keine Sorgen machen muss.

Dein Rat nützt mir da nicht viel, von wegen nur im Heute leben usw. Mag ja sein, dass das richtig und wichtig ist, aber ich kann es nicht! Ich denke an Morgen und das macht mir Sorgen. Und dann habe ich sogar manchmal Angst, dass du uns bewusst in ein finanzielles Chaos steuerst, damit wir was weiß ich lernen sollen. Ich bin mir sicher, ob ich das will.

Ok, jetzt habe ich praktische keine Wahl mehr als weiterzugehen. Denn was wir getan haben, ist ja nicht mehr rückgängig zu machen. Aber mir geht es schlecht damit, sehr schlecht.

Ich kann dir darauf eigentlich nicht viel Neues antworten, denn wir haben über diese Dinge in veränderter Form schon sehr oft gesprochen. Trotzdem scheinst du eines immer noch nicht richtig verstanden zu haben: Die Sache mit dem Leben im Hier und Jetzt.

Das hat absolut nichts damit zu tun, blauäugig in den Tag hinein zu leben und so zu tun, als gäbe es kein Morgen. Natürlich gibt es ein Morgen und das sollst du auch wissen. Sogar vorausplanen ist da keineswegs ein Widerspruch. Denn was wäre das für ein Chaos, wenn alle Menschen so lebten, als gäbe es kein Morgen.

Was gemeint ist, ist aber: Voll und ganz und mit allen Sinnen und Gedanken im Heute zu leben, denn nur dort bist du ja wirklich real. An der Morgen und Übermorgen darfst du schon denken, aber mehr auch nicht. Leben musst du im Heute. Und das heißt:

Gefühle gehören nicht in das Morgen, denn du lebst sie ja heute. An morgen darfst du nur denken, aber Gefühle solltest du nicht dort hineinprojizieren. Das richtet nur Unfug an, denn du lebst deine Gefühle dann nicht im Heute aus, bist also im Heute entsprechend weniger anwesend – und leistungsfähig. Was zur Folge hat, dass sich beispielsweise deine Lage, die dir so viel Kummer macht, auch wirklich nicht verbessern kann.

Wenn du verkrampft und sorgenvoll auf dem Markt stehst, ziehst du weniger Menschen an deinen Stand, als wenn du Optimismus und Energie ausstrahlst. Bist du in diesem Punkt meiner Meinung?

Ja. Aber wie zum Henker beschaffe ich mir diese Energie und diesen Optimismus, wenn ich in Wahrheit traurig und pessimistisch bin? Sag jetzt bitte nicht wieder „im Hier und Jetzt leben“!

Ei doch, was soll ich denn sonst sagen. Jörg, hör mal zu: Diese Lektion muss gelernt werden. Und wenn du sie nicht bei dieser Sache lernst, dann wird man dir das aufheben für das nächste Mal.

Ich steuere euch nicht bewusst in ein finanzielles Chaos, das ist doch Blödsinn. Aber ich steuere euch schon auf einem rasanten Kurs zwischen den Klippen hindurch, das stimmt. Und wenn ich nicht genau Kurs haltet und das tut was ich euch sage, dann allerdings könnt ir euch tatsächlich ein paar böse Schrammen holen.

Wenn ihr aber meinen Anweisungen folgt und den Kurs steuert, den ich euch angebe, dann garantiere ich dir, ihr macht Erfahrungen in wenigen Monaten, die ihr euer ganzes Leben lang sonst nicht gemacht hättet. Und ihr wollt doch weiterkommen, oder?

Und was deine Sorgen betrifft: Ich schwöre dir, es wird dich nicht umbringen, also was machst du dir denn bloß für Sorgen?

Vertraue mir, dann wird alles gut werden. Tue HEUTE dein Bestes, dann wirst du MORGEN einen Schritt weiter sein. Es ist so einfach.

Ein Auto, heute sauber gewaschen (so wie ich das schon vor Wochen vorgeschlagen habe), bringt dir morgen Energie für die nächste Arbeit. Anstatt dich zu verbrauchen und abends müde und erschöpft und resigniert ins Bett zu gehen, kannst du aus jeder Arbeit, wenn du sie in meinem Geiste erledigst, mehr Kraft schöpfen und gehst gestärkt daraus hervor, nicht geschwächt. (Sich zurückziehen zu wollen, ist nichts anderes als versagt zu haben und keine gute Lösung.) Und je mehr du in meinem Geiste arbeitest, umso stärker wirst du, verstehst du?

Dieses Gesetz funktioniert ganz anders als eure Art von Verständnis von Arbeit. Bei euch ist Arbeit immer nur etwas, was Kraft kostet. Bei mir gibt es welche dazu!

Und wenn auch das noch nichts hilft, dann mache dir wenigstens über deinen Verstand klar, dass Resignation und Jammern mit Sicherheit keine Lösung sind. Im Gegenteil.

Jetzt habe ich’s aber wieder mal gesagt gekriegt, Donnerwetter. Aber eines muss man deinen Standpauken lassen. Sie helfen schon irgendwie. Ich glaube, manchmal muss ich dich einfach „spüren“, damit ich weiß, dass du überhaupt noch da bist.

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