Dialog 233

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Aber auch hier gilt: diese Gesetzmäßigkeiten erfassen nur das, was mit ihnen gemessen wird. Ich bin als messbare Größe nicht in ihnen enthalten.

 

Dialog 233 – 2.12.1986

Du hast gesagt, wir sollen die Miete ohne zu zögern zahlen. Heißt das, ich kann einen Scheck ausstellen, auch wenn der durch die Stromkosten noch höher ausfällt als sonst?

Ja.

Nach dem was ich in Vesters Buch* gerade über kybernetische Regelkreise lese, müssten wir eigentlich schon pleite oder in größten Schwierigkeiten sein, mindestens aber auf dem besten Weg dazu. Deshalb beruhigt mich so eine Aufforderung von dir wie diese zwar einerseits ungemein, weil ich mir sage, dass du schon deine Gründe haben wirst. Aber ich würde zugleich auch etwas mehr von der ganzen Sache verstehen wollen. Kannst du mir nicht sagen, warum ich einen Scheck ausstellen darf, der gar nicht gedeckt sein kann?

Nein, das kann ich dir nicht sagen, denn auf Vertrauen in meinen Rat baut sich unser ganzes Verhältnis auf. Ich will nicht, dass du mich mit dem Verstand zu ergründen suchst und meine Ratschläge danach bemisst, ob du sie nachvollziehen kannst oder nicht.

Das Wissen um die Zusammenhänge kybernetischer Regelkreissysteme ist ohne Zweifel sehr lehrreich für dich. Und es freut mich, dass du dich zurzeit so mit eurer Situation auseinandersetzt. Aber auch hier gilt: diese Gesetzmäßigkeiten erfassen nur das, was mit ihnen gemessen wird. Ich bin als messbare Größe nicht in ihnen enthalten. Meine Kenntnis über die Vernetzung der Systeme, in denen ihr euch bewegt, ist größer als die Vesters oder aller Wissenschaftler. Ich sehe mehr Zusammenhänge als sie und deshalb kann ich so etwas sagen wie dieses „Ja“.

Sei vorsichtig mit diesen Studien. So wichtig sie sind, sie bergen doch eine Gefahr: Sie beschreiben eine Wissenschaft, die vor allem auf Logik aufbaut. Und ist nun einmal nicht alles, jedenfalls nicht die menschliche.

Versuche nicht, eure Situation mit kaum begriffenen Formeln zu berechnen, denn du würdest mit Sicherheit in die Irre geraten. Deine Berechnungsgrundlagen ebenso wie der gesamte Ansatz wären falsch und das Ergebnis könnte nur Unsinn darstellen.

Denke an die Geschichte der Findhorn Community**. Man hätte Peter Caddys „Sturz“ vom Hotelmanager zum arbeitslosen Sozialhilfeempfänger kybernetisch als eine Kette von gravierenden Fehleinschätzungen der Wirklichkeit erklären können, die am Ende zwangsläufig zu diesem Ergebnis führen mussten. Da man mich aber nicht hätte mitberechnen können, wäre diese Berechnung sinnlos gewesen. Ich hatte nun einmal meine eigenen Pläne. Und die habe ich auch jetzt.

Monika ist krank und ich scheine mich schon angesteckt zu haben. Das wäre jetzt ein schlimmer Zeitpunkt krank zu werden, wo doch all unsere Aufmerksamkeit gebraucht wird, um unsere die Problematik unserer Situation zu lösen. Wir fragen uns, warum wir krank sind. Ist es, weil wir nicht in Harmonie mit dir sind?

So könnte man es tatsächlich ausdrücken. Aber ihr seid ja praktisch nie wirklich in Harmonie mit mir, höchstens auf dem Weg dahin, woran ich mich bereits gewöhnt habe. Nein, euer Problem ist einfach, dass euch eure Situation insgeheim eben doch belastet und euch schwächt- trotz eurer Gebete und Meditationen. Ihr werdet aber auch hart geprüft, das gebe ich zu. Und dafür haltet ihr euch insgesamt ganz ordentlich.

Wenn ihr also jetzt krank werdet, dann ist das letzten Endes ein versteckter Misstrauensbeweis mir gegenüber und du hast dich nicht „angesteckt“, sondern es hat dir den Rest gegeben, dass Monika jetzt auch noch krank wird und die Belastung für dich damit noch größer werden könnte.  Es ist ja bezeichnend, mit welchen Feststellungen du deine Frage eingeleitet hast, findest du nicht?

  

*)     Frederic Vester: Neuland des Denkens – Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter
**)    Paul Hawken: Das Wunder von Findhorn

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