Dialog 236

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Liebe die Dinge, dann verlierst du jedes Gefühl für Mein und Dein und tauchst wirklich in das Hier und Jetzt ein. Dann bist du ganz dort, wo du sein solltest und alles ist gut und gelingt. Alles geht dann gut von der Hand.

 

Dialog 236 – 8.12.1986

Wir haben jetzt begonnen, unsere Behausung noch einmal umzuräumen, als wäre es für immer. Obwohl wir noch gar nicht wissen, was mit dem anderen Haus in K. sein wird. Mir hat das gestern sehr gut getan, mich einmal ohne „Sinn und Verstand“ einfach damit zu beschäftigen etwas schön zu machen. Ich habe mir viel Mühe damit gegeben und alle Möbel sehr sorgfältig behandelt und geputzt. Und im Moment habe ich fast das Gefühl, dass es mir ganz egal ist, ob wir das Haus in K. nun bekommen oder nicht. Trotzdem: Obwohl es eigentlich ein erfüllter Tag gewesen ist, war ich abends auf einmal sehr gereizt und entnervt. Das verstehe ich nicht.

Zuerst einmal zum Umräumen selber: Das war eine gute Entscheidung und eigentlich längst überfällig. Schon den Pflanzen zuliebe, die den besten Platz im Haus bekommen sollten und nicht den am wenigsten geeigneten. Aber auch sonst war es das, was ich meinte, als ich euch riet, es euch doch endlich einmal gemütlich zu machen und anzunehmen und zu lieben, was ihr JETZT habt, anstatt immer nur auf das zu warten, was eventuell kommen könnte.

Es ist wie mit einer Tasse: Solange sie voll ist, kann nichts Neues nachgeschenkt werden. Ihr müsst sie erst austrinken, bevor sie wieder gefüllt werden kann. Indem ihr das was ihr jetzt habt dankbar annehmt, schafft ihr erst die Bedingungen für alles was noch auf euch wartet.

Macht eure Arbeit jetzt so fertig, wie ihr euch das vorgenommen habt. Ganz egal, was ihr von dem Haus in K. hören werdet. (Denkt nur daran, was mit Damany war!*)

Dass du dich bei dieser Arbeit wohlgefühlt hast, sollte dich nicht verwundern. Das ist doch das was ich die ganze Zeit predige: Liebe die Dinge, dann verlierst du jedes Gefühl für Mein und Dein und tauchst wirklich in das Hier und Jetzt ein. Dann bist du ganz dort, wo du sein solltest und alles ist gut und gelingt. Alles geht dann gut von der Hand. Ach, wenn du nur diese Erfahrungen schon öfter auf alle übrigen Bereiche deines Lebens übertragen könntest!

Dass du am Ende doch entnervt warst, liegt an deiner mangelnden Übung mit dieser Art zu leben. Es ist die einzig richtige Art zu leben, aber man muss daran gewöhnt sein Glück zu empfinden. So wie du dich immer noch schwer mit Lob tust, das man dir spenden will, so hast du auch Mühe, einmal über eine längere Weile hinweg Glück zu erfahren. Es passt nicht zu deinem „Weltbild“, macht dich eher misstrauisch – mit dem Resultat, dass du deine Erfahrungen gewaltsam abbrichst. Aber das wird schon noch werden.

Nimm dir heute einmal zwei Stunden intensives Hier und Jetzt Training vor. Beobachte genau, was um dich herum geschieht. Und bemühe dich mit allen Kräften, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das bedeutet zum Beispiel dir zu überlegen, welche Wege und Handlungen sich sinnvoll zusammenfassen lassen, damit du nicht zweimal denselben Weg zurücklegen musst. Das wäre Energieverschwendung und es wäre gegen die Aufgabenstellung. Sei einfach wachsam allem gegenüber und tue nichts gedankenlos.

Und nun berichte mir vom Samstag.

Ich habe die Stunde als sehr aufregend empfunden und regelrecht Bauchschmerzen bekommen. Habe ständig damit gerechnet, dass etwas passiert und habe auf etwas gewartet, ohne zu wissen auf was. Ich hatte aber das Gefühl, dass ich so nicht lange leben könnte. Das wäre mir viel zu anstrengend!

Du hast gleich zu Anfang ein entscheidendes Erlebnis gehabt: Richtig leben IST aufregend! Aber deine Schlussfolgerung ist falsch. Natürlich kannst du immer so leben. Du musst sogar unter allen Umständen versuchen das zu tun. Aber du musst es eben erst lernen. Wir fangen ja deshalb ganz behutsam an. Und wir gehen von zwei auf drei Stunden erst dann weiter, wen du die zwei Stunden gut schaffst.

Merkst du nicht, wie gedankenlos du „normalerweise“ durch das Leben gehst? Ich sage dir, mehr als 90 % der Dinge, die um dich herum geschehen, siehst du überhaupt nicht oder du siehst sie so, wie du sie sehen willst und du hörst nur das, was du hören willst. Aber der Raum um dich herum ist gefüllt mit Informationen, die von größter Bedeutung für dich sein könnte. Du musst lernen aufzuwachen und mit geschärften Sinnen durch das Leben zu gehen. Das gilt zwar theoretisch für jeden Menschen, aber es gilt in besonderem Maße für dich, denn auf dich warten ganz bestimmte Aufgaben, die du nur lösen können wirst, wenn du wirklich gelernt hast wach zu sein.

Halte dir immer das Bild von dem Jäger vor Augen. Im Moment bist du wie einer der sagt, er würde auf die Jagd gehen, aber im Wahrheit trampelt er tief in Gedanken versunken durch das Gelände, hat sein Gewehr nicht einmal mitgenommen und weiß es nicht. Und er hat keine Augen für das, was um ihn herum passiert. Es wäre der reine Zufall, wenn er wirklich auf Wild stoßen würde und er wäre nicht einmal darauf vorbereitet. Wenn du weiter so lebst, nimmst du vom Leben noch keine 5 % wahr, und ich glaube nicht, dass du das willst.

Natürlich will ich das nicht. Aber übertreibst du nicht etwas? So blind komme ich mir nun wirklich nicht vor. Wenn ich mich mit denen vergleiche, denen ich so tagsüber begegne … also, ich weiß ja nicht!

Dass du vielleicht ein Einäugiger unter zahllosen Blinden bist, heißt noch nicht, dass du besonders weit entwickelt wärst! Aber täusche dich nicht. Auch unter den Blinden gibt es welche mit einem fantastisch ausgeprägten Netz an Sinneswahrnehmungen, die dir weit überlegen sind.

Ich werde dich jetzt in dieser Hinsicht schulen, denn das scheint mir anzustehen – auch und gerade im Hinblick auf unseren „Finanzkurs“, dessen erste Lektion ja heißt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und wenn du in dieser Übung erst einmal Fortschritte gemacht hast, wirst du möglicherweise die Welt nicht mehr wiedererkennen, so anders sieht sie auf einmal aus. Deine Gesichtszüge werden sich entspannen, deine Augen werden wacher und forschender dreinschauen. Deine Haltung wird sich straffen und du wirst das Leben auf eine ganz andere Weise zu nehmen wissen.

*) Damany hatten wir trotz unterschriebenem Vertrag, dann letztendlich doch nicht bekommen.

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