Dialog 26

Ist denn mein Wirken immer nur eine Feier wert, wenn es euch besonders gut geht? Wirke und helfe ich euch nicht ebenso zu Zeiten, die ihr als hart bezeichnet? Wo wärt ihr wohl heute, wenn ich mich eurer nicht direkt angenommen hätte?

Dialog 26, 11.01.1986

Ich habe eben in der Zeitung die Betrachtungen eines Journalisten gelesen, der, angesichts des Bildes vom Tode dieses kleinen kolumbianischen Mädchens in einem Schlammloch, die wütende Frage stellte, die ja sehr oft gestellt wird: Was ist das für ein Gott, der so etwas zulassen kann? Der zulässt, dass sich Berge bewegen und in Minuten Tausende unter sich begraben. Der es duldet, dass sich seine Menschen gegenseitig zerfleischen und das die Entscheidung über Leben und Tod alles Lebendigen auf der Erde jetzt in den Händen einzelner Mächtiger liegt? Mich hat dieser Artikel sehr berührt und mir waren die Tränen nahe. Ich merke, dass auch mich diese Frage beschäftigt. Darf ich sie dir stellen?

Du darfst, aber ich könnte dir keine Antwort geben, die du verstehen würdest.
Betrachte es einmal auf einer sehr einfachen Ebene: Gestern hat es gestürmt und geregnet. Alles in dir hat dagegen rebelliert, bei so einem Wetter auf den Markt gehen zu müssen, und doch habe ich es von dir verlangt. Deine Vorstellungskraft hat nur bis zu flatternden Plastikplanen und nassen Pflanzentüten gereicht, während es mir dabei um etwas völlig anderes ging. Und als du das begriffen hattest, schien dir meine Entscheidung auf einmal völlig richtig und du bist ihr unverzüglich nachgekommen.

Im Falle dieses kolumbianischen Mädchens liegen die Dinge ähnlich: Du kannst nur wahrnehmen, was du mit deinen Augen erfassen kannst, und dein Verstand kann das, was du siehst, nicht begreifen. Du würdest es auch jetzt nicht begreifen, selbst wenn ich versuchen würde, es dir zu erklären.

Du bist noch bei der allerersten Übung, die jeder Mensch machen muss, der zu mir finden will: Du bist dabei Vertrauen zu lernen. Die aller kleinsten Aufgaben, die ich dir stelle, belasten dich manchmal schon bis an die Grenze deiner Möglichkeiten, wie du gestern wieder gesehen hast.

Versuche deshalb jetzt nicht die großen Fragen der Menschheit beantworten zu wollen. Schon dass du diese frage überhaupt gestellt hast zeigt, dass du nicht einmal die Spur eines Verständnisses dafür hast. Auch schwingt wieder Zweifel und Angst mit ob meiner Existenz. Du stehst noch ganz am Anfang und musst lernen die Augen auf DEINEN Weg zu heften, nicht auf den, den andere Menschen gehen mussten.

Diese Antwort tut mir gut. Denn eigentlich habe ich mich der Frage selber nicht gewachsen gefühlt, die ich da gestellt habe. Ich möchte dir noch sagen, dass ich mich seit gestern, nach diesem schwierigen und doch so wundervollen Tag, reich beschenkt von dir fühle und dass ich dir dafür danken möchte!

Trotzdem sei vorsichtig! Du fühlst dich reich beschenkt und bist ja auch wirklich reich beschenkt worden. Und so ist es nur natürlich, dass du mir jetzt dankbar bist. Entscheidend aber ist dein Gefühl mir gegenüber, wenn alles sich wieder einmal GEGEN dich zu stellen scheint! Das sind die wirklich interessanten Momente, auf die du achten musst. Erst wenn du mir AUCH DANN noch dankbar bist, weil du MEIN WIRKEN erkannt hast, ohne dass du es zugleich für dich bewertet hättest, erst, wenn du ohne zu klagen und ohne zu murren meinen Anweisungen folgst, auch wenn du keinerlei Sinn darin siehst, erst wenn du mir AUCH DANN noch dankbar bist, werden wir miteinander wirklich einen Schritt weitergekommen sein und können uns der nächsten Übung zuwenden.
Für die nächste Zukunft rate ich dir deshalb: Lass dich nicht zu sehr von Dingen ablenken, die du nicht verstehst, und die du in einen Zusammenhang mit mir bringst. Oder wenn es doch geschieht, dann komme damit zu mir, wie du es eben auch getan hast, damit ich dich wieder auf den Pfad zurückbringe.

Später am Tag …
Wir danken dir für die drei tausend Franc, die uns heute so unerwartet ins Haus geflattert sind und möchten dich fragen, wie wir sie verwenden sollen.

Meine Hilfe „flattert nicht unerwartet ins Haus“! Sie kommt, wenn es an der Zeit dafür ist. Ihr dürft jetzt nicht den Fehler machen, euch reich zu fühlen. Deshalb wiederhole ich meine sehr ernst gemeinte Aufforderung, jetzt erst recht die Ausgaben mit mir abzusprechen. Ihr dürft euch sicher und geborgen fühlen in meinen Händen, aber jede unbedacht ausgegebene Summe kann jetzt erst recht schwerwiegende Folgen haben! Dies als Warnung und zum Verständnis dafür, dass ich auch weiterhin jeden Einkaufszettel sehen möchte.

Bei allen Zahlungen, die ihr erhaltet, sollt ihr prinzipiell zunächst an die Rückzahlungen denken, die ihr schuldig seid. In diesem Falle zahlt in unverzüglich per Überweisung tausend Franc auf euer deutschen Konto ein und weitere tausend Franc gehen zurück an S. Das ist mein Wunsch. Tausend Franc könnt ihr für eure laufenden Kosten behalten, wobei die Ausgaben, wie gesagt, mit mir abgesprochen werden müssen.

Gut, dann lege ich hiermit den Einkaufszettel vor.

Die Ausgaben sind in Ordnung. Beim Tierfutter auch Reis kaufen, das senkt die Kosten. Beim Wein sind für heute zwei Flaschen genehmigt, da ich sehe, dass du mit diesem Gedanken liebäugelst. Ihr habt ja immer so eure Art, Dinge „feiern“ zu wollen. Wobei es mich wundert, das niemand auf den Gedanken kommt, mein Wirken auch zu anderen Gelegenheiten zu feiern. Auf meine Weise und in einer Form, die MIR zur Ehre gereicht. Wollt ihr darüber nicht einmal nachdenken?
Ist 
denn mein Wirken immer nur eine Feier wert, wenn es euch besonders gut geht? Wirke und helfe ich euch nicht ebenso zu Zeiten, die ihr als hart bezeichnet? Wo wärt ihr wohl heute, wenn ich mich eurer nicht direkt angenommen hätte?

Ihr solltet auch Monikas Vorschlag unverzüglich in die Tat umsetzen und ab sofort alles, was bei euren Marktverdiensten über 100 Franc liegt, für den Einkauf beiseite legen. DIESES GELD IST DANN FÜR EUCH TABU und muss immer dann, wenn 500 F zusammen gekommen sind, eingezahlt werden. Und nur in Ausnahmefällen, die ICH anordne, dürft ihr es für andere Zwecke einsetzen!

© Monika Laube. Du darfst diesen Artikel zum persönlichen Gebrauch unverändert kopieren und weitergeben, vorausgesetzt dieser Copyright Hinweis steht am Ende des Dokumentes.  Für eine gewerbliche Nutzung nimm bitte Kontakt mit mir auf.

 

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