Dialog 276

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Hier liegt eine Aufgabe vor euch allen dreien. Ich werde kein weiteres Wort mehr dazu sagen, außer: Legt keine herkömmlichen Maßstäbe an, sondern behandelt die Sache als wichtige Aufgabe.

 

Dialog 276 – 03.08.1987

Jörg:
Ich habe heute Marie kurz auf dem Markt gesehen. Ich dachte, da sei nichts mehr, aber das stimmt so nicht. Jedes Mal wenn ich sie sehe, gerät irgendetwas in Wallung in mir. Dabei ist es eigentlich nicht die Frau selber, da bin ich mir fast sicher. Da ist irgendetwas anderes. Aber was?

Als ich sie das erste Mal sah, war ich wie vom Donner gerührt gewesen. Es war mit, als habe ich jemanden getroffen, den ich genau kannte. Das letzte Mal ist mir das mit Monika passiert. Als sie die Tür ihrer Wohnung öffnete, wusste ich irgendwie, dass sie „die Richtige“ ist. Ich war mir bei Monika von vornherein sicher gewesen, dass SIE es ist. Nun ist aber bei der Marie etwas ganz ähnliches passiert: Ich sah sie und wusste instinktiv, da ist ein Mensch, der dich etwas angeht.

Dass wir eine kurze, heftige Liebesbeziehung hatten, finde ich irgendwie weniger relevant. Aber ich weiß, dass da etwas ist. Doch ich weiß nicht, wie ich das alles einordnen, begreifen soll. Ich weiß nicht, welchen Platz das in meinem Leben hat. Welchen Platz es in unserem Leben hat. Ich bin, wie du weißt, ziemlich durcheinander.

Ja, glaubst du denn, du könntest das einfach so abstellen, wie es dir passt? Ich habe diese Sache eingefädelt, und ich alleine weiß warum. Ich habe Marie deinen Weg kreuzen lassen, weil das für euch alle drei von großer Bedeutung ist. Für dich, für Monika und für Marie. Und diese Sache ist noch NICHT zu Ende.

Ich kann dir zu der Beziehung mit Marie nicht alles sagen, was du wissen willst. Aber ich sage dir das Entscheidende, damit du die Sache ernst nimmst:
Du bist deshalb „wie vom Donner gerührt gewesen“, als du Marie das erste Mal getroffen hast, weil du sehr genau wusstest, dass es nicht das erste Mal gewesen ist. Du kennst sie schon lange und du warst bereits einmal mit ihr verheiratet.

Jetzt spiele nicht den Überraschten, das habe ich dir doch schon vor zwei Stunden gesagt.

Ihr seid erneut zusammengetroffen weil das für sie, für dich und für Monika von Bedeutung ist. Von welcher Bedeutung kann ich euch nicht sagen. Nur: Hier liegt eine Aufgabe vor euch allen dreien. Ich werde kein weiteres Wort mehr dazu sagen, außer: Legt keine herkömmlichen Maßstäbe an, sondern behandelt die Sache als wichtige Aufgabe.

Was heißt das für mich?

Eine feige Frage.

Ich hatte eigentlich mit dieser Affäre abgebrochen …

Es IST keine „Affäre“!

Ich hatte eigentlich mit dieser Beziehung abgebrochen …

Lüg nicht so herum. Sie hat das getan.

Stimmt zum Teil …

Stimmt hundertprozentig.

Jetzt hast du mich völlig aus dem Konzept gebracht.

Eben. Wenn mir das nur öfters gelänge. Dann wären wir schon weiter.

Ich möchte, dass du an Marie etwas lernst und dass Marie an dir etwas lernt. Ihr beide seid euch lange nicht mehr begegnet. Doch du hast ihr ebenso etwas zu geben wie sie dir. Ich möchte weiterhin, dass Monika aus dieser Situation etwas lernt. Und ich will, dass sie Marie willkommen heißt, wenn ich möchte, dass sie auch ihren Weg kreuzt.

Es handelt sich nicht um eine kleine Privat-Affäre, sondern um ein wichtiges Stück Entwicklung für euch alle drei. Ich will, dass ihr das durchlebt, mit allem was dazugehört.

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