Dialog 318

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Man darf den Träumen keine Bedingungen stellen, sonst zerfließen sie wie Schattenbilder. Seid offen für alles und wisst doch ganz genau was ihr wollt – das ist die richtige Art zu leben und die richtige Art „realistisch zu träumen“.

Dialog 318 – 28.12.1987

Jörg:
Gestern haben wir beide entdeckt, dass wir teilweise sehr gleichartige Vorstellungen von unserer Zukunft haben. Beide zieht es uns zurück in die Provence, beide wünschen wir uns ein Leben zu führen, dass wirklich und endlich aus uns selbst heraus geführt wird. Also ein Leben, in dem das Geldverdienen nicht eine Sache „nebenbei“ ist, die man über einen Exporthandel oder ähnliches abwickelt, um dann Zeit für das zu haben, was einen wirklich interessiert, sondern es so zu machen, dass das, was einen wirklich interessiert auch Grundlage des materiellen Teils des Lebens ist. (Uff, das war sehr kompliziert ausgedrückt!)

Ich habe seit gestern die Empfindung, dass ich eigentlich wirklich gerne einmal schreiben würde. Und vielleicht klappt es ja tatsächlich und es findet sich jemand, der das dann auch lesen will. Das wäre es, was ich meine. Und das wäre vielleicht auch das, was du die ganze Zeit gemeint hast, wenn du sagtest, wir müssten unser Leben aus uns selber heraus entwickeln und alle Anlagen seien schon in uns vorhanden. Du hast das ja immer wieder auf unterschiedliche Weise ausgedrückt.

Mir ist auf einmal klar geworden, warum das mit dem Exportgeschäft eigentlich nie funktionieren konnte. Weil ich es ja im Grunde gar nicht wollte. Und das sogar ganz offen zugegeben habe. Wir wollten von Anfang an dieses Geschäft nur so betreiben, dass es uns „einige Telefongespräche kostet“ und die Sache ansonsten völlig selbstständig ihren eigenen Weg geht. Wobei Geld immer ebenso automatisch auch auf unser Konto fließen sollte, während wir uns inzwischen „um das kümmern, was uns wirklich interessiert“.

So etwas kann aber nicht gutgehen. Jedenfalls nicht bei Leuten, die an dem was sie tun wachsen wollen. Da kommt es eben darauf an, das erstens überhaupt erst einmal zu finden, was wichtig für einen ist, und zweitens damit auch Geld zu verdienen, es also manifest werden zu lassen. Denn nur Ideen, die auch ihre manifeste Grundlage auf der Erde haben, nützen überhaupt jemanden etwas.

Das ist wie mit unserem Weinhandel damals in Frankfurter Zeiten. Als wir merkten, dass man das nicht einfach „nebenbei“ betreiben kann, haben wir es sein lassen müssen, da wir einen Lebensinhalt nicht darin sehen konnten. Seltsam, dass wir mit dem Exportgeschäft ganz genau denselben Fehler gemacht haben ohne es zu bemerken.

Jetzt komme ich endlich zu meiner Frage: Wir sind uns nicht sicher ob dieser südlichen Sehnsüchte. Sind das einfach nur Fluchtgedanken? Stelen wir uns schon mal geistig aus der Bretagne fort und machen eine Landschaft für unser Versagen verantwortlich? Andererseits wissen wir diesmal auch, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir begriffen haben, worauf es für uns ankommt. Wenn wir zwischen Leben innerlich und Leben äußerlich keine Trennungslinie mehr ziehen. Die Landschaft spielt da nur eine Nebenrolle. Und wir werden uns erst dann auf den Weg gen Süden machen, wenn wir wissen, dass wir innerlich soweit sind.

Jetzt hast du manches von dem schon aufgeschrieben, was zu sagen meine Aufgabe gewesen wäre. Ein Beweis dafür, dass ihr etwas sehr Wichtiges erkannt habt:

Spiritualität, die keine irdische Grundlage hat, ist ohne jede Bedeutung. Ideen, die sich nicht verwirklichen lassen, Ideen, von denen man nicht leben kann, sind brotlose Künste. Wobei es nicht die Ideen sind, die nichts taugen, sondern derjenige der sie hat damit zeigt, dass er noch nicht weit genug gekommen ist. Eine spirituelle Idee auf die Erde heruntergeholt und in sein Leben eingepflanzt zu haben, das nenne ich einen Schritt gegangen sein!

Norden, Süden, Osten oder Westen, das ist allerdings unerheblich. Aber wenn es einen in eine bestimmte Gegend zieht, dann sollte man natürlich auf diese Stimme hören. Manches geht für manche Menschen an bestimmten Orten eben einfach besser.

Die Bretagne zum Beispiel war und ist für euch der Ort, wo ihr eure Erfahrungen der schmerzhaften Art sammeln musstet. Wenn es dir tatsächlich gelingen sollte, einen Weg zum Schreiben zurückzufinden, dann hat sich der ganze Aufwand tausendfach gelohnt. Wenn die erste Geschichte sogar verkauft ist, dann seid ihr euren Schritt tatsächlich gegangen. Ihr, sage ich, obwohl ich nur von dir spreche? Mal ist es der eine und mal der andere, der für euch beide zu tragen hat. Monikas Blüte wird sich zu ihrer vorgesehenen Zeit entfalten, da hat es keine Eile, denn sie ist geradewegs auf dem besten Weg dahin.

Wenn es euch in den Süden ziehen sollte – mir ist es recht. Es wäre ein schönes Geschenk von mir für all die Mühen, denen ihr euch hier unterzogen habt und noch unterziehen müsst. Wir sind noch nicht fertig! Jetzt habt ihr euch zur Prüfung angemeldet und die findet nun auch statt.

Wenn ihr von einem eigenen Haus träumt, dann träumt richtig:
Seid euch innerlich gewiss, dass ihr es eines Tages bauen oder kaufen werdet und holt dieses „eines Tages“ so nahe wie möglich an euch heran, ohne euch aber etwas festzulegen! Das ist sehr wichtig. Man darf den Träumen keine Bedingungen stellen, sonst zerfließen sie wie Schattenbilder. Seid offen für alles und wisst doch ganz genau was ihr wollt – das ist die richtige Art zu leben und die richtige Art „realistisch zu träumen“.

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