Dialog 277

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Du machst deine Sache insoweit gut, als du dich fast nur noch mit deiner unmittelbaren Welt auseinandersetzt und dafür viel weniger als früher in der Zukunft herumgeisterst. Das erspart viele Kümmernisse. Außerdem träumst du erfreulich viele Tagesträume, in denen es um so schöne Dinge wie Glück, Gesundheit, Wohlstand und auch Reichtum geht, wenngleich du dich hier immer noch recht dilettantisch anstellst.

 

Dialog 277 – 05.08.1987

Jörg:

Monikas Traurigkeit hat mir gestern sehr zugesetzt. Ich finde es sehr niederdrückend, wie Monika mit unserer Situation umgeht, aber ich frage mich zugleich auch: Stecke ich vielleicht einfach nur den Kopf in den Sand, um die Dinge nicht so sehen zu müssen, wie sie sind?

Für mein Gefühl malt Monika sich alles in überdüsteren Farben aus. Außerdem hat sie Angst davor, wie es weitergehen soll – also Angst vor der Zukunft.

Ich merke, dass es mir anders geht. Wenn ich nicht gerade den Kopf in den Sand stecken sollte, dann sehe ich doch öfters und leichter die schönen Seiten an unserem Schicksal hier. Und ich lasse trübe Gedanken manchmal gar nicht mehr erst zu. Wenn dann jemand kommt und ich muss mich mit solchen Gedanken doch beschäftigen, dann trifft mich das jedes Mal sehr schmerzhaft.

Meine Frage ist nun: Mache ich mir etwas vor, wenn ich manche Dinge, die möglicherweise zu einem Problem werden könnten, nicht mehr zulasse, also einfach die Augen vor ihnen verschließe, mich weigere, dass sie mich belasten dürfen? Oder verhalte ich mich richtig. Wobei, so ganz richtig kann da etwas aber auch nicht sein, denn ich benutze doch den Alkohol, um dem Druck auf meine Weise zu begegnen, oder?

Du tust Monika Unrecht, wenn du meinst, sie male sich alles in überaus düsteren Farben aus. Eher sollten wir sagen: Sie stellt sich ihrer Angst und ihren Sorgen bereitwilliger als du.

Du wiederum steckst aber auch nicht den Kopf in den Sand. Es ist richtig, was du sagst. Du hast inzwischen gelernt, dich nicht mehr über Gebühr von jedem hergelaufenen Gedanken quälen zu lassen. Du lebst schon immer öfter im Hier und Jetzt als früher und die Sorgen der sogenannten Zukunft haben es viel schwerer als früher an dich heranzukommen,

Aber Angst hast du natürlich dennoch. Außerdem – und das ist das Entscheidende – hat dein sehr intensives Leben der letzten Monate bei dir viele Panzerungen aufgeweicht. Du bist viel sensibler für dich selbst geworden. Das ist ein großes Problem von dir. Du lebst ein sehr gespaltenes Leben. Du und du ihr seid selten eins – regelmäßig eigentlich nur nachts im Schlaf. Tagsüber aber wird der eine sorgfältig hinter dicken Türen verschlossen, während der andere Bursche sich auf den Weg in den Tag macht. Alkohol spielt vor allem als Schutz vor dir selbst eine Rolle. Deswegen habe ich auch nie geraten, ihn einfach abzusetzen.

Du machst deine Sache insoweit gut, als du dich fast nur noch mit deiner unmittelbaren Welt auseinandersetzt und dafür viel weniger als früher in der Zukunft herumgeisterst. Das erspart viele Kümmernisse. Außerdem träumst du erfreulich viele Tagesträume, in denen es um so schöne Dinge wie Glück, Gesundheit, Wohlstand und auch Reichtum geht, wenngleich du dich hier immer noch recht dilettantisch anstellst.

Anstatt die Träume gezielt zu träumen, um ihren Energiegehalt  nutzen zu können, träumst du sozusagen ohne wirklichen Glauben an die Wirklichkeit dieser Träume. Aber vielleicht wirst du das auch noch lernen.

Jedenfalls bist du inzwischen viel mehr als jemals zuvor davon überzeugt, dass alles, was ihr wirklich benötigt, auch bereitgestellt wird, wenn es an der Zeit dazu ist. Dass sich eure Vorstellungen davon was benötigt wird, sich von den meinen unterscheiden können, ist dir inzwischen auch klar.

Insofern bist du einen Schritt weitergekommen als Monika und sie wird diesen Schritt erst noch aufholen müssen. Du siehst eher Fülle dort wo sie nur Mangel sehen kann!

Über diesen Satz solltest du, Monika lange und gut nachdenken. Er enthält sehr viel an Botschaft, viel mehr als du ihm auf den ersten Blick ansehen kannst. Er ist wichtig für euch und ganz besonders für dich.

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