Dialog 281

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Entdecke das Wunderbare, das der Atem dich lehren kann. Einatmen und Ausatmen. Geboren werden, leben und sterben. Und wieder neu geboren werden. Das eine muss so leicht sein, wie das andere. Das musst du lernen, das musst du üben. Und dabei wirst du viele, viele Entdeckungen machen und Einsichten gewinnen.

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Dialog 281 – 15.08.1987

Monika:
Bei den ersten Atemübungen ist mir folgendes aufgefallen: Ich scheine besonders mit dem Einatmen Schwierigkeiten zu haben, es war anstrengend und blockiert, wogegen das Ausatmen pures Vergnügen war und in mir einen Zustand prickelnden Wohlseins auslöste.

Ich nehme an, die Schwierigkeiten beim Einatmen durchziehen auch alle anderen Ebenen meines Lebens, wie nicht auftanken können, nichts annehmen können etc., infolgedessen auch nie genug Kraft zu haben, all die Dinge durchzuhalten, in die ich Energie fließen lassen möchte.

Gestern Abend haben wir einen Film über das Leben von Elvis Presley gesehen. Der Verfall dieses Mannes und seine Hilflosigkeit, die Dinge in die Hand zu nehmen, das hat mich tief erschüttert. Wir beide litten mit ihm und besonders Jörg wurde von Schmerz überwältigt. Jörg hat erkannt, dass er das gleiche Schicksal haben kann. Er sagt, er habe bereits resigniert. Und er hat sich so in dieses Gefühl von Resignation und Trauer um sein Leben vergraben, dass ich große Angst um ihn bekommen habe.

Gleichzeitig war mir, als sei das alles schon einmal geschehen und damals hat Jörg wirklich resigniert. Jetzt hat er eine neue Chance.

Es kann aber auch sein, dass es nur eine Erinnerung an meinen Vater war. Der hatte auch resigniert und sich völlig aufgegeben. Ich spüre, dass ich diesem Schmerz lange ausgewichen bin. Und nun erlebe ich ihn mit Jörg wieder.
Kannst du mir helfen, meine Beziehung zu meinem Vater zu klären? Ich empfinde einen tiefen Groll gegen ihn. Es gab so viele Verletzungen durch ihn und Enttäuschung über seine Schwäche. All dies taucht immer wieder auch in der Beziehung zu Jörg auf und ich bin dann nicht mehr in der Lage, zwischen den beiden zu unterscheiden.

Ich glaube, die ungelösten Probleme mit meinem Vater hindern mich auch daran mich dir ganz zu übergeben. Mein Vater hat mich oft hereingelegt und seinen Spaß auf meine Kosten gehabt, so habe ich es als Kind jedenfalls empfunden. Vielleicht habe ich auch dir gegenüber eine Angst das Gleiche zu erleben. Ist es möglich, meinen Vater verstehen und lieben zu lernen? Und dann frei zu sein dich zu lieben? Und Jörg?

Zu deinen Erfahrungen mit dem Atmen: Es ist noch zu früh, ich in etwas einweihen zu wollen. Du musst selber für dich zu gewissen Einsichten kommen. Ich kann nichts vorweg nehmen. Doch das ist richtig: Einatmen ist gleichzusetzen mit leben wollen, aufnehmen und annehmen können ist empfangen, ist Energie, ist Gott. Ausatmen ist geben, ist entspannen, ist aber auch Tod.

Entdecke das Wunderbare, das der Atem dich lehren kann. Einatmen und Ausatmen. Geboren werden, leben und sterben. Und wieder neu geboren werden. Das eine muss so leicht sein, wie das andere. Das musst du lernen, das musst du üben. Und dabei wirst du viele, viele Entdeckungen machen und Einsichten gewinnen. Lass alles ganz ruhig geschehen, warte auf nichts Bestimmtes, sondern atme einfach ruhig, tief und bewusst. Denke an mich dabei und stelle dir vor, dass es nicht Luft ist, was du einatmest, sondern reine Energie, Lebenskraft.

Zu deinem Vater: Eines Tages wird es dir möglich sein, an deinen Vater ohne Groll zu denken. An diesem Tag wirst du fähig sein zu lieben. Und an diesem Tag wirst du ein weiteres Mal geboren worden sein, wird dein Leben erst richtig beginnen, wirst du es in seiner Ganzheit und unendlicher Fülle ausschöpfen können.

Das geht aber nicht, indem du versuchst dein Verhältnis zu deinem Vater zu „klären“. Es gibt nichts zu klären außer deinem Verhältnis zu dir selbst. Und daran arbeiten wir ja gerade. Du hast mit den Atemübungen eine wichtige Bitte im richtigen Augenblick an mich gerichtet.

Mein wichtigster Rat an dich lautet deshalb: Atme. Zurzeit kann dir das alles sagen, was du wissen willst. Denke nicht zu viel nach über das was dir dabei widerfährt, sondern lass es einfach geschehen. Dann wird die Pforte sich eines Tages ganz leise und unbemerkt öffnen. Und wie ein Kind, das einen neuen, unbekannten hellen und lichten Pfad entdeckt hat, wirst du Schritt für Schritt auf dich selber zugehen.

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