Dialog 306

Winterromantik

Alles mir zu übergeben ist vergleichbar mit der Erschöpfung eines Kranken, dessen körperliche Widerstandskräfte so sehr geschwächt sind, dass er in sein Kissen zurückfällt und ihm einfach „alles gleichgültig“ ist.

Dialog 306 – 17.11.1987

Jörg:
Ich habe eine sehr konkrete Frage. Wir haben kein Geld, aber ohne Geld können wir nicht leben. Jedenfalls nicht solange wir in Riec sur Belon wohnen. Das Haus kostet Miete, Strom, Heizung etc. und wir benötigen Lebensmittel. Wir schränken uns bereits an allen Ecken und Enden ein, aber trotzdem entstehen laufend irgendwelche Kosten. Heute müssen wir eine Gasflasche kaufen, gestern war es Benzin. Kurz und gut: Was wir tun zurzeit ist, wie Monika es ausdrückte, Schecks ausschreiben und beten. Ist das aber richtig so? Ist das in deinem Sinne oder machen wir etwas falsch?

Für mich sieht es halt so aus: Man kann genau solange Schecks ausstellen, wie die Bank das duldet. Ich bin bereit das zu machen, aber dann hätte ich gerne von dir einen klaren Hinweis.

Du willst dich absichern, nicht wahr? Du verstehst das als ein „alles Gott übergeben“. Er soll seinen Segen geben und dann sind wir aus dem Schneider. Soll er sich doch dann mit der Bank rumärgern. Schließlich war das ja alles sein Idee, oder nicht?

Zugegeben, das ist schlau gedacht. Aber es gehört mit dazu, dass ihr diese Anspannung auch erlebt und trotz dieser Anspannung unbeirrbar im Glauben bleibt. Wo der Glaube noch ein zartes Pflänzchen ist, kann er in diesem rauen Klima am besten und dauerhaftesten heranwachsen und sich festigen.

Schau mal: Wie du selbst sagst, sind mit eurem Leben in Riec bestimmte Kosten verbunden, um die man nicht herum kommt. In dieser Lage ist es (sofern man keine andere Lösung gefunden hat!) sicherlich die einzige Lösung „Schecks auszustellen und zu beten“. Aber die Verantwortung dafür müsst ihr schon selber übernehmen.

Mir alles zu übergeben hat eine andere Bedeutung. Mir alles zu übergeben bedeutet zu akzeptieren was da auch immer kommen mag. Gleichzeitig ist es auch so ziemlich das Gegenteil dessen was ihr zurzeit tut. Denn alles mir zu übergeben heißt auch, in vollkommenem inneren Frieden zu leben. Ihr habt jetzt Angst, fühlt eure Nerven bis zum Zerreißen gespannt, wartet und rechnet ständig mit der Katastrophe, wartet auf ein großes Wunder, könnt vor Anspannung kaum mehr richtig schlafen. Das ist NICHT alles mir übergeben. Es ist die Vorphase.

Alles mir zu übergeben ist vergleichbar mit der Erschöpfung eines Kranken, dessen körperliche Widerstandskräfte so sehr geschwächt sind, dass er in sein Kissen zurückfällt und ihm einfach „alles gleichgültig“ ist. Er hat gekämpft, er hat verloren – jetzt mag mit ihm geschehen was will, es ist ihm einfach egal. So etwa fühlt sich der Moment an, jedenfalls in den meisten Fällen, an dem man bereit ist mir wirklich alles zu übergeben. Das hat nichts gemein mit deiner trickreichen Frage von weiter oben, sondern ist ein ganz anderer Zustand.

Es kann aber auch anders kommen. Manche Menschen finden leichter zu mir. Manche schaffen den Sprung über den Graben (um es einmal so auszudrücken) im tiefen Gebet bei vollkommener Versenkung, in einem Zustand der Meditation oder in einem Augenblick wirklichen, vollkommenen Glücks. Aber dazu war immer ein Leben voller Übung notwendig, oft viele Leben.

Man soll sich keine Vorbilder suchen, um es „auch so machen zu wollen“. Jeder, der zu mir kommen will, muss seinen eigenen Weg finden und gehen.

Ich muss aber noch einmal konkret fragen: Ist es in deinem Sinne, ist es dein Wunsch, dass wir im Dezember die Miete nicht mehr bezahlen können?

Ich bin prinzipiell immer bereit konkrete Fragen auch konkret zu beantworten, das weißt du. Aber hier muss ich eine Ausnahme machen. Ich kann DIESE Frage nicht so beantworten, wie du es jetzt gerne hättest. Auch wenn du mir dann vorwirfst, ich würde ausweichen.

Es gehört mir zu meinem Plan, dass ihr die volle Verantwortung für euer Tun übernehmt! Das ist kein Widerspruch zu der Aufforderung, alles mir zu übergeben. Im Gegenteil: euer Fehler ist zurzeit, dass ihr das „Alles Gott übergeben“ mit einem Abwälzen der Verantwortung verwechselt. Wenn du das jetzt nicht verstehst, dann beschäftige dich mit dem, was ich hier sage. Du musst es begreifen lernen.

Ich bin ratlos. Ich bin einfach ratlos.

Das ist eine sehr gute Voraussetzung dafür mir näher zu kommen! Solange du noch Rat weißt, hältst du dich für schlauer als mich und brauchst mich nicht, auch wenn du so tust. Wenn du wirklich ratlos bist, dann bist du nahe daran mir alles zu übergeben. Aber dazu musst du erst alle Karten ausgespielt haben. Und schon gar nicht darf da noch ein heimliches As in deinem Ärmel stecken!

Steckt da noch eines?

Viele. Ein wichtiger Fehler von dir ist beispielsweise deine innere Haltung, die sich etwas in dem Satz ausdrücken lässt: „Das kann er doch unmöglich wirklich so wollen!“ Diese Haltung lässt dich denken: „Also gut, leiden wir halt noch ein bisschen weiter. Irgendwann wird sich der Irrtum schon aufklären und dann geht es uns wieder besser“. Das ist ein Nicht-akzeptieren-wollen meines Planes. Das ist NICHT alles mir übergeben. Das sage ich nicht als Vorwurf, sondern es ist einfach ein Hinweis. Ein Hinweis auf den Punkt, an dem du dich gerade befindest. Fast jeder muss diesen Punkt passieren, bis er begriffen hat: „ER will das so“!

Konkrete Fragen zu eurem täglichen Leben waren zu bestimmten Zeiten richtig und notwendig. Und ich habe sie euch gerne beantwortet und euch ganz konkret geholfen. Aber heute geht es um andere Dinge, habt ihr anderes zu lernen. Jetzt ist euer nächster Schritt alles mir übergeben zu lernen. Und da sind Fragen der oben gestellten Art nicht mehr zulässig.

Es ist wichtig, dass ihr wisst: Leid muss nicht unbedingt sein, wenn es darum geht zu mir zu finden. Aber fast kein Mensch schafft es ohne! Leid ist der beste Lehrmeister. Man kann nicht zufrieden und satt im Lehnstuhl sitzen und gleichzeitig auf dem Weg zu mir sein.

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