Dialog 262

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Nach dieser „Welt“ wirst du durch weitere Welten, Schichten, Ebenen gehen, wirst weiter wachsen und diese Erlebnisse immer und immer wieder durchmachen. Es wird dir Schmerzen bereiten. Und indem du sie überwindest, wirst du stärker und reifer für die nächste Ebene.

Dialog 262 -15.04.1987

Monika:
Ich bitte dich um Rat. Seit einer Woche bin ich krank. Ich fühle mich so auf allen Ebenen: Körper, Geist und Seele. Ich bin aber so verwirrt, dass ich nicht weiß, ob ich es zu Papier bringen kann. Angefangen hat es mit einer Konfrontation mit Rebecca, mit demütigenden Erfahrungen bei der Haussuche, mit konstantem Schwächegefühl, Kräfteverfall, einem Gefühl der Überforderung mit der vielen Arbeit auf dem Land, innerlichem Rückzug. Dazwischen immer wieder Rebecca, Trauer und Wut und der Wunsch, diese Beziehung nicht weiterzuführen.

Da ist meine Wahrnehmung, das Rebecca und auch Clarissa mich nicht als Monika sehen, sondern als ich weiß nicht was, als eine viel entwickeltere Person als ich es bin, dass sie von mir ein Verhalten fordern, dass ich nicht bieten kann. Immer wieder der Hinweis, es sei die Art, WIE ich etwas sage. Ich weiß, in meinen Worten ist keine Liebe. Ich weiß es ja. Aber auch mir begegnet man ja nicht mit Liebe, nicht einmal mit Interesse. Und immer wieder der Hinweis auf ein Workshop, das wirkliches Futter gewesen sei, weil voller Liebe. Wer bin ich für diese Leute, wenn sie mit solchen Erwartungen hierher kommen?

Für Rebecca habe ich innerlich eine Tür zugemacht. Aber ich fühle mich schlecht deswegen. Fühle mich schlecht, weil ich ihr diesmal unverhohlen meine Wut und Enttäuschung entgegen geschleudert habe, ohne ihr die Chance einer Annäherung zu geben. Ich will schlicht und einfach nichts mehr mit ihr zu tun haben. Trotzdem bin ich irgendwie unzufrieden mit mir.

Jörg. Ich glaube daran, dass wir Seelenhälften sind. Doch unser Band beruht ziemlich ausschließlich auf unsere spirituellen Gemeinsamkeiten. Der „Alltag“ trennt uns eher. Beide finden wir nicht zusammen, können wir unsere Beziehung nicht als Ganzes erleben. Wir kämpfen gegeneinander. Und doch lieben wir uns. Wenn wir gerade nicht zusammen sind, merken wir das auch. Ich fühle mich verbunden mit Jörg, habe Sehnsucht nach Intimität in unserer Beziehung und verstehe nicht, warum ich ihm nicht sagen kann was ich an ihm schätze.

All das ist ein Versuch, die einzelnen Fäden des Knäuls in mir zu beschreiben. Ich weiß gar nicht, wie du mir raten und helfen könntest, aber ich bitte dich um Kraft. Bitte hilf mir.

Liebe ist spirituelle Reife. Du stehst in einem spirituellen Reifungsprozess, der aber noch nicht abgeschlossen ist. Deshalb bist du tatsächlich zu der sogenannten „wirklichen Liebe“, also der Liebe in meinem Geiste, noch nicht fähig. Das ist an sich nicht schlimm. Die Mehrzahl der Menschen steht in diesem spirituellen Reifungsprozess noch auf sehr tiefer Stufe, was man von dir nicht sagen kann. Schlimm für dich ist aber, dass du dein Manko an Reife beziehungsweise Liebe zu fühlen begonnen hast. Es handelt sich dabei um einen Entwicklungsschritt innerhalb deines Reifungsprozesses, Monika. Man könnte es so ausdrücken:

Du blickst zurück auf dein Leben und siehst die Kälte und die Lieblosigkeit, in der du all deine Jahre verbracht hast, denn die Welt ist noch nicht sehr weit in ihrer eigenen Reife. Diese Kälte spürst du jetzt in deinem tiefsten Inneren und du wirst krank und frierst.

Menschen, die dir jetzt mit Kälte begegnen, machen dich innerlich erschauern und du setzt dich zur Wehr. Zu Recht, denn du befindest dich in einem verwundbaren Zustand. Rebecca ist ein Beispiel dafür. Ihr Egoismus wirkt wie arktische Kälte auf dein Innerstes und du hältst dich von ihr fern. Außerdem bist du so weit entwickelt, dass du Menschen „durchschauen“ kannst und deshalb den Unterschied zwischen echter Anteilnahme und geheuchelter viel besser erkennst als früher. Auch das bewirkt ein Gefühl der Kälte, aber auch der Wut und Enttäuschung in dir.

Es ist gewiss kein sehr angenehmer Zustand, in dem du dich jetzt befindest. Die meisten Menschen haben den inneren Mut nicht (also nicht die nötige Reife) soweit zu gehen, wie du bereits gegangen bist. Sie ziehen es vor, in ihrer Scheinwelt zu bleiben, wo eine eingebildete Sonne scheinbares Licht und Wärme verbreitet. Du bist einen Schritt weitergegangen und siehst die Dinge jetzt realer als viele andere Menschen. Das wirft aber auch Kluften und Abgründe zwischen dir und ihnen auf. Denn du bist über einen Abgrund gesprungen, über den sich viele nicht wagen. Du bist also unerreichbar geworden für sie – aber umgekehrt sie natürlich auch für dich.

Und wie das bei gerade begonnenen Entwicklungsschritten so ist: Es ist immer ein Teil in einem übrig, der sich nach der (scheinbaren) Ruhe und dem (scheinbaren) Frieden des früheren Lebens zurück sehnt. Eine „alte“ Monika in dir steht also gewissermaßen auf der anderen Seite und blickt voller Sehnsucht über den Abgrund zurück nach den Menschen und allem Vertrautem, das sie durch ihren Sprung hinter sich zurückgelassen hat. An dieser inneren Spaltung leidest du im Moment, aber du wirst daran gesunden und dann den Schritt auch vollends gegangen sein.

Als Rat kann ich dir nur dieses mitgeben:
Vergleiche deinen Seelenzustand am besten einfach mit deiner Erkältung. Wenn sich dein Hals wund anfühlt, willst du ihn pflegen. Wenn sich dein Innerstes wund anfühlt, solltest du ebenso verfahren. Quäle dich nicht damit, dass du Rebecca die innere Tür vor der Nase zugeschlagen hast. Es war richtig und vor allem höchste Zeit gewesen! Hättest du noch länger gewartet, hätte sie dich ernsthaft verletzen können. Halte dir, was sie betrifft (oder auch Clarissa,) immer das Bild vor Augen, das ich dir mit dem Abgrund, über den du gesprungen bist, gegeben habe.

Du bist einen gewichtigen Schritt weitergegangen als viele andere Menschen und dort, wo du jetzt bist, da sind außer dir noch nicht viele andere. Du bist in eine neue Bewusstseinsebene eingetreten und musst dich in diesen Sphären erst zurechtfinden. Hinter dir zurückgelassen hast du aber viele andere Menschen deiner ehemaligen Welt. Und das weiß der Teil von dir, der sich noch sehr gut an diese Welt erinnern kann, der eigentlich noch „in ihr lebt“. An diesen Teil klammern sich die Menschen, die dich nicht loslassen wollen, weil sie dich brauchen. Das ist der Zustand in dem du dich befindest und unter dem du leidest. Wenn du erst einmal ganz und gar „drüben“ bist und damit nicht mehr greifbar für die „alte Welt“, wie wir sie hier einmal nennen wollen, dann wird dir leichter werden und du wirst auch mit weniger heftigen Gefühlen auf Menschen zugehen können, die deinen Schritt noch nicht gewagt haben. Das wird zwar immer noch nicht Liebe sein, aber es fühlt sich schon sehr danach an.

Nach dieser „Welt“ wirst du durch weitere Welten, Schichten, Ebenen gehen, wirst weiter wachsen und diese Erlebnisse immer und immer wieder durchmachen. Es wird dir Schmerzen bereiten. Und indem du sie überwindest, wirst du stärker und reifer für die nächste Ebene. Aber dazu kommen wir, wenn es soweit ist.

Über dich und Jörg zu reden, ist jetzt nicht möglich. Das muss ein anderes Mal stattfinden. Jörg, du kannst immer kommen, zu jeder Zeit, das weißt du! Monika, zu dir sage ich nur diesen einen wichtigen Satz: Ihr seid beide über denselben Abgrund gesprungen, aber der Wind der geistigen Ebenen hat euch buchstäblich durch- und auseinander gewirbelt. Ihr habt euch verloren in diesem fremden Land. Und jeder von euch leidet darunter auf seine Weise. Aber ihr werdet euch wiederfinden, soviel kann ich hier ohne weiteres „prophezeihen“.

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