Dialog 271

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Und es gibt da etwas in jedem von euch beiden, das weiter sehen kann, als ihr das mit euren Gefühlen und eurem Verstand tun könnt. Und dieses Etwas hat sich gegen eure Pläne zur Wehr gesetzt. Nennt es euren Geist, wenn ihr wollt.

 

Dialog 271 – 28.06.1987

Monika:
Wir verbringen fast überhaupt keine Zeit mehr auf unserem Land. Ich selbst schaffe es nicht, meine Zeit so einzuteilen, dass alle Bereiche, also Haus, Garten und Land abgedeckt sind. Einfach deshalb, weil ich oft sehr kraftlos und schnell erschöpft bin. Das löst Schuldgefühle in mir aus und ich habe Angst, dass mich die Naturgeister nicht mehr akzeptieren werden.

Wenn ich es nicht schaffe, die Dinge richtig für mich zu ordnen, dann weiß ich nicht werden soll, wenn Jörg wirklich im Herbst eine Ausbildung im Gartenbau machen sollte.

Jörg:
Ich quäle mich wegen dieses Platzes auf dem Markt in Concarneau freitags. Irgendwie verletzt es mich tief, dass es mir nach fast 2 Jahren Marktmachen dort noch immer nicht gelungen ist, auch nur den miesesten Platz fest zu bekommen. Immer wieder bin ich an diesem Idioten von Placier gescheitert, aber auch an anderen, die einfach stärker waren als ich und sich vorgedrängelt haben – und das geschieht noch heute.

Jetzt wäre theoretisch die Möglichkeit für den Sommer einen halbwegs brauchbaren Platz zu bekommen – wenn der Placier mitmachen würde, und wenn die Frau „besiegen“ kann, die sich dort schon einzunisten begonnen hat. Ich frage mich, was ich tun und wie ich vorgehen soll. Soll ich mich mit Haut und Haaren in diese Aufgabe stürzen und alles versuchen, um diesen Platz zu bekommen? Oder sehe ich diese Dinge verzerrt? Und wenn nicht, wie sollte ich vorgehen? Dem Placier und dieser Frau den Krieg erklären? Oder was soll ich tun?

Ich spüre irgendwie, dass diese Dinge für mich unerhört wichtig sind, aber ich weiß auch, dass ich mich bei so etwas leicht verrennen kann. Deshalb bitte ich dich um Rat.

 

Jörg, dass du bis heute noch keinen Platz hast, das ist tatsächlich ein Hinweis auf deine Schwäche. Du hast deinen Willen in keiner Weise so geschult, wie das möglich gewesen wäre. Auf anderen Gebieten bist du recht weit gekommen (Pflanzensensibilität), aber ansonsten liebst du es immer noch dich gehen zu lassen und schwach zu sein.

Jetzt lässt sich das natürlich nicht einfach alles nachholen und schon gar nicht erzwingen. Du kannst nicht einfach so tun, als hättest du einen starken Willen. Das würde in einem Desaster enden.

Tu was du kannst und ein bisschen mehr. Das ist immer der richtige Rat. Nutze Gelegenheiten, wenn sie sich dir anbieten. Aufmerksamkeit ist eine der Grundvoraussetzungen seinen Willen zu schulen. (Du aber träumst viel zu viel und verpasst oft wichtige Gelegenheiten.) Aber erzwinge nichts. Ob du mit dem Placier sprichst oder mit der Frau ist deine Sache. Dazu kann ich dir keine Hinweise geben. Nimm das Ganze lieber als Lehre für dich.

Das Problem mit dem Platz ist ein gutes Beispiel für richtiges und falsches Leben:
Um einen Platz zu bekommen, genügt es in manchen Fällen nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Man muss vielmehr seinen unbeugsamen Willen auf diese eine Sache richten! Den Menschen will ich sehen, der sich einem solchen Willen widersetzen könnte. Es gibt nicht allzu viele davon.

Es gibt natürlich auch nicht allzu viele Menschen, die einen wirklich unbeugsamen Willen haben, wenn sie auf ein Ziel lossteuern, aber dennoch ist ihre Zahl bedeutend größer. Und von euch beiden gehört keiner dazu. Ihr seid noch viel zu schnell entmutigt, gebt viel zu früh auf, wenn sich die Dinge nicht nach Wunsch (oder Traum) entwickeln. Ihr jammert und klagt, anstatt euren Willen zusammenzunehmen.

Wenn mich etwas entmutigt, dann sind es solche vorwurfsvollen Reden. Ich habe immer das Gefühl, „erst hängt er die Trauben ordentlich hoch, so dass keiner rankommt und dann liest er uns die Leviten, weil wir es wieder mal nicht geschafft haben“.
Ich kenne meine Schwächen, die Punkte also, wo ich mich mehr zusammenreißen könnte. Aber dass ich es nicht tue, hat doch sicher auch seine Bedeutung für mich, oder nicht?

Schon. Aber auf dem Weg möchte ich dich nicht weitergehen sehen. Dann bräuchtest du mich nicht. Denn blind vor sich hin stolpern kann jeder. Dazu bedarf es keiner Führung.

Sieh einmal zu, für den Freitag eine Portion Willen aufzubringen. Eine Extra-Portion. Und dann sieh zu, ob du damit etwas ausrichten kannst. Tue aber nicht mehr in dieser Hinsicht, als du dir wirklich zumuten kannst. Damit will ich sagen: Plustere dich nicht größer auf als du bist, wenn du dich mit jemanden anlegen willst. Prüfe im richtigen Moment was möglich ist und was gleich getan werden muss, dann tue das und fertig, zurück in die Ausgangsstellung. Wenn sich wieder so ein Moment ergibt, tust du es genauso. Vorspringen, handeln und zurück auf deine Position. Du machst oft den Fehler, dich viel zu weit auf „feindliches Gebiet“ vorzuwagen. Dann stehst du da verloren auf einem riesigen Feld, von allen Seiten angreifbar, mit praktisch keiner Rückzugsmöglichkeit. Und anstatt wenigstens einzusehen und sich schrittweise und vorsichtig zurückzuziehen, gehst du dann auch noch weiter und immer weiter vor.

Ich wähle dieses Bild so, weil sich dir deine Welt als ein Kampfplatz darstellt. Andere Menschen erleben die Welt anders und ein jeder hat sein typisches Bild. Wer auf einem Kampfplatz steht muss aber, wenn er heil bleibe will, seine Kräfte genau kennen. Er weiß dann, wie weit er vorwärtsgehen und wann er zurückgehen muss. Und er würde – schon gar nicht, wenn er sich schwach fühlt – niemals außer Sichtweite der eigenen Reihen gehen, denn diese Reihen bedeuten eine sehr wichtige Sicherheit.

Überprüfe dein Leben einmal unter diesen Gesichtspunkten:
Wieviel weißt du von deinen Kräften?
Wie oft unter –oder überschätzt du dich?
Wie oft ist dir wirklich klar, wann du etwas Bestimmtes tust?
Und wie oft stattdessen findest du dich in einer Situation wieder wie einer der aufwacht und nicht weiß, wo er sich befindet?
Wie oft konntest du in deinem Leben bisher einen wirklich starken (wenn auch nicht unbeugsamen) Willen entwickeln? Und was war das Ergebnis?

Monika, als ihr das Landprojekt angefangen habt, hattet ihr Ideen im Kopf. Diese Ideen betrafen vor allen Dingen euch und weniger das Land. Ihr habt es (be)nutzen wollen. Ich meine, dass ihr das inzwischen auch selber recht gut wisst.

An sich ist ja nichts Schlechtes daran, aber es passt nicht zu EUCH. Und es gibt da etwas in jedem von euch beiden, das weiter sehen kann, als ihr das mit euren Gefühlen und eurem Verstand tun könnt. Und dieses Etwas hat sich gegen eure Pläne zur Wehr gesetzt. Nennt es euren Geist, wenn ihr wollt.

Wenn ihr das Land erfolgreich bearbeiten wollt, dann muss es uneigennützig geschehen. Das muss nicht bedeuten, dass man von dem (oder generell von einem) Land nicht leben können darf, im Gegenteil. Aber für euch ist es erst einmal wichtig, dass ihr das Land nicht verplant noch bevor ihr überhaupt mit ihm vertraut geworden seid.

Naturgeister werden dich, Monika, niemals ablehnen! Das solltest du wissen. Nur, wenn du natürlich nicht mehr auf dem Land zu sehen bist, „vergessen“ sie dich natürlich mit der Zeit. Aber sie lehnen dich nicht ab, das kannst du mir ruhig glauben. Sei der Natur nicht böse, wenn sie sich das Stückchen Land wieder geholt hat. Sie hat es nur in „Verwahrung“ genommen, solange ihr nicht da sein könnt. Und sie wird es euch gerne zurückgeben, wenn ihr wieder Zeit habt.

Mach dir also keine Vorwürfe. Du hast nun einmal nicht mehr Zeit als dir zur Verfügung steht. Allenfalls könnte man aus meiner Sicht sagen, dass du die Zeit falsch verwendest. Aber das muss eben aus deiner Sicht zur Zeit so sein.

 

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