Dialog 221 – Teil 1

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Ich bin so durcheinander. Bitte hilf mir, meine Empfindungen zu ordnen! Ich kann nicht unterscheiden, was nun vom Kopf kommt und was nicht.

 

Dialog 221, Teil 1 – 9.11.1986

Monika:
Ich bin so durcheinander. Bitte hilf mir, meine Empfindungen zu ordnen! Ich kann nicht unterscheiden, was nun vom Kopf kommt und was nicht. Dein Satz, wir sollten nicht so wählerisch sein, hat in mir einiges ausgelöst, was das Stück Land von Madame G. betrifft.

Ich kann einfach nicht beurteilen, ob der Lichteinfall dort ungünstig ist oder nicht und ob das eine Rolle spielt oder nicht. Ich habe seit heute Morgen ein Drängen in mir, dieses uns angebotene Stück Land zu nehmen und anzufangen, nicht noch mehr Zeit mit Suchen zu verbringen, wenn wir das Stück da im Wald bekommen können.

Doch ich kann meine Gefühle nicht einordnen. Ich möchte mir halt nicht gerade ein sehr schwieriges Stück Land aussuchen und sehne mich nach Licht. Aber du sagtest, wir sollen nicht wählerisch sein. Wie kann ich wissen, welchen meiner Gefühle ich folgen soll?

Da ist das Drängen anzufangen, trotz der Angst vor der gewaltigen Arbeit und der Ratlosigkeit, wie man so etwas anfängt. Von welcher Ebene kommt das?

Die gleiche Stimme sagt mir, dass sei so ähnlich wie mit dem Haus in Chef du Bois, das war damals das erste verfügbare gewesen, und das wir dann schließlich nehmen mussten, weil wir kein anderes bekamen. Irgendwie sagt mir die Stimme, dass dieses Stück Land das einzige sein könnte, das wir bekommen können, und dass wir uns viel Kummer ersparen, wenn wir gleich ja dazu sagen.

Andererseits kann ich nicht mit vollen Herzen ja dazu sagen, denn es macht mich nicht glücklich darauf zu stehen. Es ist so dunkel und leer dort und ich habe keine Ahnung, wie man ein solch zugewuchertes Land rodet. Ich habe Angst, meine Kräfte reichen nicht aus, Angst es nicht zu schaffen.

Sicher, man könnte jemanden bitten, es mit einer Maschine zu roden. Aber das wollen wir beide nicht. Es ist so grausam. Und wir wollen doch mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten.

Jetzt weiß ich nicht, ob die Angst meine Gefühle verzerrt und vernebelt?

Es gibt aber auch ein Bild in mir, ein ganz vorsichtiges, zartes, wo ich dieses Stück Land verwandelt sehen kann. Wo in Eintracht mit all dem Ginster unsere Kräuter gedeihen und wie die Bienen sich laben an den vielen Blüten.

Ach, ich wünschte, du würdest sagen: „Nehmt dieses Stück Land. Ich werde euch helfen!“ Stattdessen befürchte ich, du sagst, ihr bekommt das was ihr verdient, ihr schafft euch eure Wirklichkeit selber. Wenn ich mir also ein schwieriges Stück Land aussuche, dann schaffe ich mir eine schwierige Wirklichkeit, oder?

Bitte schimpf nicht mit mir. Es ist ja nicht, dass ich kein Vertrauen zu dir hätte. Es ist meine Verwirrung. Ich weiß nicht mehr, was richtig und was falsch ist, was in deinem Sinne und was nicht.

 

Jörg:
Mir geht es mit dem Land ziemlich ähnlich wie Monika. Auch in mir sagt irgendetwas, dass es das einzige Stück Land sein könnte, dass wir überhaupt bekommen werden, und deshalb zugreifen sollten. Auch ich empfinde solche Dinge, wie leer und kalt, wenn ich auf dem Land stehe.

Aber seltsamerweise empfange ich auch genau das Gegenteil: Als wäre das Land dort äußerst aktiv und sehr warmherzig, nur alt den Menschen völlig abgewandt, sozusagen überhaupt nicht mehr an Menschen gewöhnt.

Wenn ich so etwas empfinde, dann „trenne“ ich innerlich auf einmal etwas:
Das Düstere, Finstere dieses Stückchens scheint mir auf einmal ein eher optischer Eindruck zu sein, der von der besonderen Lage der Parzelle herrührt (Hohe dunkle Bäume rundherum). Während sich mir in diesem Augenblick das Freundliche und Lichte dieses Landes dort viel besser mitteilt.

Aber auch ich bin mir sehr unsicher. Ist es mangelndes Vertrauen, wenn ich Angst habe, dass wir kein anderes Stück Land mehr finden werden? Oder empfinde ich das ganz richtig so?

Ich selber würde zu dem Land trotz meiner Bedenken ja sagen und mich an die Arbeit machen. Wenn ich auch noch überhaupt keine Vorstellungen habe, welcher Art die sein wird. Aber dein Einverständnis hätte ich doch gerne noch.

 

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