Dialog 249

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Es ist aber verständlich, dass ihr trotzdem darunter leidet, denn was ihr selber erlebt ist Unvollkommenheit. Das Alte ist ohne Bedeutung für euch, etwas Neues ist noch nicht zur Reife entwickelt, also bewegt ihr euch mehr schwankend als aufrecht gehend ein wenig zwischen beiden Polen.

 

Dialog 249 – 01.01.1987

Monika:
Ich habe bis halb drei Uhr morgens gesessen und eine Planung mit Zielumsätzen aufgestellt. Wenn wir das schaffen, dann sind wir am Ende des Jahres schuldenfrei und haben außerdem noch Rücklagen für Investitionen und Unvorhergesehenes. Von diesem Geld könnte man einen PC und den Häcksler und die fehlenden Gerätschaften für das Land kaufen. Für mich wird der PC immer dringlicher, denn er könnte uns bei der Verwaltung doch enorm helfen, sei es nun Buchhaltung oder Planung. Gibst du mir bitte ein Feedback zu meinem Plan!?

Ch. hat mich eben angesprochen. Sie nimmt Disharmonien zwischen uns wahr. Da bin ich mir nicht sicher, was das sein kann. Okay, ich bin ein wenig neidisch, weil sie die Möglichkeit hat sich auszuruhen, im Gegensatz zu mir. Und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil bei uns Feste wie Heiliger Abend und Sylvester so sang- und klanglos vorübergehen. Das empfinde ich selbst als nicht richtig, habe aber keine Vorstellung davon, wie man es anders machen könnte. Jetzt steht da etwas zwischen uns und das bedrückt mich. Würdest du uns helfen Klarheit darüber zu finden?

Der Plan ist sauber durchdacht und er hat Hand und Fuß. Jetzt müsst ihr versuchen, in auch in euch selber zum Leben zu erwecken. Das bedeutet: Es muss ein inniger Wunsch in euch werden, dieses Ziel und seine Zwischenziele auch wirklich zu erreichen und dem wirklich Priorität einzuräumen. Aus diesem Empfinden heraus werden sich dann auch ganz von selbst Ideen ergeben, wie die Marktziele erreicht werden können. Wobei ihr natürlich Markt nicht allzu wörtlich nehmen dürft: Auf den Märkten alleine wird sich dieses Geld sicherlich nicht verdienen lassen.

Zu deiner Frage mit Ch.:
Natürlich habt ihr noch nicht die Verbundenheit zu mir, dass euch solche Feste wie Weihnachten oder Sylvester wirklich zu einem eigenen persönlichen Fest geraten können. Aber ihr seid auf dem Weg dorthin. Ihr feiert zum Beispiel diese Feste nicht in der herkömmlichen, üblichen Weise, weil das nicht mehr eure Weise ist. Einen eigenen Inhalt habt ihr diesen Tagen aber noch nicht geben können. Einen eigenen Stil habt ihr also noch nicht gefunden. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn ihr bewegt euch ja darauf zu.

Es ist aber verständlich, dass ihr trotzdem darunter leidet, denn was ihr selber erlebt ist Unvollkommenheit. Das Alte ist ohne Bedeutung für euch, etwas Neues ist noch nicht zur Reife entwickelt, also bewegt ihr euch mehr schwankend als aufrecht gehend ein wenig zwischen beiden Polen. Ihr feiert zum Beispiel nicht, aber der Alkohol ist schon noch im Spiel. Der aber gehört, jedenfalls in Unmaßen getrunken, der alten Welt an. In eurer Situation kann das zu inneren Disharmonien führen. Das ist so, als würde man eine fette Fleischwurst essen und anschließend Bauchschmerzen bekommen.

Ihr seid gerade jetzt, wo ihr vielleicht am wenigsten davon zu merken scheint, weiter entwickelt als ihr glaubt. Aber die Dinge haben noch nicht eure Prägung, euren Stil, verstehst du? Alles ist inzwischen in euch angelegt, aber es ist noch nicht zu Formen geworden. Dies aber ist auch wichtig. Darunter leidet ihr also selbst – unmerklich vielleicht – und das ist etwas, was Christiane sehr feinfühlig erkannt hat.

Jörg:
Wenn solche Dinge wie Alkohol und alte Lebensweisen angesprochen werden, fühle ich mich eigentlich immer am direktesten betroffen. Zum Beispiel der Truthahn an Weihnachten: Ich weiß, das sind alte Gewohnheiten, aber bitte – ich habe das Tier gern gefuttert, es hat mir wirklich geschmeckt (und war keine „fette Fleischwurst“, kein Rückfall also für mich in alte, üble Gewohnheiten). Ich sag es ganz ehrlich: Ich würde mich regelrecht zwingen müssen, wenn ich solche Genüsse ganz und gar aus meinem Leben streichen sollte. Es wäre eine Versagung. Und ich weiß nicht, ob das so gut wäre.

Es gibt Dinge, die sollte man sich versagen, will sie einfach zu gefährlich für einen sind. Rauchen gehört dazu. Übermäßig trinken gehört dazu. Drogen aller Art gehören dazu. Da gibt es ja einiges. Wenn dir aber so ein Geflügelbraten solch einen Genuss bereitet, dann wäre es sicherlich falsch, eine gewaltsame Versagung zu erzwingen. Solange dir das Essen bekommt, ist dagegen nichts einzuwenden. Ich habe ja auch nie etwas dagegen gehabt, dass ihr abends hin und wieder (und auch öfter) eine Flasche Wein trinkt. Nur sich zu betrinken, das ist natürlich schlecht. Es wirft euch zurück. Es ist verschwendete Zeit und verschwendete Energie. Und es kann enorm viel Schaden anrichten. Einfach, weil ihr dadurch zum Beispiel im entscheidenden Augenblick nicht aufnahmefähig seid für eine gute, wichtige Idee. Ein Jäger, der Beute machen will, wird ja auch nicht besoffen durch das Gestrüpp stolpern.

ABER: Alles was schmeckt und bekömmlich ist, alles was Geist und Seele beflügelt, das ist erlaubt. Und das KANN unter Umständen auch ein Geflügelbraten sein.

Das Problem bei euch beiden ist in allen diesen Fällen allenfalls, dass ich das rechte Maß nicht kennt. Du würdest zum Beispiel ohne weiteres jeden Monat einen solchen Vogel verspeisen wollen, wenn man dich ließe. Du willst einmalige Genüsse immer so oft wie möglich wiederholen. Und Monika hat ähnliche Züge. Aber grundsätzlich gilt immer: Was euch bekommt, ist auch erlaubt. Versagungen führen selten weiter.

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