Dialog 263

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Du bist wirklich und was du erlebst, was du kannst und nicht kannst, worunter du leidest und was dich quält, aber auch was dich freut und glücklich machst, das sind die Dinge, die dich formen und deinen Geist voranbringen.

 

Dialog 263 – 16.04.1987

Jörg:
Ich merke, wie ich trotz des schönen Frühlingsmorgens irgendwie missgelaunt bin. Und ich fühle mich alles andere als „angeschlossen“. Hat es überhaupt einen Sinn, dass ich hier sitze?

Gewiss, denn angeschlossen bist du – nur wieweit du ich an dich heranlassen kannst, das wird sich erst noch zeigen müssen. Was willst du wissen?

Wie der Text gestern weitergehen sollte, der Teil, der Monika und mich betraf.

Ich habe euch schon gesagt: Gesprungen seid ihr beide fast zur gleichen Zeit. Das ist erstaunlich und ein gutes Zeichen. Denn es gab innerlich keinerlei Abstimmung darüber bei euch. Jeder hat den Schritt auf seine Weise getan (oder den Sprung, wenn du so willst) und doch ist es gleichzeitig geschehen.

Ich muss da unterbrechen. Von was für einen Sprung ist denn eigentlich die Rede? Ich persönlich fühle mich eher, als hätte ich einen Satz nach hinten gemacht, als dass ich einen Schritt vorangekommen wäre.

Das gehört dazu, das wirst du noch sehen. Mit Sprung meine ich einen Entwicklungsschritt in eurem spirituellen Wachstum. Leib und Seele sind noch nicht soweit, deshalb die scheinbaren Widersprüche, deshalb die Selbstzweifel etc. Aber dazu kommen wir noch. Ihr seid ein bisschen sensibler geworden, seid ein Stück weit aufgestiegen. Euer Geist hat nach feineren Sphären verlangt, das ist alles.

Ihr habt einen ganz normalen Entwicklungsschritt gemacht, von der Art wie noch viele vor euch liegen. Aber diese Dinge lösen in einem Menschen, gerade wenn er darauf nicht vorbereitet war, wahre Revolutionen aus: Leib und Seele geraten hoffnungslos in Aufruhr – siehe nur Monikas Erkältung oder deine Leiden mit Suchtgefahren zurechtzukommen. Auch sind Leib und Seele hartnäckig, wenn es darum geht alte Positionen zu halten, und sie haben starke Verbündete: Den Verstand, die Erziehung, die Erfahrung und all diese Dinge, die euch alle zuflüstern, dass ihr euch auf dem Irrweg befindet und umkehren solltet.

Euer Geist aber ist reifer als Leib und Seele. Er ist ihnen immer voraus, wenn er das wünscht, und kehrt zu ihnen zurück, wenn er das will, aber er ist frei von allen Einflüsterungen. Und euer Geist ist weiter gewandert, hat sich entschlossen, einen Schritt nach vorne zu gehen.

Der Grund: Ihr habt wieder einmal – wenn auch ganz unbemerkt von euch selber – eine Lektion gelernt. Eine Lektion in Vertrauen. Das überrascht euch vielleicht, aber dennoch ist es so. Ich werde das nicht weiter ausführen, denn es ist nicht der Zeitpunkt dafür. Es genügt, dass es so ist.

Aber wie ich gestern schon sagte: Der Sprung hat euch durch- und auseinander gewirbelt. Die Belastung für Leib und Seele ist bei einem geistigen Entwicklungsschritt ungeheuer und jeder von euch ist vollauf damit beschäftigt, sich wieder selbst zusammenzusuchen. Das geht schon eine ganze Weile so, aber es wird vorübergehen. Dann werdet ihr euch wieder näher sein.

Es ist außerdem kennzeichnend für euren derzeitigen Entwicklungsstand, dass ihr viele Disharmonien spürt. Der Geist ist weiter als Leib und Seele. Wenn auch eure Geister mühelos zueinander finden können, Leib und Seele sind schwerfälliger, bieten dem Wind des Wachstums mehr Angriffsfläche und neigen deshalb dazu, in stürmischen Zeiten eher auseinanderzutreiben als zusammenzufinden. Das ist in etwa eure Situation.

Da ihr aber Seelenhälften seid, ist es eure Aufgabe zusammenzufinden und in Einheit zu verschmelzen. Um euren Geist braucht ihr euch dabei weniger zu kümmern. Aber Leib und Seele könnt ihr trainieren: Versucht Harmonie in eure Gefühlswelt zu bringen, diese Welten aufeinander abzustimmen, indem ihr mehr miteinander über eure Gefühle redet. Und was die Körper betrifft, so wisst ihr ja Bescheid.

Es ist klar, dass ihr bei solchen Übungen nicht über euren Schatten springen könnt. Aber andererseits ist es eben auch so: Je länger ihr den Geist von Leib und Seele getrennt lasst, umso härter wird die Zeit für euch beide gemeinsam, umso länger zieht sich euer gemeinsames geistiges Wachstum hin.

Wenn du ein „Loch“ siehst, wo Jörg sein sollte, Monika, dann zeigt das deine innere Entfernung von deiner eigenen Seelenhälfte. Es zeigt die derzeitige Ungleichzeitigkeit von Leib und Seele bei jedem von euch und bei euch gemeinsam. Es ist euer Weg zusammenzufinden, aber wann und wie – darüber lasse ich mich hier nicht aus.

Was ist mit den Suchtgefahren? Wenn ich Rotwein trinke, denke ich manchmal: „So wirst du niemals einen Schritt weiterkommen“, aber gleichzeitig kann ich nichts dagegen machen. Oder doch?

Es stimmt nicht, dass du niemals einen Schritt weiterkommen würdest, denn bei all dem lernst du ja. Werte nicht. Schätze das reine Leben eines erdachten Vorbildes nicht höher ein, als dein eigenes reales Leben. Kennst du einen wirklich reinen Menschen? Oder hast du nur Vorstellungen von ihm?

Du bist wirklich und was du erlebst, was du kannst und nicht kannst, worunter du leidest und was dich quält, aber auch was dich freut und glücklich machst, das sind die Dinge, die dich formen und deinen Geist voranbringen.

Wenn du nicht anders zu können glaubst, als dich an die Flasche zu hängen, dann ist das ebenso richtig und wichtig, al wenn du den aufrichtigen Beschluss gefasst hättest, niemals mehr einen Tropfen anzurühren. Jetzt ist „Flaschenzeit“ und ein anderes Mal ist eben eine andere Übung dran Aus kosmischer Sicht sind sie alle gleich wichtig und gleich-wertig gut.

Ist das eine Aufforderung sich gehen zu lassen?

Oh nein. Ein „Sich gehen lassen“ gibt es im Grunde nicht. Du tust immer genau das, was auf dem Stundenplan steht. Nicht weil du das so gewollt hast, sondern weil dein Geist nach Erfüllung sucht und nur er die kosmischen Gesetzte kennt, denen er untersteht. Er alleine weiß, was als nächstes gelernt werden muss, und er bedient sich deines Leibes und deiner Seelenhülle für diesen Zweck. Wenn also jetzt Rotweinzeit ist, dann nicht weil du ein Schwächling wärst, sondern weil darin eine Lektion enthalten ist.

Natürlich kann das Ergebnis dieser Lektion sein, dass du dich eines Tages wie ein Schwächling fühlst und angeekelt vor die selber stehst, wenn nicht schlimmer. Aber dazu muss es nicht kommen. Du bist durch die kosmischen Gesetze, denen du unterstehst, nicht determiniert! Dein Geist hat die Aufgabe sich zu erfüllen, das ist sein Ziel. Es gibt keine festgeschriebene Form, wie dieses Ziel zu erreichen ist. Deshalb hast du sehr wohl Einflussmöglichkeiten.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Diesen Satz kennst du ja. Er bedeutet unter anderem auch, dass Disharmonie besteht, wenn Geist und Leib (und Seele) nicht zusammenwirken. Das ist der Punkt Solange bei dir oder Monika diese Disharmonien bestehen, solange Geist, Leib und Seele nicht eins sind, solange werdet ihr nur sehr langsam vorwärts kommen und es wird viel Leid geben. Ihr hättet aber die Chance ZUSAMMEN schneller und leichter als alleine eure innere Einheit herzustellen, denn zu zweit geht es einfacher als alleine. Und ihr seid nun einmal dazu bestimmt Eins zu werden und werdet noch viele Leben lang gemeinsam wandern. Je eher ihr also diese Möglichkeit nutzt, umso mehr wird es euch helfen. Eine Übung für Leib und Seele.

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