Dialog 283

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Betrachtet es doch einmal als eine geistige Übung von mir: Aus praktisch nichts heraus entstand in euren Köpfen eine Idee, es nahm also eine Energie Form an Das tut sie seit dem immer wieder aufs Neue – wenn man sie nicht lähmt.

Dialog 283 – 21.08.1987

Monika:
Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, meine Empfindungen in Form von Worten widerzugeben. Ich habe mich den ganzen Tag sehr seltsam gefühlt, wie gelähmt irgendwie. Ich bin von unendlicher Traurigkeit und Mutlosigkeit erfüllt, gegen die ich nicht ankomme. Es sind nicht so sehr Gedanken, eher ein Schleier, der sich über mich gelegt hat. Ich fühle mich seelisch und körperlich schwach, so als würde ich mich im Zeitlupentempo auflösen. Das macht mir Angst. Bitte hilf mir. Ich möchte so gerne verstehen, was mit mir passiert.

Mit unserem geschäftlichen Vorhaben fühle ich mich sehr unwohl. Ich finde es irgendwie hohl. Es fehlt mir der Nutzen für die Verbraucher. Reicht es denn wirklich aus, so etwas nur um des Tuns und des Geldes wegen zu machen? Alles scheint zu stocke oder gar nicht machbar zu sein. Zum Beispiel die Quarkleute, die sich sehr engagiert haben und sehr kooperativ sind, hätten die es nicht verdient, dass sich ihre Mühe in Erfolg niederschlägt? Stattdessen sieht es so aus, dass sie mit den Preisen der größeren Konkurrenz nicht mithalten können. Selbst ihr bestes Angebot reicht nicht aus, dass wir Lieferanten dafür interessieren könnten. Sicher, ich weiß, auf dem Markt gewinnt, wer stärker ist. Doch es macht mir viel Kummer diesen Leuten eine Absage erteilen zu müssen, nur weil es sich nicht um einen Marktriesen handelt, der mit Dumpingpreisen leben könnte.

Auch der Brief an die hiesigen Ketten, den ich heute schrieb, kam mir so leer und uninteressant vor. Ich hatte große Mühe mit dem Schreiben, war voller Widerstand.

Ach, ich bin völlig verwirrt. Nichts geht mehr. In meinem Kopf ist ein solcher Schlamassel, dass ich nicht mehr fassen kann, was in mir vorgeht. Ich fürchte wirklich, meinen Verstand nicht mehr gebrauchen zu können. Es ist, als würde es mit der Koordination zwischen den einzelnen Gehirnzellen nicht mehr klappen. Da sind Fetzen, immer wieder Fetzen, aber ich bin nicht in der Lage etwas damit zu machen.

Ich kann dir zu deinem inneren Zustand nicht alles sagen, was es dazu zu sagen gäbe, denn es sind Prozesse, die durchlebt werden müssen, ohne zugleich zu wissen warum. Das würde ihre Bedeutung für dich verringern.

Nur so viel:
Dein innerer Zustand und die Weise, wie du die Dinge zurzeit siehst, hängen miteinander zusammen, bedingen sich also gegenseitig. Du siehst zum Beispiel eine gewisse Hohlheit in den Geschäftsansätzen, die ihr geknüpft habt. Du siehst sogar mehr, als dir eigentlich bewusst ist. Und das macht dich traurig bzw. führt diesen inneren Zustand mit herbei. Du siehst aber auch Hohlheit und Leere in anderen Bereichen, oft ist dir das gar nicht so klar, und auch das macht dich traurig.

Aber: Das Geschäft zum Beispiel ist trotzdem machbar. Es ist nicht so, dass dem Geschäft beziehungsweise seiner Idee noch etwas wirklich Entscheidendes fehlen würde. In euch fehlt etwas Wichtiges: Der unbedingte Wille, die Idee auch zu realisieren. Dann nämlich käme auch das Räderwerk in Gang, aus dem Ideen sprießen.

Es genügt natürlich nicht, etwas nur „um des Tuns und des Geldes willen“ zu machen. Daraus spricht nämlich Resignation und mit solch einer Stimmung lässt sich kein Geschäft betreiben.

Betrachtet es doch einmal als eine geistige Übung von mir: Aus praktisch nichts heraus entstand in euren Köpfen eine Idee, es nahm also eine Energie Form an Das tut sie seit dem immer wieder aufs Neue – wenn man sie nicht lähmt.

Es ist eine spirituelle Übung für euch, denn ihr steht hier vor einem sehr typischen Problem von euch beiden. Selten bringt ihr etwas Angefangenes zu Ende, weil euch nach einer gewissen Zeit der „Sinn“ zu fehlen scheint und ihr euch fragt, warum ihr dieses oder jenes eigentlich überhaupt tun sollt. Die Frage nach dem Sinn ist zwar richtig. Doch so wie ihr sie stellt hat sie nur den Effekt jeden Schwung zu bremsen.

Ihr kommt diesen Dingen näher, und zwar besser und schneller, wenn ihr euch weniger nach dem Sinn fragt, sondern häufiger fragt, was ihr für das Gelingen der Sache tun könnt.

Eure Geschäftsidee ist eine Aufgabe, die letztlich ICH euch gestellt habe. Ich habe euch aber nicht aufgefordert, einen bestimmten Sinn in dieser Aufgabe zu suchen, sondern sie zu erfüllen. Das ist ihr Sinn, denn nur dadurch erschließt sich euch der Weg der Kraft, den ihr sucht.

Wenn du also jetzt Schwachstellen glaubst auszumachen an eurer Idee oder an eurem bisherigen Vorgehen, dann setze sie in positive Kritik um. Auch das ist eine Übung.

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