Dialog 22 – Teil 1

Ich habe euch immer und immer wieder gesagt, dass ich für euch sorgen werde. Aber ihr müsst es mich auch tun lassen. Und vor allem: Ihr müsst lernen, die Mittel, die ich euch gebe, weise anzuwenden.

Dialog 22 – Teil 1, 04.01.1986
Seit gestern Abend ist mir einfach zum Heulen zumute. Ich bin verzweifelt und völlig ratlos und fühle mich von dir verlassen. Du hast uns gesagt, wir sollten beruhigt nach Deutschland fahren und bräuchten uns um die Kosten keineSorgen zu machen. Unsere Reisekasse sei gefüllt. Nun stelle ich aber fest, dass das so gar nicht stimmt. Die Kasse war am Ende nicht nur leer, wir haben auch noch 1.000 Francs Schulden gemacht. Da wäre es mir lieber gewesen, du hättest mir gleich am Anfang gesagt, dass ich 1.000 Francs beschaffen muss, bevor die Reise losgeht. Was ist von deinen Ratschlägen zu halten, wenn sich das Ergebnis plötzlich in sein Gegenteil verkehrt?

Wenn du jemanden einen Vorwurf machen willst, dann mach ihn dir selber. Die 1.000 Francs, die euch jetzt fehlen, hast du in bar abgehoben. Hattest du mich vorher gefragt, ob und vor allem wann du das tun solltest? Nein. Du hast wieder einmal völlig eigenmächtig gehandelt und dabei den Fehler gemacht, das Geld so frühzeitig abzuheben, dass der größte Teil davon schon verbraucht war, bevor die Reise überhaupt losgegangen ist! Ich hatte eure Reisekasse gefüllt und das Geld hätte genau gereicht, wenn ihr es wirklich nur für die Reise verwendet hättet.

Dann hast du ein zweites Mal Geld abgehoben – wiederum ohne Rücksprache mit mir – und dabei hast du schon gewusst, dass ein Loch entstanden war. Und nun erinnere dich einmal ganz genau: Hattest du nicht diese zweite Abhebung, mit ziemlich schlechtem Gewissen getätigt? Mit so einem „Nach mir die Sintflut-Gefühl“? Du hast meine Worte so ausgelegt, wie es für dich am bequemsten war, indem du dachtest: „Noch ist ja Geld da und um die Zukunft soll ich mich ja nicht sorgen“.

Rechne einmal zurück: Ihr hattet einen Finanzierungsplan aufgestellt und ich hatte ihn genehmigt. Hättet ihr euch daran gehalten, wäre alles bestens gelaufen und es bestünde heute kein Grund für dich zu klagen.Du hast 600 Francs zufiel abgehoben, weil ihr sie schon vorher ausgegeben hattet. Du hast das Angebot einer Tankfüllung abgelehnt, weil dir nach einer großartigen Geste zumute gewesen war. Und ihr habt 300 Francs bei eurer Rückkehr vorgefunden. Das entspricht einem PLUS VON 500 FRANCS, wenn ihr richtig gewirtschaftet hättet.

Aber wir haben diese 600 Francs doch nur deshalb ausgegeben, weil wir auf den Märkten kein Geld mehr verdient haben. Von irgend etwas mussten wir doch Leben!

Du kannst im Nachhinein nicht sagen, was gewesen wäre, wenn ihr es hättet darauf ankommen lassen. Da du dich am Reisegeld vergriffen hast, als euch das Geld auszugehen schien, hast du den Dingen eigenmächtig eine neue Richtung gegeben. Deshalb wundere dich nicht, wenn du jetzt vor den Folgen stehst.

Doch diese Rechnung mache ich dir jetzt nur deshalb auf, weil du dich mir gegenüber beklagt hast. Ich habe euch immer und immer wieder gesagt, dass ich für euch sorgen werde. Aber ihr müsst es mich auch tun lassen. Und vor allem: Ihr müsst lernen, die Mittel, die ich euch gebe, weise anzuwenden. Das bedeutet: Stets in Absprache mit mir. Sobald ihr auf eigene Faust handelt, geratet ihr in die Irre.

G
estern Abend bist du sehr aufgebracht zu mir gekommen, obwohl du vorgegeben hast, innerlich ruhig zu sein. Und du hast mir eine Rechnung von 7.000 Francs vorgelegt, nicht etwa von 1.000. Ich habe dich trotzdem nicht getadelt deswegen, sondern dir zugehört, wie ich es immer tue. Du wolltest von mir wissen, wie ihr diese 7.000 Francs aufbringen sollt. Und ich habe dir gesagt, wie ich darüber denke. Wenn du natürlich meine Antworten zensierst und den Bogen zerreißt und neu schreibst, was wunderst du dich dann, wenn du am Ende vollständig in Verwirrung gerätst?

Du hattest wieder einmal in die Zukunft geschaut und eine Liste aller Beträge aufgestellt, die in diesem Monat auf euch zukommen würden. Und ich habe dir gesagt, dass nur die 1.000 Francs wirklich ein aktuelles Problem seien und ihr den Rest getrost der Zukunft überlassen könntet. Wörtlich habe ich gesagt: „Das sind Kosten, die erst in einigen Wochen entstehen werden und bis dahin kann viel geschehen!“ Das war dir zu vage und du hast den Bogen neu geschrieben, ohne diesen wichtigen Satz.

Trotzdem bleibe ich bei meinem Rat: Versucht, euch dieses Geld zu leihen, denn es steht euch zu zu borgen, weil eure Gelder nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen werden. Wenn ihr Freunde findet, die es euch zu borgen bereit sind, ist es gut. Wenn nicht, lasst die Dinge sich weiter entwickeln und lernt dabei, euch in Vertrauen zu üben.

Das einzige, was ihr erledigen müsst, ist diese 1.000 Francs wieder zu beschaffen, die ihr gegen meinen Willen ausgegeben habt. Darin liegt sicherlich keine große Schwierigkeit. Wärst du nur mit dem 1.000 Francs – Problem zu mir gekommen, wären wir gestern weiter miteinander gekommen. 7.000 Francs dagegen üben schon einen anderen Druck auf euch aus, wie ihr selber seht. Seid also froh, dass ihr es mit 7.000 habt bewenden lassen. Denn stellt euch nur vor, ihr hättet auch noch einen Kostenvoranschlag für den Februar aufgestellt und wärt zum Beispiel mit der der Bitte um 14.000 Francs zu mir gekommen …!

Nimm deine Verzweiflung deshalb auch als Lehre und als Hinweis darauf, wie jung und zart dein Vertrauen zu mir noch ist. Versuche, nicht über den Wert meiner Ratschläge nachzugrübeln, sondern befolge sie BLINDLINGS, dann kannst du nie schlecht dabei fahren. Führe sie aus, auch wenn sie dir sinnlos oder unnütz erscheinen, denn NUR SO kannst du die Erfahrung machen, dass ihr mit meiner Führung in guten Händen seid. Vergesst nie: Ich führe euch durch das Dunkel und ihr dürft meine Hand nicht loslassen, sonst geht ihr unweigerlich verloren! Ich kann das gar nicht oft genug sagen und ich werde es auch immer wieder tun. Solange, bis es euch in Fleisch und Blut übergegangen ist. Entscheidet nichts eigenmächtig, schon gar nicht, wenn es um Geld geht. Es wäre am Besten, wenn ihr am Anfang sogar jeden Einkaufszettel mit mir absprechen würdet.

Aber ich will euch nicht überfordern, obwohl ich euch wundern würdet, wie gut es euch auf einmal gehen würde. Sprecht aber alle halbwegs größeren Ausgaben mit mir ab und nehmt meine Entscheidung an, auch wenn sie euch nicht gefällt.

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