Dialog 289

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Nur ein liebevoll und über einen längeren Zeitraum gepflegter Biogarten kann im Kleinen eine Stabilität entwickeln, die ihn weitgehend gegen die zerstörenden Einflüsse von außen schützt.

Dialog 289 – 10.09.1987

Monika:
Hier im Garten herrscht eine große Raupenplage. Ich bin sehr unglücklich über das Ungleichgewicht, das hier im Garten herrscht. Ich verstehe nicht, warum sich kein Vogel blicken lässt. Für die Vögel ist das doch Nahrung und vor ein paar Wochen haben sie sich noch in Scharen hier eingefunden, um im frisch gejäteten Boden nach Nahrung zu suchen.

Was kann ich nur für die armen Kapuzinerkressen tun, die völlig von Raupen zerfressen sind? Den Kohl musste ich verkompostieren, weil er voller Raupeneier war. Nun bin ich mir nicht sicher, ob das so eine gute Idee war. Denn was ist, wenn die Raupen ausschlüpfen und auf Nahrungssuche gehen? Jörg meint, der Kohl müsse in den Abfall. Aber  da wehrt sich alles in mir, das wäre eine solche Verschwendung wertvollen Pflanzenmaterials. Gibt es eine Möglichkeit, die Eier im Kompost durch einen Tee oder ähnliches zu vernichten?

Gestern habe ich die Not der Kressen nicht mehr mit ansehen können und habe viele Raupen abgelesen, um sie dann mit heißem Wasser zu überbrühen. Damit will ich heute die Pflanzen spritzen. Aber was mache ich mit den Eiern im Kompost. Außerdem, heute sind die Kressen schon wieder übersät mit Raupen.

Das Ungleichgewicht in eurem Garten entspricht dem Ungleichgewicht in der Natur. Es ist deshalb schwierig, jetzt im Kleinen mit Einzelmaßnahmen die Dinge wieder ins Lot bringen zu wollen. Nur ein liebevoll und über einen längeren Zeitraum gepflegter Biogarten kann im Kleinen eine Stabilität entwickeln, die ihn weitgehend gegen die zerstörenden Einflüsse von außen schützt. Dann könnten Pflanzenkräfte euren Garten mit einer Mauer aus Energie umgeben.

Aber so weit sind wir noch nicht. Und ich möchte auch nicht, dass du bei diesen Worten jetzt Maßstäbe aus Findhorn anlegst, dich vergleichst und Ähnliches erreichen willst. Du hast einen Garten vorgefunden, der an Armut von pflanzlichen Kräften kaum noch zu überbieten war. Und du darfst mir glauben: Dein diesjähriges Ergebnis ist bereits ein ganz erstaunlich gutes. Andere hätten das nur mit chemischer Hilfe erreichen können und nicht einmal das.

Also: Auch wenn immer noch vieles im Ungleichgewicht ist und die Krankheiten dir zu schaffen machen, betrachte dein bisheriges Ergebnis mit Freude und sei gewiss, dass du bereits viel Hilfe aus dem Naturreich bekommen hast.

Dass sich die Vögel nicht mehr blicken lassen, ist auch ein Ergebnis des allgemeinen, großen Ungleichgewichts in der Natur. Die Vögel haben sich bereits zurückgezogen für dieses Jahr. Sie nähern sich den Menschen – du musst das mal beobachten – nur für einen ganz bestimmten Zeitraum des Jahres freiwillig. Dann ziehen sie sich in die unbewohnteren Landschaften zurück. Es versteht sich, dass man hier im Winter zu seinen Gunsten mit Futterstellen und im Frühjahr mit Nistkästen sehr gut eingreifen kann.

Raupeneier im Kompost sind nicht gut. Es gibt keinen Tee und auch kein andere Mittel sie zu vernichten. Jörgs Vorschlag mit dem Abfall war im Prinzip schon richtig. Wenn es auch eine gewisse Verschwendung pflanzlichen Materials ist, so wäre die Zerstörung von Pflanzen doch durch noch mehr Raupen nicht kleiner. Nur muss man so etwas ja nicht gleich auf den Abfall tun. Den Kohl in Plastiktüten sammeln und zum Beispiel zu Leuten bringen, die Hühner halten, wäre das nicht eine Idee? Oder ihn zum Müllplatz fahren und dort am Rande der Landschaft übergeben, denn dort gibt es eher raupenfressende Tiere als in eurem Garten.

Ihr müsst akzeptieren, dass sich jetzt noch manche Schwierigkeiten nicht so einfach beheben lassen. Dafür hat der Mensch die Natur schon zu sehr zerstört. Aber auf Dauer lässt sich da schon einiges erreichen.

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