Dialog 270

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… gibt es stets zwei mögliche Verlaufsformen einer Behandlung: Die eine stellt direkt die innere Harmonie des Menschen wieder her und wirkt so unmittelbar auf die Symptome UND deren Ursachen ein, wobei sie die Ursachen auflöst und die Symptome damit verschwinden lässt. Oder sie wirkt nur auf die Ursache. Dann kann der Prozess sich verkomplizieren, wie es hier der Fall ist. Verdrängte Ursachen schieben sich schmerzhaft in das körperliche Bewusstsein und der Heilungsprozess wird vor allem für den Klienten langwieriger und schwieriger.

Dialog 270 – 21.06.1987

Monika: J. kam heute zur zweiten (Reiki-) Sitzung und es ging ihm sehr viel schlechter, er hatte Schmerzen und wirkte bedrückt. Mein erster Gedanke war, dass dies ein Ausdruck dafür ist, dass der Heilungsprozess eingesetzt hat.

Doch ich bin natürlich noch sehr unsicher mit solchen Einschätzungen und ich frage mich, ob meine Wahrnehmung richtig ist? Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nichts Schlimmes sein kann, denn die Ärzte hatten bei ihm nichts feststellen können.

Während der Behandlung habe ich mich bemüht sehr aufmerksam zu sein. Beim Herzchakra und Solarplexus wurde mir ganz heiß, aber mir ist nicht klar, ob diese Wahrnehmung mich betrifft oder ob ich die Stellen gefunden hatten die besonders intensiv behandelt werden sollten.

Mir selbst geht es auch nicht gut. Ich habe jeden Abend sehr schmerzhafte Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich und  bin immer noch erkältet. Heute war ich bis zur Energie-Sitzung so erschöpft und traurig, dass ich fast daran verzweifelt bin.

Bitte glaube nicht, ich wolle mich beklagen. Ich spüre ja deine Nähe. Aber ich weiß einfach nicht und verstehe nicht, warum mein Kanal zu dir immer noch verstopft ist. Mich beunruhigt, dass ich keinen Zugang mehr zu meiner Intuition habe. Ich bin einfach total verwirrt, kann nichts mehr richtig spüren, außer meiner Traurigkeit, die mal mehr und mal weniger stark ist.

Sogar jetzt während ich dies schreibe fühle ich in mir nichts als Traurigkeit und Leere. Meine Worte kommen mir hohl und nicht vom Herzen kommend vor.

Es ist richtig, dass ein Prozess eingesetzt hat, der zur Heilung führen kann. Es muss es aber nicht. Und das ist das Risiko bei dieser Art der Behandlung. Hier muss sich der Heiler fragen: „Bin ich stark genug, die Behandlung auch über die Krise hinwegzuheben?“ Denn wie du weißt, gibt es stets zwei mögliche Verlaufsformen einer Behandlung: Die eine stellt direkt die innere Harmonie des Menschen wieder her und wirkt so unmittelbar auf die Symptome UND deren Ursachen ein, wobei sie die Ursachen auflöst und die Symptome damit verschwinden lässt. Oder sie wirkt nur auf die Ursache. Dann kann der Prozess sich verkomplizieren, wie es hier der Fall ist. Verdrängte Ursachen schieben sich schmerzhaft in das körperliche Bewusstsein und der Heilungsprozess wird vor allem für den Klienten langwieriger und schwieriger.

Es ist ein Zeichen von Stärke deinerseits, dass die Behandlung diesen Verlauf nimmt. Denn nur, wenn der Heiler als Kanal wirklich offen ist kann so viel Energie fließen, dass selbst hartnäckige Widerstände durchdrungen und aufgeweicht werden, so dass „die frische seelische Wunde wieder anfängt zu bluten“.

Du solltest dir aber auch offen selbst die Frage stellen, ob du die Kraft und überhaupt die Möglichkeit hast, deinen Klienten durch die möglicherweise kommende Krisenzeit zu begleiten? Das setzt nämlich folgendes voraus: Der Klient muss erstens die Zeit und zweitens die Bereitschaft für die Behandlung haben. Ist das sichergestellt, muss sich der Heiler dieselbe Frage stellen: „Habe ich die Zeit und bin ich wirklich innerlich bereit dazu?“ Vor allem aber braucht der Heiler in Fällen wie diesen vollkommene eigene seelische Unversehrtheit.

Dieser Punkt wird nämlich in der Reiki-Lehre viele zu ungenau und im Grunde sogar falsch dargestellt. Es trifft nicht zu (!), dass die Behandlung in jedem Falle sowohl für den Klienten als auch für den Heiler eine positive Erfahrung, sozusagen eine erfrischende Energiedusche ist. Das gilt allenfalls in den einfach gelagerten Fällen, wo die Behandlung direkt auf Ursache und Symptome einwirkt und beides zur Auflösung bringt, bevor sich Widerstände im Patienten regen können! (Beispiel: Jörgs Hexenschuss. Du hast ihn sozusagen geheilt bevor die Ursachen sich ausbreiten und wie ein Krebsgeschwür Tochtergeschwulste bilden konnten. Ergebnis: Die innere Harmonie wird zumindest soweit wieder hergestellt, dass die Symptome abklingen.)

In schwierigeren Fällen genügt der Energiedurchfluss, den der Heiler schicken kann, unter Umständen nicht, um dieses Ergebnis zu erzielen. Stattdessen wird das Problem nur angeschnitten, es kommt praktisch zu einer“ inneren seelischen Blutung“ und nun heißt es für beide bei der Stange zu bleiben – oder rechtzeitig genug abzubrechen. Ist nämlich der Heiler selbst nicht wirklich unversehrt, hat er selber eine wunde, offene Stelle in seiner Bauchmitte, dann kann durch diese seelische Öffnung auch Krankheit in ihn eintreten!

Du selber bist an deinem seelischen Körper nicht unversehrt und deshalb hast du einen Teil von J.’s Problemen aufgenommen. Nicht  so viel (das sei betont), dass du in Gefahr gekommen wärest, noch in Gefahr kommen würdest auch wenn du die Behandlung zu Ende führst, aber doch genügend für ein recht ansehnliches körperliches Unbehagen und seelischen Kummer.

Wenn ihr beide, Klient und Heiler, durch die ganze Behandlung geht, wirst du ihn heilen und er dich, da die Behandlung auch wieder zu deiner Ganzheitlichkeit beiträgt. Brichst du aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt ab, wäre das für beide Seiten schlecht. Dann besser gleich abbrechen, wobei ich in diesem Falle zu einer abschließende „abklingenden“ Behandlung raten würde, eine, die die geöffnete Wunde behutsam wieder „zunäht“.

Diese Entscheidungen musst du selbst treffen. Das kann ich nicht für dich tun.

Ich gebe dir aber abschließend dazu noch ein anderes Bild zum Verständnis von (Reiki-) Energie-Behandlungen: Einfache Probleme sind einfach gelagert, sie sind einschichtig und manchmal schon mit einem einzigen Energiestoß aufzulösen. Du kannst dir das vorstellen, wie einen Blitz aus einer Laser-Kanone, der eine Aluminiumfolie so mühelos durchdringt, wie das Licht die Dunkelheit. In solchen Fällen empfinden sowohl Klient wie auch Heiler ein Wohlsein und die Symptome klingen in der Regel sofort ab und kehren nicht mehr zurück. Sie sind nicht etwa abgetrennt oder getötet worden, wie bei einer herkömmlichen Therapie, sondern der Licht- und Energieschub hat direkt auf das harmonische Zentrum im Menschen eingewirkt und sein Selbstheilungskräfte aktiviert.

In anderen Fällen aber liegt unter der Ursache eine zweite und vielleicht auch noch dritte, vierte und so weiter. Das Problem ist vielleicht sehr vielschichtig und diese Schichten bilden einen harten Panzer. Trifft der Licht- und Energiestrahl auf diese Abwehrfront, löst er zunächst lediglich die ersten Schichten auf, mehr oder weniger, je nach Kapazität des Heilers. Bei wirklich schwierigen Fällen durchdringt der Strahl aber niemals alle Schichten auf einmal.

Folge (wie hier der Fall): Es brechen alte, völlig in Vergessenheit geratene und tief verdrängte Wunden auf und der Heiler muss immer wieder neu Energiestrahl um Energiestrahl auf diesen Unruheherd richten, bis alle Schichten durchdrungen und das Problemzentrum „zerstört“ wurden. Das ist für den Klienten unter Umständen eine sehr harte Zeit, doch sie wäre in jedem Falle dem vielleicht lebenslangen Leiden vorzuziehen, das sonst die Folge wäre, wenn es ihm nicht gelingt, seine innere Harmonie auf eine andere Weise wieder herzustellen – denn es gibt ja nicht nur die Reiki-Energie als Behandlungsmöglichkeit.

Für den Heiler ist diese Zeit dann anstrengend und schwierig, wenn sein Energiezentrum in der Bauchmitte ein Loch aufweist, durch das der „aufgewühlte seelische Schmutz“ des anderen eindringen kann.

Wenn du selbst nicht weißt, was du tun sollst, rate ich dir dazu, ein Gespräch mit deinem Klienten zu führen. Hast du dann den Eindruck, dass er unbedingt die Behandlung fortsetzen möchte, dann wäre das auch für dich eine gute Therapie, weil es deine Unversehrtheit wieder herstellen würde am Ende. Zögert der andere aber, dann solltest du (in deiner jetzigen Verfassung) nicht weiterbehandeln, sondern die Therapie in der oben vorgeschlagenen Weise ausklingen lassen.

Zu deinen konkreten Fragen: Herzchakra und Solar Plexus wurden heiß, wie du es empfunden hast. Das heißt aber nicht, dass diese Punkte besonders viel Behandlung benötigen, sondern im Gegenteil besonders wenig! Es sind sehr entscheidende Punkte für die Krankheit und Vorsicht ist angebracht. Du hast gewissermaßen sofort den Finger auf die Wunde gelegt, wenn auch ohne es zu wissen. Dir fehlt noch die Erfahrung mit diesen Dingen. Wenn du also wieder auf eine solche Stelle stößt, so streichele sie nur behutsam mit deiner Energie. Dieser Anstoß genügt meistens völlig und er bewahrt dich vor einer zu großen Belastung, der er unweigerlich ausgesetzt wird, wenn er zu lange an diesen Punkten verweilt.

Überhaupt sollte die Behandlung, wenn du auf solche „heißen Punkte“ stößt, von der üblichen Form eher abweichen. Sie sollte weniger lang dauern und von ihrer Art her eher ein seelisches Streicheln mit Energie sein. Erst wenn Klient und Heiler spüren, dass erste Stabilisatoren gebildet worden sind, kann die Behandlung wieder zur normalen Struktur zurückkehren.

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