Dialog 235

Fruehling_095941

 

Mir geht es darum, dass ihr bestimmte Erfahrungen macht und mit meiner Hilfe daraus lernt. Während es dir zum Beispiel darum gehen würde, gewisse Erfahrungen gerade zu vermeiden, weil sie dir unangenehm wären. Das sind zwei ganz verschiedene Ausgangspunkte. Natürlich ist es deine Pflicht immer dafür zu sorgen, dass schlimme Erfahrungen vermieden werden. Und das geschieht durch das Befolgen des Raum-Zeit-Gesetzes. Was ich als Spielleiter hinter den Kulissen dazu beisteuere ist dann eine andere Sache.

 

Dialog 235 – 6.12.1986

Meine Zahnschmerzen machen mich wahnsinnig. Wieso habe ich die?

Einfach gesagt: Weil du nicht zur richtigen Zeit (nicht recht-zeitig, wie man sagt) beim Zahnarzt gewesen bist. Und damit hast du hier ein weiteres Lehrbeispiel für unser Übungsprojekt „zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“. Du hast dich beispielsweise nachdem sich bereits herausgestellt hatte, dass die Notreparatur nicht ausreichend sein würde bis zur nächsten regulären Behandlung, nicht wirklich intensiv um einen Termin bemüht, weil die Zähne in diesem Augenblick gerade einmal ruhiger waren. Hier gilt es aber im richtigen Moment auch die übergeordneten Interessen zu erkennen und wahrzunehmen: Bei einem schmerzenden Zahn ist eine kurze Schmerzpause kein Zeichen für eine Heilung. Wenn diese Tatsache übersehen wird, kommt es auf der nächst höheren Ebene zu Konflikten. Du lernst also hier sehr anschaulich, was du morgens eher theoretisch gerade so in deinem neuen Fachbuch vermittelt bekommst.

Und was soll ich jetzt tun? Soll ich den Markt aufgeben und einen Zahnarzt suchen?

Nein. Erstens sind die Schmerzen tagsüber immer viel erträglicher, zweitens ist gutes Wetter, das man nutzen muss in diesen Tagen, drittens ist heute Scaer-Tag, also ein Markt der wichtigen Kategorie, und viertens sollst du ruhig mal etwas lernen bei der Sache.

Nein, im Ernst. JETZT zum Zahnarzt zu gehen wäre wiederum ein Verstoß gegen das Raum-Zeit-Gesetz.

Wie sieht es in dieser Hinsicht mit dem Montagsmarkt in C. aus? Ich halte ihn inzwischen für so ineffektiv, dass mir die Zeit verschwendet erscheint. Im Sinne kybernetischer Funktionsmuster wäre hier ein krasses Missverhältnis zwischen Input und Output, mal verkürzt gesagt.

Richtig gesehen. Und deshalb darfst du jetzt auch neue Vorschläge für den Montag machen. Erinnere dich: Ich hatte dir den Montag schon so gut wie „frei“ gegeben, aber du selber warst noch nicht bereit gewesen, diesen Markt so nüchtern zu sehen, wie du es eben getan hast.

Aber wo bleibt deine aufmerksame Beobachtung in all den anderen Momenten deines Tages? Wie oft bist du noch immer im falschen Moment am falschen Ort (und weißt es sogar!) und tust dennoch nichts dagegen?

Dir scheint die Aufgabe unlösbar, die ich dir gestellt habe? Dann will ich dir zeigen, dass sie das nicht ist. Wir fangen im Kleinen an und steigern uns langsam Dann wirst du merken, dass es erstens Spaß macht richtig zu leben und dass es zweitens natürlich effektiv ist. Efficasse, wie ihr immer sagt.

Nimm dir heute nur eine einzige Stunde vor, mehr verlange ich gar nicht, und lebe sie bewusst nach dem Raum-Zeit-Prinzip. Sei der Jäger auf der Pirsch, der in jedem Augenblick auf den entscheidenden Moment gefasst ist und bereit ist ihn zu nutzen. Du kannst dir die Stunde auswählen, denn jede taugt dazu so gut wie jede andere.

Dann würde ich eine bestimmte Stunde auf dem Markt nehmen. Sagen wir von 10:30 bis 11:30 Uhr.

Gut. Damit wir auch etwas davon haben, machst du dir in dieser Stunde gelegentlich Notizen und berichtest mir darüber, damit ich dich beraten kann.

Monika ist immer noch so krank. Wo wäre denn für sie der richtige Ort nach diesem Raum-Zeit-Gesetz?

Natürlich dort wo sie sich am besten schonen kann. Das muss nicht das Bett sein, aber es ist sicherlich kein Ort, wo Arbeit auf sie wartet. Wenn sie heute Morgen im Haushalt arbeitete, würde sie sehr krass gegen das Gesetz verstoßen. Die Folge wäre eine weitere Verschlechterung ihres Zustandes. Man muss nämlich auch sehen: Dass eine Krankheit ausgelöst wird ist Ausdruck eines inneren Konfliktes. Ihr Heilungsprozess ist Spiegelbild des weiteren Zustandes dieses Konfliktes. Aber die Krankheit selber entwickelt ihrerseits ebenfalls eine Dynamik mit eigenen Gesetzen. Und je weniger man die beachtet, um so schwieriger wird es mit der Zeit, die Heilung nur durch Lösen der Konflikte einzuleiten.

Wenn heute Morgen schon alles so theoretisch-fachlich  ist, dann habe ich noch eine Frage. Nach den Gesetzen der Kybernetik haben wir einen tödlichen Fehler für unser Marktgeschäft (und damit unsere Existenz) gemacht, als wir zu viel Kreditgeld in das System gesteckt haben. Ich glaube, es hat einen Punkt gegeben, da überstieg das Ausmaß der „künstlichen Ernährung“ unseres Projektes seinen „Überlebenswillen“. Wenn sich jetzt nichts Entscheidendes ändert, müsste das Ganze eigentlich zusammenbrechen, sobald man den „Tropf“ wegnimmt, an dem unser System hängt.

Es hängt ganz von der Zielsetzung ab. Wäre die Aufgabe gewesen, in möglichst kurzer Zeit ein florierendes Geschäft aufzubauen, dann könntest du Recht haben. Aber so war die Aufgabe nicht. Ihr habt ohne Fachkenntnisse und ohne Kenntnisse der örtlichen Bedingungen ein Geschäft aufbauen wollen. Ihr habt also eine Gleichung mit vielen Unbekannten zu lösen gehabt und arbeitet heute noch daran. Das ist eine ungemein schwierige Situation und du wirst wenige Unternehmer finden, die unter solch ungünstigen Ausgangsvoraussetzungen ein Geschäft anfangen würden. So gesehen habt ihr also das Recht dazu, so lange wie möglich Hilfe von außen anzunehmen. Aber du hast Recht: Es gibt einen Punkt, da ist in dieser Hinsicht eine Grenze erreicht – und hier heißt es tatsächlich aufpassen!

Hinzu kommt aber, dass du doch gar nicht wissen kannst, ob der Aufbau eines funktionierenden Geschäftes wirklich die einzige Absicht hinter der ganzen Sache war und ist? Immerhin stecke ich ja auch noch mit in der Sache drin. Und dadurch bekommt das Ganze einen unkalkulierbaren Aspekt. Denn meine Absichten sind bestimmt nicht die euren.

Anders gesagt: Mir geht es darum, dass ihr bestimmte Erfahrungen macht und mit meiner Hilfe daraus lernt. Während es dir zum Beispiel darum gehen würde, gewisse Erfahrungen gerade zu vermeiden, weil sie dir unangenehm wären. Das sind zwei ganz verschiedene Ausgangspunkte. Natürlich ist es deine Pflicht immer dafür zu sorgen, dass schlimme Erfahrungen vermieden werden. Und das geschieht durch das Befolgen des Raum-Zeit-Gesetzes. Was ich als Spielleiter hinter den Kulissen dazu beisteuere ist dann eine andere Sache.

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