Dialog 292

20141117_100610

Es gibt für alles einen Zeitpunkt. Und wenn er gekommen ist, ergibt sich die Entscheidung auf einmal wie ganz von selbst. Man merkt es und fühlt sich innerlich froh und glücklich darüber, wie von einer Last befreit und geht den Schritt gerne – auch wenn der nächste noch immer nicht feststeht.

Dialog 292 – 22.09.2014

Jörg:
Mir ist mit dem Markt und unserer Situation manches noch nicht so ganz klar. Einerseits glaube ich sicher, dass ich innerlich den Markt bereits abgeschlossen habe und ihn nur noch mache, um das nötigste Geld zu verdienen. Bis uns die richtige Idee gekommen ist, wir eine Lösung gefunden haben. Das ist für mich durchaus auch ein Vertrauensbeweis, denn ich weiß ja, dass ich dort nur das Nötigste zum Leben verdienen kann. Das Vertrauen bestand für mich darin, dass sich die Dinge schon zur richtigen Zeit für uns richtig entwickeln würden.

Andererseits aber nagt auch der Zweifel an mir, dass meine Marktakitvitäten nichts anderes sind als schlichtes Nicht-loslassen-wollen. Dass ich also in Wahrheit alles andere als Vertrauen habe und mir einfach der Mut fehlt, damit endgültig Schluss zu machen und meine dadurch freigesetzte Energie auf neue Ziele richte, ob ich sie nun kenne oder nicht.

Monika meint, wenn ich wirklich frei wäre von Angst, dann hätte ich schon längst das Auto ausgeräumt und sauber gemacht. Und da ist was dran. Solange ich nicht sehe was werden wird, was werden soll, habe ich irgendwie auch schon ganz schön Angst. Auch wenn sie längst nicht mehr so präsent ist, wie das früher der Fall war. Ich würde eher sagen, es ist nicht wirklich Angst, sondern ich habe zurzeit einfach nicht den Mut, einfach aufzuhören und mit null Geld in der Tasche zu sagen: „Jetzt wollen wir doch mal sehen wie es weiter geht. Das fühlt sich für mich nicht richtig an.

Du hast wahrscheinlich schon selbst beim Schreiben gemerkt, wie unklar es bei dir in deinem Inneren bei diesem Punkt noch aussieht. Von allem stimmt ein wenig: Du sagst ja und du sagst nein. Du hast ein bisschen Angst und doch auch wieder Mut. Du hast Vertrauen, aber nicht hundertprozentig. Kurz und gut: Das ist noch nicht der Augenblick um endgültig aufzuhören. Er kann bald kommen, aber er ist noch nicht da.

Es gibt für alles einen Zeitpunkt. Und wenn er gekommen ist, ergibt sich die Entscheidung auf einmal wie ganz von selbst. Man merkt es und fühlt sich innerlich froh und glücklich darüber, wie von einer Last befreit und geht den Schritt gerne – auch wenn der nächste noch immer nicht feststeht.

Auf diesen Augenblick, den ihr möglichst zeitgleich wahrnehmen solltet, müsst ihr noch warten, so wie es aussieht.

Der richtige Augenblick kann ganz überraschend kommen: Auf einmal ist er da! Er kündigt sich oft durch ein plötzliches Gefühl tiefer Freue an und auf einmal weiß man, was zu tun ist und hat seine innere Ruhe gefunden. Dann geht es nicht mehr um Angst oder Mut. Dann ist alles klar und voller Zuversicht.

Es kann aber auch sein, dass die Umstände einen praktisch dazu zwingen müssen. Das ist meistens nicht so erfreulich. Doch in dem fortgeschrittenen Zustand in dem ihr bereits seid, würde es nicht bis zum Allerletzten kommen müssen. Und sogar in solch einem Falle könntet ihr den Druck der Umstände (die sich zunächst nur negativ darzustellen scheinen) sehr rasch zu eurem Vorteil transformieren. Ihr würdet erkennen: „Jetzt ist der Augenblick gekommen“ und mit einem Gefühl tiefer Freude im Herzen, sondern mit etwas Beklommenheit im Herzen, würdet ihr euch auf den Weg machen.

Falsch wäre es, gegen seine innere Stimme den Schritt zu tun. Wenn du das Gefühl hast, du bist noch nicht soweit, obwohl du eigentlich innerlich abgeschlossen zu haben glaubst, dann bist du eben noch nicht soweit. Innerlich abgeschlossen hast du dann allerdings auch nicht.

Innerlich abgeschlossen hat nur dein Verstand. Alles andere zögert noch. Es ist wie der Schorf auf einer Wunde, den man gerne abkratzen möchte, obwohl man weiß, dass die Wunde darunter noch nicht ganz verheilt ist. Kratzt man zu früh, blutet es wieder.

Schreibe einen Kommentar