Dialog 254

Es ist Rosenzeit.

Es ist Rosenzeit

Meditieren ist wie ein tiefe inneres Dankgebet dafür, dass man glücklich ist. Es kann auch eine tiefe innere Trauer darüber sein, dass man es nicht ist. Aber ein leeres Ritual darf es niemals werden!

Dialog 254 -12.01.1987

Meditationen solltet ihr nicht dann machen, wenn alles andere getan ist und euch sozusagen nichts besseres einfällt, sondern ihr solltet ihnen einen festen Platz einräumen. Und der beste Platz dafür ist am Morgen. Steht auf, wascht euch und dann geht meditieren, das wäre das Beste. First things first, wie ihr es manchmal ausdrückt. Wählt immer den frühest möglichen Zeitpunkt, das ist der beste.

Beten und Meditieren sind die Basis von allem! Ohne meine Hilfe kannst du, Jörg, dein Arbeitstempo auf Dauer nicht durchhalten. Das geht nur, wenn du in meinem Geist lebst, wenn ich dir die Kraft für alles gebe. Und dazu brauchst du das Gebet und die Meditation – was im Prinzip dasselbe ist.

Bei der Gelegenheit rate ich euch übrigens: Meditiert erst und betet dann laut. Das ist besser als umgekehrt.

15.01.1987

Ich habe heute Morgen nach dem Aufstehen nicht gleich meditiert. Ich habe das einfach nicht gepackt, mich in das kalte Zimmer zu setzen und zu bibbern. Ich wollte mich erst innerlich und das Zimmer äußerlich etwas aufwärmen. Und ich fühle mich damit auch okay. Ich glaube, wenn es in mir „stimmt“, dass ich die Meditation will, dann ist der regelmäßig gleiche Zeitpunkt nicht mehr so wichtig. Das ist nicht gut ausgedrückt, aber ich kann es nicht besser sagen.

So ganz stimmt das nicht. Der regelmäßige Zeitpunkt, das also, was eine Handlung zum Ritual macht, hat schon seine Bedeutung. Und oft stellt sich der Erfolg gerade erst dadurch ein, dass man scheinbare (denn es sind immer nur scheinbare) Widerstände überwunden hat, dass man stärker war und dem Willen (des höheren Ichs) eine Bahn geebnet hat.

Es stimmt allerdings auch, dass dies nicht für jedermann gelten muss. Wenn in dir im Grunde der Wunsch zum Meditieren vorhanden ist, dann sucht sich dieser Wunsch, sofern er nur stark genug ist, schon selbst seinen Weg und seinen Ausdruck.

Meditieren solltet ihr übrigens nicht an starre Regeln knüpfen. Jeder hat seine eigene Fasson. Und wenn ihr das Gefühl habt, eine bestimmte Form des Meditierens würde euch nichts „bringen“, dann liegt das daran, dass es nicht wirklich die eure ist. Wer mit einer Meditation unzufrieden ist, der probiere doch einmal ein wenig herum: Nehmt euren Atem als Mantra, denkt an einen schönen Baum, eine Kerzenflamme oder einen schönen Wasserfall oder was auch immer euch als Bild lieb ist und versucht das Bild festzuhalten. Es gibt für jeden eine Form des Meditierens, die „ihm etwas bringt“. Der Fehler liegt eigentlich immer nur darin, dass man sich in irgendeine bereits vorhandene Meditationsform hineinzwängen will, wie in einen schlecht sitzenden Anzug von der Stange. Meditation ist aber immer Maßkleidung!

Man ist immer in einer meditativen Stimmung, das heißt in innerer Harmonie, wenn man glücklich ist. Das solltet ihr auch bedenken. Es genügt also nicht, das Meditieren nur als Ritual zu betreiben, wenn man zugleich unglücklich ist und es bleibt. Meditieren ist wie ein tiefe inneres Dankgebet dafür, dass man glücklich ist. Es kann auch eine tiefe innere Trauer darüber sein, dass man es nicht ist. Aber ein leeres Ritual darf es niemals werden!

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