Dialog 312

photocd021

Wir müssen aber an den Punkt kommen, wo ihr „den Tiger in euch“ heraus lasst. Wo ihr wirklich die Kraft kennenlernt, die ihr eigentlich habt. Diese Kraft bin ich.

Dialog 312 – 10.12.1987

Jörg:
Unsere finanzielle Situation fühlt sich an wie eine Schlinge um unseren Hals, die sich langsam zuzieht. Ich gestehe, ich habe langsam wirklich Angst. Meine Gebete helfen zwar. Ich fühle mich nicht allein mit alledem. Aber trotzdem stellt sich mir die Frage: „Was können und was müssen wir tun?“ Es ist doch sicherlich nicht in deinem Sinne, dass wir einfach die Hände in den Schoß legen. Ich weiß aber nicht mehr, was ich nun tun könnte.

Der Geschäftsführer vom Intermarché ist nicht erreichbar für uns, alle übrigen (Arbeits-) Angebote zielen erst in den Januar hinein und sind auch noch gar nicht realisiert. Wir brauchen aber JETZT Geld oder doch zumindest die Aussicht darauf, welches zu verdienen.

Soll ich, abgesehen vom Intermarché in Moelan, schon an andere Märkte gehen? Und wie müsste ich vorgehen? Soll ich verstärkt nach kurzfristiger Arbeit suchen und wenn ja, wie und wo? Kannst du uns in diesen Fragen helfen? Oder ist es dein Wille, dass wir durchleben, was wir eben zurzeit durchleben?

Und eine Frage zu den drei Dingen, die da ins Rollen gekommen sind:
Das Heim in Q., das so interessiert klang. Was soll ich tun, wenn der mich einstellen will, bevor sich die anderen entschieden haben?
Die Sprachschule: Da handelt es sich um einen kleinen Aushilfsjob, aber es hat mich stark angesprochen. Immerhin habe ja schon mal einen solchen Aushilfsjob angenommen und es wurde alles andere als ein Aushilfsjob daraus. Kann es sein, dass auch hinter diesem bescheidenen Angebot mehr steckt?

Ich bin wirklich durcheinander im Moment. Ist diese Schule wirklich meine Sache oder laufe ich da wieder in die falsche Richtung? Ich bin mir wirklich zurzeit nicht über meine Motive im Klaren. Bitte bringe doch etwas Ordnung in das ganze Durcheinander in mir!

Zuerst zum zweiten Teil deiner Frage. Ordnung schaffst du am besten selbst dadurch, dass du erst einmal abwartest, wie die Dinge sich entwickeln werden. Du brauchst dir im Moment wirklich nicht den Kopf zu zerbrechen, wem du den Vorzug geben sollst. Noch hat dich doch niemand zu irgendetwas aufgefordert. Also: Lass das alles sich erst einmal entwickeln. Denke nicht so weit voraus, sondern befasse dich mehr mit dem Hier und Jetzt. Und damit zur ersten Frage.

Was ihr erlebt hat zwei Ebenen, von denen ihr vorzugsweise nur die eine seht. Eure Frage, was ihr tun sollt, zeigt das. Natürlich habt ihr den Wunsch eure Situation zu halten, Bedrohungen irgendwie abzuwenden, es nicht zur Katastrophe kommen zu lassen.

Es ist aber wichtig, auch die andere Seite zu sehen: Dass ihr so wenig tun zu können scheint, liegt ja auch daran, dass ihr nicht eure wirklichen Möglichkeiten einsetzt. Die Kraft, die euch zur Verfügung stehen könnte, ist wie ein Tiger, den ihr in einem Käfig eingesperrt habt. Und statt seiner lasst ihr nur ein Kätzchen los.

Wir müssen aber an den Punkt kommen, wo ihr „den Tiger in euch“ heraus lasst. Wo ihr wirklich die Kraft kennenlernt, die ihr eigentlich habt. Diese Kraft bin ich. Und erst, wenn ihr nur noch auf mich zurückgreifen könnt, wird diese Kraft frei werden. Ihr habt Angst, weil ihr noch etwas zu verlieren habt.

Aber zugleich sage ich euch: Sorgt euch nicht! Ich führe euch Schritt für Schritt und jeder Schritt wird gangbar sein für euch. Ihr werdet in keinem Morast versinken, wenn ihr bei mir bleibt. Aber bestimmte Erfahrungen müsst ihr einfach durchmachen, wenn ihr lernen wollt. Eines Tages werdet ihr für diese Lektionen sehr dankbar sein, denn immerhin lernt ihr bewusst, das heißt, ihr macht nicht nur die Erfahrungen (wie jeder Mensch), sondern bekommt auch noch das Feedback dazu, mit ihr eure Erfahrungen auch verarbeiten könnt. Es kostet aber etwas, diese Abkürzungen gezeigt zu bekommen.

Konkret zu deinen Fragen:
Versuche unter allen Umständen erst in Kontakt mit dem Geschäftsführer des Intermarché zu kommen. Nur, wenn dir dies nicht gelingen sollte, darfst du einen anderen Weg gehen.

Vergesst nicht: Ihr bekommt alles, was ihr braucht um weiterzukommen. Das ist nicht unbedingt identisch mit dem, was ihr glaubt zu brauchen, um unbehelligt leben zu können. Wenn ihr eine Ebene durchschreiten und auf die nächste kommen wollt, dann werde ich euch schon mit allerlei behelligen müssen.

Gut. Dann behellige ich dich jetzt auch: Auf dem Konto ist nicht mehr genug Deckung, um den Kredit bezahlen zu können. Das heißt automatisch: Die Bank wird sich in wenigen Tagen schriftlich bei uns melden und uns auffordern, das Konto sofort auszugleichen – was wir nicht können …

Wer sagt das denn? Ware es doch erst einmal ab!

Und weiter: Florians Essensgeld für die Kita ist fällig, der Benzintank ist leer und wir haben nicht mehr viel zu essen im Haus. Dürfen wir, wenn solche Dinge anstehen, trotz unserer Lage einen Scheck ausschreiben oder nicht?

Solange ihr diese Möglichkeit habt, ja. Natürlich immer eingedenk der Verantwortung, die ihr damit eingeht.

Das verstehe ich nicht.

Zu wissen, dass man immer noch sein Scheckbuch hat, verführt immer auch zu einer Art unechten Sicherheit. Manche Erfahrungen mögen sich dadurch unnötig in die Länge ziehen. Aber wir sollten hier abbrechen. Du verstehst mich im Moment nicht richtig. Vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt?!

Schreibe einen Kommentar