Dialog 242

spring_4215462

 

Auf der einen Seite scheint ihr euch wie eben geschlüpfte Küken mit mühsamen Flugversuchen herumzuquälen und zugleich seid ihr bereits Adler, die in ungeheurer Höhe ihre Kreise ziehen.

Dialog 242 – 16.12.1986

Monika:
Das Gespräch von Eileen Caddy mit den Leuten von Steyerberg hat ziemlich widersprüchliche Gefühle in mir auslöst. Dort gibt es eine Gruppe von 60 Leuten mit Land und Gebäuden und einem beabsichtigten alternativen Lebensstil mit New Age Einschlag. Eine Vision oder ein Fundament spiritueller Art scheint aber zu fehlen. Und doch ziehen diese Leute Menschen wie Eileen Caddy an und haben dadurch Chancen sich bekannt zu machen und um Unterstützung zu werben.

Ich bin ziemlich neidisch, denn ich bin eigentlich der Meinung, dass unser Weg besser und kraftvoller ist. Aber ich leide darunter, dass wir mit allem so alleine sind. Warum sind wir noch immer nicht zu dritt? Eileen beschreibt ein Erlebnis im Sanctuary, wo durch 3 Leute die Christusenergie zum Fließen gebracht wurde. Auch ich fühle mich unvollständig mit Jörg. Wir arbeiten so hart an uns und noch immer können wir nichts von dem was wir tun vermitteln. Ja, man empfindet unseren Flyer als vage, was er überhaupt nicht ist, nur weil wir keine Baupläne und Workshops anzubieten haben.

Trotzdem empfinde ich unsere Sache als realer als alles andere was es hier so gibt. Ich merke, dass wir Pioniere eines Weges sind, den alle gehen müssen, wollen sie Teil des Neuen Zeitalters sein. Und indem wir an uns arbeiten und in dem Maß, wie sich das in unserem Leben niederschlägt, in dem Maß wird es Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Jede Meditation erreicht alle anderen Menschen auch, nur merken sie es nicht. Jede Veränderung in unserem Leben geht als Impuls hinaus in die Welt und kann von anderen Menschen aufgenommen werden. Ich sehe unsere Aufgabe darin, unseren Weg in Worte zu fassen, die angestrebten Veränderungen, die Schwierigkeiten und Rückschläge, die Auswirkungen von erreichten Veränderungen. Wie man so etwas lebensnah beschreibt, damit sich jeder darin wiederfinden kann, das weiß ich nicht. Ich finde es schwierig, unseren Prozess in Worten festhalten zu wollen, denn kaum hat man einen Teil niedergeschrieben stimmt er schon gar nicht mehr.

Dass so ein Gefühl von Neid aufkommt ist verständlich, aber dennoch fehl am Platze. Denn was ihr macht und was an in Steyerberg tut sind grundverschiedene Dinge: Steyerberg ist ein der vielen Gemeinschaften, die sich manifestiert haben ohne manifest geworden zu sein, wenn du das verstehst. Dass sie dennoch Menschen wie Eileen anziehen, mag dir zu Recht unbegreiflich erscheinen, aber Neid solltest du nicht aufkommen lassen. Du weiß nicht, was Eileens ganz persönliche Gründe sind, sich für dies Gemeinschaft zu interessieren. Und eines Tages wirst du vielleicht dankbar dafür sein, dass sie nicht zu euch gekommen ist!

Euer Weg ist ein ganz und gar anderer und eure Aufgabe verlangt Einsamkeit. Du selbst sprichst von Pioniertaten und du hast vollkommen Recht. Es ist noch nicht soweit, dass ihr ein wirkliches Zentrum seid, das andere Menschen anzieht. Höchstens andere Pioniere können sich für euch interessieren. Doch Pioniere sind schwierige Menschen. Sie sind gewohnt, ihren Weg allein zu finden und schließen sich nicht so leicht anderen an – es sei denn eine Aufgabe verlangt gemeinsames Zupacken. Sobald das der Fall ist, werdet auch ihr „den 3. Mann“ finden.

Dreiheit, Christusenergie – lass dir den Kopf nicht verdrehen durch solche Begriffe. Wenn Eileen in Steyerberg ein solches Meditationserlebnis gehabt hat, so heißt das in gar keiner Weise, dass aus den zwei Pionieren der Bewegung Les Temps Nouveaux jetzt unbedingt auch drei werden müssen. Im Gegenteil: Eure Aufgabe, die ihr jetzt so wunderbar erkannt habt, diese Aufgabe verlangt euch beide und kann keinen Dritten gebrauchen.

Wer euren Flyer als „vage“ empfindet, der ist eben noch nicht so weit, dass er euch verstehen könnte. Euer Flyer ist alles andere als vage und in gewisser Hinsicht seid ihr schon sehr, sehr weit gekommen – auch wenn ihr im Grunde noch an den Fundamenten arbeitet. Paradox, nicht wahr? Auf der einen Seite scheint ihr euch wie eben geschlüpfte Küken mit mühsamen Flugversuchen herumzuquälen und zugleich seid ihr bereits Adler, die in ungeheurer Höhe ihre Kreise ziehen. Zu diesen Höhen reicht nicht jeder hinauf. Und deshalb kann euch nicht jeder „sehen“. Solche Leute finden dann euren Flyer vage.

Verschwende also kein Gefühl des Neides. Steyerberg ist eine ganz andere Welt und seine Bedeutung liegt auf einem ganz anderen Gebiet. Konzentriere dich lieber auf eure Sache.

Schreibe einen Kommentar