Dialog 315

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Gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Tue jeden Tag das, was getan werden muss, dann wirst du lernen und vorankommen und daran wachsen.

Dialog 315 -21.12.1987

Jörg:
Seit wir das Land haben, hatte ich mehr als einmal feste Vorsätze gehabt, dort endlich meine/unsere Ideen zu realisieren. Aber irgendwie stand immer etwas dazwischen. Zurzeit zum Beispiel brauche ich alle meine Zeit, um Behörden und andere Institutionen zu besuchen, weil unsere Situation das verlangt. Und wenn es das nicht ist, dann ist es etwas anderes. Ich bin praktisch nur noch da draußen, um Holz zu machen oder zu holen.

Aber das Seltsamste an dieser Sache ist für mich, dass es mir einfach nicht gelingen will, unsere Pläne für das Land für mich einmal zu visualisieren! Ich strenge mich richtig n und versuche meinen Ideen eine Form zu geben, versuche mir das Land in dem gewünschten Endzustand bildlich vorzustellen – aber es geht nicht!

Ich habe schon von Anfang an Schwierigkeiten damit gehabt „unser Land“ zu sehen, habe es immer wieder versucht und komme einfach nicht weiter. Jetzt habe ich in einem Buch von Richard Bach diese Stelle gelesen, wo er auch versucht hat, sich ein Stück seiner nächsten Zukunft vorzustellen und es ihm einfach nicht gelungen ist. Später stellte sich dann heraus, dass diese Zukunft auch gar nicht stattgefunden hätte, so dass er sie auch nicht sehen KONNTE! Ich frage mich jetzt, wieweit meine Sensibilität reicht …

Sie könnte sehr weit reichen, wenn du sie nicht immer daran hindern würdest!

Frage also: Kann das der Grund sein, warum es auf dem Land nicht vorangehen will? Sehe ich da keine Zukunft, weil es für uns dort keine Zukunft gibt?

Und wenn ich schon dabei bin: Hier in Riec geht es mir nicht viel anders. Auch zum Garten hier habe ich kein richtiges Verhältnis. Aber ich kenne mich. Ist das wieder einmal dieses typische Jörg’sche sich nicht einlassen wollen? Da bin ich mir nie sicher. Bei fast allem was ich anfange gehe ich immer nur bis zu einem bestimmten Punkt und nie darüber hinaus. Wenn es sich um einen Job handelt kündige ich, wenn es sich um irgendein anderes Engagement handelt, bin ich ab einem bestimmten Punkt zurückhaltend. Jedenfalls kommt es mir so vor.

Also ich bin mir da sehr unsicher und weiß nicht: Ist dieses sich nicht einlassen wollen ein „Fehler“ von mir oder stimmt das insofern, als ich „meine Sache“ immer noch nicht gefunden habe und deshalb einfach zurückhaltend sein muss? Bitte hilf mir da Klarheit zu gewinnen.

Eben habe ich wieder eine Absage bekommen. Ich kann Absagen nur schwer verkraften. Und in letzter Zeit hagelt es nur so von Absagen. Hätte ich dich nicht, würde ich mich damit noch mehr alleine fühlen. So hilft mir die Hoffnung etwas, dass dies alles von dir so gewollt ist. Im Moment fühle ich mich mit alldem aber so, als würde sich das Jahr 1987 zuziehen wie eine Schlinge. Das kann doch so nicht von dir gewollt sein! Bitte hilf mir!

Du bist natürlich nicht immer die „Reinform“ dessen was du bist. Wenn du deine Schwierigkeiten mit dem Land beschreibst, dann musst du dir immer vor Augen halten, dass da mehrere Dinge zusammenkommen können.

Dieses „Sich nicht einlassen können“ ist im Grunde natürlich kein „Fehler“ von dir, sondern, wie du selbst schon vermutest, Ausdruck der Stimme in dir, die „weiß“, wo es für dich langgeht. Dingen, die dich nicht wirklich innerlich ansprechen, stehst du also immer relativ distanziert gegenüber.

Dabei solltest du aber eines sehen: Wen du DEINE Sache erst einmal gefunden hast, dann wirst du auch offen sein für viele andere Dinge, die dein Leben bereichern können. Dann wirst du mehr zu geben haben, als du glaubst. Es gibt nämlich nicht nur EINE Sache für jemanden.

Es geht eigentlich überhaupt nicht um eine Sache, sondern darum, SICH ZU ÖFFNEN! Ihr alle seid mehr oder weniger verschlossen und verhärtet. Bei Monika wirkt die innere Kraft stärker als bei dir, das Licht (wie man es nennen könnte), dass trotz harter Schale nach außen dringt und von innen wirkt. Bei dir ist es schwieriger. Deine Schale ist dicker als die ihre und dein Licht lässt du nicht so leuchten wie es könnte.

Was deine konkrete Frage wegen des Landes betrifft, so kann ich sie so konkret wie gewünscht nicht beantworten, weil das ein Blick in eure Zukunft wäre – und das ist nicht der Sinn meiner Hilfen. Ich kann dir also nicht sagen, ob das Land für euch eine Zukunft hat oder nicht und du solltest auch nicht so sehr auf solche Stimmen hören. Da gibt es viele, die dich in die Irre führen können. Tu einfach, was du tun kannst, und denke nicht darüber nach, ob es deine Sache ist oder nicht.

Das passende Bild von dir ist noch immer die Flasche, die unter Verschluss und vor allem unter Druck steht: Innen arbeitet es und arbeitet es, aber oben sitzt noch immer der Korken fest und rührt sich scheinbar keinen Millimeter. Doch irgendwann wird er rausfliegen un dann werden sich viele deiner Fragen ganz von selbst erledigt haben.

Bis dahin musst du das, was euch hier zurzeit widerfährt als Vorbereitung auf dieses Ereignis sehen. Das alte Jahr zieht sich wie eine Schlinge zu, sagst du. Das ist aber nur ein negatives Bild dessen, was ich eben geschildert habe: In Wahrheit steigt der Druck in der Flasche und der Korken ist unser Ziel. Nur darum geht es. Der muss raus. Auch bei Monika. Bei euch beiden steht ein Schritt an.

Das heißt doch aber nichts anderes, als dass die Qual immer größer werden wird, die Verhältnisse sich also immer weiter verschärfen werden?

Das sind Ausblicke in die Zukunft und sinnlose Spekulationen. Warum fängst du wieder an, dir schon vorher Sorgen zu machen? So vergrößerst du selbst noch das Maß an Druck, das ich für euch vorgesehen habe.

Stichwort „Absagen“:
Es sind in Wahrheit Zusagen! Was würde es dir oder euch denn nützen, wenn ihr Zusagen von Stellen erhieltet, die mit euch gar nichts zu tun haben? Ihr habt beschlossen einen bestimmten Weg zu gehen, der kürzer ist als der „normale“ Weg. Dann müsst ihr auch die Konsequenzen dafür annehmen. Ihr erlebt mehr, lernt schneller, aber der Weg ist auch schwieriger, der Wind ist rauer, das Klima manchmal eisiger. Zeitverluste werden nicht geduldet.

Du musst lernen, scheinbare „Absagen“ nicht als solche zu betrachten, sondern in ihnen wichtige Hinweise zu sehen. Wenn du eine Angel auswirfst, fängst du den Fisch nicht unbedingt dort, wo du den Köder platziert hast, sondern dort wo der Fisch tatsächlich ist! Der Schwimmer mit dem Wurm am Ende muss entweder zu dem Fisch hintreiben oder du musst warten, bis der Fisch an deiner Stelle vorbeikommt.

Was ist das Leben anderes?! Du wirfst die Angel aus und willst deine Fische an Land ziehen: Geld, Job, Sicherheiten, vielleicht auch ehrgeizige Projekte usw. Manches davon ist für dich unnütz, deshalb beißt es auch nicht an. Das ist mein Einfluss. Denn ich will ja, dass ihr lernt und zwar ohne Zeitverlust. Manchmal zappelt es ein wenig, der Fisch scheint am Köder zu knabbern, aber er beißt nicht wirklich an. Dasselbe! Nur was du wirklich an Land ziehen kannst, ist deine Beute!

Setze nicht so viele Hoffnungen, besetzt voller Sorgen und voller Angst vor der nächsten Zukunft, au die Schule in Lorient. Warte frei und offen ab, was dabei herauskommt. Und wie auch immer das Ergebnis ausfallen wird, sei der Schule dankbar für die wichtige Rolle, die sie in meinem Plan spielt.

Sage auch nicht, wie heute Morgen: „Heute habe ich nur Unangenehmes zu erledigen!“ Was ist das für ein Unfug?!? Du führst meinen Willen aus! Lass doch die Leute denken was sie wollen! Du magst vielleicht vor ihnen stehen wie einer, der es nicht geschafft hat, aber in Wirklichkeit bist du doch viel weiter als sie. Also lass dich nicht von deiner kleinen Eitelkeit und dem bisschen Stolz irritieren, die dir einreden wollen, was „unangenehm“ ist.

Gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Tue jeden Tag das, was getan werden muss, dann wirst du lernen und vorankommen und daran wachsen. Schon jetzt hast du, habt ihr beide so unendlich viel gelernt! Wieviel, werdet ihr erst später richtig erfassen können, aber glaubt mir: Es ist erheblich.

Nur normale Menschen teilen ihre Welt auf in Angenehmes und Unangenehmes. Und sie verstehen unter Leben, sich das Dasein möglichst bequem einzurichten.

Aber was ist denn daran eigentlich so schlimm? Kann man denn nicht lernen und trotzdem gut leben? Muss denn spirituelles Wachstum immer mit Entbehrungen verbunden sein?

Überhaupt nicht. Wer behauptet das? Aber für manche mag es so nötig sein. Du zum Beispiel würdest, wenn es dir gut ginge, ohne dass die nötige spirituelle Reife dahinter stünde, dein Leben lang in Wahrheit höchst unglücklich sein! Dein höheres Ich, das längst eine bestimmte Reife erreicht hat, würde ohne die Nahrung bleiben, die es so dringend braucht und würde sich gewaltig quälen. Du würdest ein sehr, sehr unzufriedenes Leben führen und deine Schmerzen mit Drogen aller Art betäuben müssen – was du ja mehr oder weniger immer schon getan hast und noch immer tust. Du hast es deshalb aus gutem Grund nie zu einem solchen Maß an Wohlstand gebracht, dass dir das hätte passieren können. Immer war die Lage unbefriedigend für dich, so dass du gezwungen warst weiterzusuchen.

Für Monika ist die Lage etwas anders. Monika ist immer in Gefahr sich ihrem Stolz und ihrem Ehrgeiz auszuliefern. Anstatt aus einer Situation die Lehren zu ziehen, die in ihr enthalten sind, besteht bei ihr die Gefahr sich darin zu verlieren. Monika hat ein Bild von sich, das ihrem wirklichen Ich nicht entspricht und sucht immer dieses Bild zu verwirklichen anstatt sich selbst. Vor diesem Zerrspiegel muss ich sie wegholen und sie sich selber gegenüberstellen. Würde Monika jetzt schon zu erfolgreich sein mit einem ihrer Projekte, sie würde die falschen Lehren daraus ziehen und die Chancen vertun, die darin enthalten sind. Da ich aber keine Umwege zulasse, geschieht das eben nicht. Sie liegt nicht bequem, sondern sehr dornig und kann sich nicht ausruhen, sondern muss suchen.

Spirituelles Wachstum ist für jeden anders. Im Moment ist der Weg für euch ein schwieriger und entbehrungsreicher. Das wird nicht immer so bleiben, doch wann es sich ändert, das liegt an euch. Es liegt nichts dagegen vor, gut und angenehm zu leben, aber es ist nicht für jedermann jederzeit die beste Lösung.

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